Kimi Antonelli genoss jede Sekunde seines Triumphs. Von der Champagnerdusche im Fahrerlager von Spa-Francorchamps bis hin zu Autogrammen noch auf dem Flughafenrollfeld: Der WM-Spitzenreiter grinste unaufhörlich. Aus gutem Grund. «Letztes Jahr hatte ich hier wohl meinen Tiefpunkt erreicht», blickte Antonelli nach seinem souveränen Rennsieg in Belgien zurück.
Es ist auch für uns überraschend, was für einen Sprung er gemacht hat.
Zwölf Monate später hat der 19-Jährige seine Führung ausgebaut – und schon vor seinem Abflug aus den Ardennen neue Höhen erreicht: Der WM-Titel in der Formel 1 führt derzeit nur über ihn. «Das hätte ich nicht erwartet, wenn du mich letztes Jahr hier danach gefragt hättest», sagte Antonelli.
Platz 18 im Qualifying, Platz 16 im Rennen hatte der Italiener 2025 belegt. Nun dominiert er die Formel 1 nach Belieben. «Es ist auch für uns überraschend, was für einen Sprung er gemacht hat», lobte Mercedes-Teamchef Toto Wolff die steile Lernkurve seines Schützlings. Antonellis Einstellung sei «einfach unglaublich».
Als der Vorsprung schrumpfte
Mit dieser hatte sich der Youngster auch von den jüngsten Rückschlägen nicht irritieren lassen. Vor allem wegen technischer Defekte sammelte er zuletzt nur 23 von 83 möglichen Zählern, der WM-Vorsprung schrumpfte.
«Es ist schön, nach ein paar schwierigen Wochenenden wieder ganz oben auf dem Podest zu stehen», sagte Antonelli nach seinem sechsten Saisonsieg – und fügte gewohnt unbeschwert an: «Das Momentum war immer da.»
Medien verneigen sich vor Antonelli
Die eindrucksvolle Vorstellung in Belgien, bei der Antonelli vor Charles Leclerc und Max Verstappen siegte, würdigte auch die Presse. «Antonelli, der junge Löwe», schrieb Tuttosport, habe wieder einmal bewiesen, «dass er die Gegenwart und die Zukunft der Formel 1 ist».
Die spanische Mundo Deportivo sah «einen wahren Champion», bei dem sich die Lage drastisch ändern müsse, «damit er die Weltmeisterschaft noch verliert».
Antonelli stapelt tief – und steht vor Rekord
Vor zu grossen Erwartungen bremste Antonelli aber. «Die letzten Rennen haben gezeigt, wie schnell etwas schieflaufen kann, daher will ich derzeit überhaupt nicht an den Titel denken», sagte er.
Dennoch nimmt ein historischer Erfolg nun immer konkretere Form an – auch weil George Russell im anderen Mercedes, bislang sein ärgster Verfolger, früh ausschied. «Die Enttäuschung lässt mich kalt. Wenn so etwas so oft passiert, gewöhnt man sich einfach daran», sagte Russell.
Antonelli hat nun 50 Punkte Vorsprung auf ihn, 45 auf Hamilton. Im August wird er 20 Jahre alt. Jüngster Weltmeister ist bislang Sebastian Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen. Wie lang noch?