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Traumcomeback zum Olympiasieg Brignone: «Auf die Zähne beissen, fahren, das Wunder schaffen»

Federica Brignones Olympiagold nach schwerer Verletzung ist für sie nicht weniger als ein Wunder. Das sieht auch SRF-Expertin Tina Weirather so.

Es gibt zwei Dinge, die Federica Brignone ausserordentlich gut kann: Skifahren und Rückschläge wegstecken. Beides bewies sie im Rahmen der Olympischen Spiele in Cortina eindrücklich. Am Mittwoch noch hatte sie das Training in Pozza di Fassa unter Tränen vor Schmerzen abbrechen müssen. Und einen Tag später? Raste sie auf der Olimpia delle Tofane sensationell zu Super-G-Gold.

Einmal mehr führte Brignone die feinste Klinge in einem Rennen, das infolge Nebel, Schneefall und anspruchsvoller Streckenführung tückisch war. Das war insofern erstaunlich, als dass die 35-Jährige keinen Monat zuvor am Kronplatz ihr Comeback nach 9 Monaten Zwangspause und nur wenigen Tagen auf Schnee gegeben hatte. Am 3. April 2025 war sie an den italienischen Meisterschaften schrecklich gestürzt. Horrordiagnose: doppelter Schien- und Wadenbeinbruch sowie Kreuzbandriss.

Nur schon hier zu sein, ist ein Wunder.
Autor: Federica Brignone nach Olympiagold

«Es ist wirklich verrückt», erklärte eine emotionale Brignone. «Nur schon hier zu sein, ist ein Wunder. Aber Olympiasiegerin? Damit hätte ich nie gerechnet. Das ist etwas ganz Besonderes.» Noch zwei Tage zuvor sei ein Training nicht möglich gewesen. Trotz der Schmerzen habe sie sich gesagt: «Einfach auf die Zähne beissen und fahren. Einfach die Ski laufen lassen. Ich hatte genau im Kopf, was ich auf der Piste zu tun hatte.»

Der olympische Medaillensatz ist komplett

Der Sieg ist eine goldene Ergänzung zu ihren bisherigen Olympiamedaillen im Riesenslalom (Silber 2022 und Bronze 2018) sowie der Kombination (Bronze 2022). Denkbar, dass für Brignone dabei hilfreich war, dass Lindsey Vonns Olympia-Comeback in seinem ganzen Brimborium die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Besonders war der Erfolg freilich auch für Brignones Bruder David, der ihr Trainer ist, sowie ihre Mutter. Letztere schilderte im SRF-Interview: «Federica hatte Schwierigkeiten, starke Schmerzen. Sie glaubte: ‹Ich werde nie wieder Athletin sein können!›» Doch David habe sie motiviert, wieder auf die Ski zu stehen. Das Motto der Familie sei gewesen: «Es gab Höhen und Tiefen. Aber wir haben ihr immer geholfen, eher die Höhen zu sehen.»

Für mich ist es eines der grössten Wunder, die ich in diesem Sport in den letzten 15 Jahren erlebt habe. Unglaublich!
Autor: Tina Weirather SRF-Expertin

Für SRF-Expertin Tina Weirather ist es nicht weniger als «eines der grössten Wunder, die ich in diesem Sport in den letzten 15 Jahren erlebt habe». Dass Brignone so bereit sei, habe Weirather nicht gedacht. Angesichts der schweren Verletzung hätte es die Italienerin «bei jeder Welle erwischen oder versetzen können. Doch es ist aufgegangen – unglaublich!»

Vielleicht war das nun das Happy End; vielleicht kann die gebürtige Mailänderin sogar noch im Riesenslalom nachdoppeln. So oder so – es gibt zwei Dinge, die Brignone ausserordentlich gut kann: Skifahren und Rückschläge wegstecken. Und nun gibt es zwei Daten, die sie nie wieder vergessen wird: den 3. April 2025 und den 12. Februar 2026.

Milano Cortina 2026

SRF zwei, Sportlive, 12.2.26, 11:30 Uhr ; 

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