Er liess sich Zeit für sein Siegerinterview. Als frischgebackener Abfahrts-Olympiasieger durfte Franjo von Allmen sich diese Freiheit auch nehmen. Denn nach dem erfolgreichen Rennen in Bormio musste erst die Goldmedaille in einem Safe in Sicherheit gebracht werden. «Ich bin ein kleiner Chaot, ich kenne mich», erklärte der Berner Oberländer lachend. «Sicher ist sicher.»
Das Umhängsel verdient hat sich von Allmen mit einer Traumfahrt auf der schwierigen Stelvio. Auch die beiden einheimischen weiteren Medaillengewinner Giovanni Franzoni und Dominik Paris hielt er in Schach und reihte sich damit in die Galerie grosser Schweizer Abfahrtskönige ein: Zuvor hatten bereits Bernhard Russi (1972), Pirmin Zurbriggen (1988), Didier Défago (2010) und Beat Feuz (2022) bei Olympia das goldene Kunststück in der Königsdisziplin vollbracht.
Wenn jeder sagt, dass ich fett sei ... ich muss dieses Fett ja irgendwie runterschieben.
Von Allmen ist erst der vierte amtierende Abfahrtsweltmeister, der anschliessend auch Olympiagold gewann. Zuvor war dies bereits dem Italiener Zeno Colo (1950/52), dem Franzosen Jean-Claude Killy (1966/68) und Russi (1970/72) gelungen.
Tempo dank zusätzlichen Kilos
Zusammen mit seinem Vorgänger Feuz (Sieger 2022 in Peking) analysierte der 24-Jährige auch gleich seine Siegesfahrt. Angesprochen auf das teils horrende Tempo scherzte von Allmen: «Wenn jeder sagt, dass ich fett sei ... ich muss dieses Fett ja irgendwie runterschieben.» Anschliessend relativierte er: «Natürlich nicht ‹fett›, aber ich habe schon das eine oder andere Kilo mehr auf der Waage als andere.»
Nun freue er sich auf die Festivitäten, «aber noch bedacht» – es stehen weitere Rennen an. Auch im Super-G (Mittwoch) und womöglich in der Team Kombination (Montag, Aufgebot noch offen) darf sich von Allmen Chancen ausrechnen.