Nach einer Minute in der Verlängerung wäre beinahe eine der grössten Überraschungen in der Geschichte des olympischen Eishockey-Turniers Tatsache geworden. Im Duell zwischen Kanada und Tschechien kam Radim Simek bei 3 gegen 3 aus bester Lage zum Abschluss – scheiterte aber an Goalie Jordan Binnington.
Es hätte das Out für die praktisch ausschliesslich aus NHL-Superstars bestehende Übermannschaft Kanadas bedeutet. Eine Equipe, für welche die Goldmedaille bereitzuliegen scheint. Doch der tschechische K.o.-Schlag kam nicht – und 22 Sekunden später schoss Mitch Marner die «Ahornblätter» nach einem schönen Solo mit herrlichem Abschluss in die Halbfinals.
Das wird uns vielleicht etwas demütiger werden lassen.
Der Viertelfinal war für Kanada, das durch die Gruppenphase spaziert war, der berühmte Schuss vor den Bug. Colorado-Center Nathan MacKinnon sagte: «Es war ein hartes Spiel. Unsere ersten drei Partien gewannen wir 5:0, 5:1 und 10:2. Deshalb tut es gut, dass wir jetzt Widrigkeiten aus dem Weg räumen mussten. Das wird uns vielleicht etwas demütiger werden lassen.» Mit Blick auf den Halbfinal meinte Siegtorschütze Marner: «Wir müssen konzentriert bleiben und unseren Job erledigen.»
Ähnlich knapp vor dem Ausscheiden wie Kanada standen die Finnen gegen die Schweiz. Erst mit einem zusätzlichen Feldspieler erzwangen sie die Verlängerung, in welcher Artturi Lehkonen zum Helden avancierte. Am Freitag (Spielbeginn um 16:40 Uhr) wird der Olympiasieger von 2022 alles in die Waagschale werfen, um Kanada zu Fall zu bringen.
2014, als letztmals die NHL-Cracks bei Olympia dabei waren, trafen diese beiden Teams in der Gruppenphase aufeinander. Kanada setzte sich erst in der Verlängerung mit 2:1 durch. Doppeltorschütze damals war Drew Doughty, der auch heuer dem kanadischen Kader angehört.
Überrascht die Slowakei auch die USA?
Im späten Halbfinal (ab 21:10 Uhr) stehen sich die USA und die Slowakei gegenüber. Die Slowaken mussten als einziges Halbfinal-Team nicht den Umweg über die Overtime gehen. Gegen Deutschland resultierte für das Team, das die Gruppe B mit Schweden und Finnland unerwartet auf Platz 1 abgeschlossen hatte, ein souveräner 6:2-Erfolg.
Die Slowakei ist die grosse Überraschung im bisherigen Turnier, denn die Mannschaft von Trainer Vladimir Orszagh hat weniger NHL-Spieler mit an Bord als die Schweiz (7 vs. 10). In Sotschi 2014 standen sich die USA und die Slowakei in der Gruppenphase gegenüber. Bei der 1:7-Klatsche schoss ein gewisser Tomas Tatar den slowakischen Ehrentreffer. Der heutige EVZ-Angreifer ist auch bei Milano Cortina 2026 dabei.