Für ihren grossen Olympia-Traum ging Flora Tabanelli am Montagabend im auch infolge schwieriger Wetterbedingungen turbulenten Big-Air-Final volles Risiko. Und die erst 18-Jährige wurde bei ihren Heimspielen für ihr Draufgängertum belohnt.
Trotz eines gerissenen Kreuzbandes gewann die Ski-Freestylerin in Livigno Bronze und entzückte den Gastgeber Italien bei den 25. Winterspielen abermals. Die «Azzurri» stehen nach dem 10. Wettkampftag bereits bei bemerkenswerten 23 Medaillen-Exemplaren.
Für die Schweiz konnte Mitfavoritin Mathilde Gremaud nach ihrem Slopestyle-Gold das Konto vorerst nicht weiter aufstocken. Die Freiburgerin war im Probedurchgang gestürzt und musste wie auch Anouk Andraska Forfait geben.
Eine Titanschiene hat geholfen
«Ich hätte nie erwartet, Bronze zu gewinnen», sagte Tabanelli nach ihrem Coup. Es war ihr einziger Wettkampf der Saison, und ihre Olympia-Teilnahme stand vor 3 Monaten noch in der Schwebe. Denn erst im November zog sich die Big-Air-Weltmeisterin (den Titel hatte sie im Vorjahr im Engadin errungen) bei einem Trainingssturz eine schwere Verletzung am rechten Knie zu – ein Landeversuch missglückte.
Aber Tabanelli setzte alles auf eine Karte, verzichtete auf eine Operation und liess sich stattdessen konservativ behandeln. In Livigno trug sie eine «Titanschiene, die mir hilft, das Knie zu stabilisieren – das Band ist ja gerissen, also musste ich weitere Verletzungen verhindern», erklärte die Gesamtweltcupsiegerin von 2025. Skirennfahrerin Lindsey Vonn hatte bei Olympia nach einem Sturz mit gerissenem Kreuzband, der sich sogar erst gut eine Woche vor ihrem Start in der Olympia-Abfahrt ereignet hatte, Ähnliches vor. Sie wollte ebenfalls reüssieren – bezahlte aber teuer für ihr Vorhaben.
Dem Bruder sei Dank
Im Nachgang erzählte Tabanelli, dass die Schiene auch ein Handicap war. «Sie stört, weil sie in den Skischuh hineinragt, und ich fühle mich damit nicht völlig frei.» Doch das alles hielt Tabanelli nicht davon ab, bei ihrer Olympia-Premiere zu starten.
Im entscheidenden 3. Run verbesserte sie sich auf den Bronzerang. Gold sicherte sich die Kanadierin Megan Oldham vor Superstar Eileen Gu (China).
Ihre Medaille widmete Tabanelli ihrem Bruder Miro, der ebenfalls im Freestyle für die Spiele qualifiziert war: «Diese Medaille gehört zur Hälfte ihm. Er hat Herz gezeigt und alles gegeben, um mir nach der Verletzung zu helfen.» Nun lässt sich Tabanelli ihr verletztes Knie operieren. «Nach diesen Spielen muss ich unters Messer, um in der kommenden Saison stärker zurückzukehren», kündigte sie an.