Heftiger Sturz im Training, diskutable Judges-Entscheide und viel Druck: All diesen Widrigkeiten zum Trotz gewann Ski-Freestylerin Mathilde Gremaud am Montag in Livigno zum zweiten Mal Olympiagold im Slopestyle. Die Siegerin von Peking 2022, amtierende Weltmeisterin und Weltcup-Leaderin war als absolute Favoritin in den Wettkampf gegangen. Nicht ganz so klar sind die Vorzeichen vor der Entscheidung im Big Air.
In ihrer deutlich zweitbesten Disziplin hat Gremaud in diesem Winter bei (nur) zwei Anläufen im Weltcup noch kein Top-10-Ergebnis zu Buche stehen. Zudem stammt auch nur eine ihrer bislang sieben Grossanlass-Medaillen aus dem Big Air (Olympiabronze in Peking).
In Aspen mit Frauen-Novum brilliert
Auf dem Papier sind aktuell andere Starterinnen die Favoritinnen auf Gold, allen voran Gremauds ständige Widersacherin Eileen Gu. Die für China startende US-Amerikanerin, Peking-Olympiasiegerin auf dem grossen Kicker, hatte nach dem verlorenen Slopestyle-Duell mit Silber Vorlieb nehmen müssen und hat somit noch eine Rechnung mit Gremaud offen.
Allerdings: Das grösste Big-Air-Ausrufezeichen in dieser Saison stammt von Gremaud. An den prestigeträchtigen X-Games in Aspen im Januar holte die Freiburgerin ihre 5. Goldmedaille mit einem historischen Auftritt: Als erste Frau überhaupt zeigte sie einen «Nose Butter double cork 1260»-Trick. Trotz schwierigen Bedingungen in den Rocky Mountains stand sie ihren Versuch souverän.
Andraska ist zurück
Die Qualifikation geht am Samstagabend über die Bühne, die Entscheidung um die Medaillen fällt dann am Montag (19:30 Uhr) – beides zeigen wir live bei SRF. Neben Gremaud stehen auch Giulia Tanno, Sarah Höfflin und Anouk Andraska am Start. Letztere hatte im Slopestyle aufgrund ihrer jüngst erlittenen Gehirnerschütterung noch auf einen Start verzichtet, das erste Big-Air-Training aber absolviert.
Teamleaderin Gremaud winkt mit erst 26 Jahren das 5. Podest bei Olympischen Spielen. Mit dem «Nose Butter» im Gepäck gar keine so abwegige Vorstellung.