Inmitten des Jubels und des Staunens über die Dominanz von Kimi Antonelli hob Toto Wolff mahnend den Zeigefinger. «Wir sprechen jetzt von fünf Siegen, nicht von drei Weltmeisterschaften», sagte der Teamchef von Mercedes. «Es wird auch schwierige Episoden geben, in denen man ihn unterstützen muss. Man darf jetzt nicht erwarten, dass er jedes Rennen gewinnt.»
Doch für Antonelli scheint es keine Grenzen zu geben, in Monaco feierte er seinen fünften Sieg nacheinander – nach nur sechs Saisonrennen hat er in der Formel-1-WM bereits 66 Punkte Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Lewis Hamilton im Ferrari.
Hamilton-Rekord in Monaco pulverisiert
«Er leistet phänomenale Arbeit. Er hat ein fantastisches Team um sich, mit Bono (Renningenieur Peter Bonnington, d. Red), Toto und dem gesamten Ensemble», sagte Rekordweltmeister Hamilton, dessen Platz bei Mercedes Antonelli im Vorjahr übernommen hatte.
Er war der schnellste Mann, wir konnten ihn kaum bremsen.
Bislang war Hamilton mit seinem Triumph aus dem Jahr 2008 der jüngste Monaco-Sieger gewesen, Antonelli, am Renntag exakt 19 Jahre und 286 Tage alt, pulverisierte diesen Rekord förmlich. «Das war eine unglaubliche Performance, vom Anfang bis zum Ende», lobte Förderer Wolff. «Er war der schnellste Mann, wir konnten ihn kaum bremsen.»
Natürlich profitiert Antonelli davon, dass er im mit Abstand besten Auto der gesamten Formel 1 sitzt, doch anders als sein Teamkollege George Russell nutzt er diesen Vorteil eiskalt. Der Engländer, immerhin Sieger des Auftaktrennens in Australien, wurde in Monaco auch wegen einer Strafe nur Zwölfter. Antonelli hingegen liess sich selbst von einem Loch in der Strecke, einer langen Unterbrechung und einem weiteren stehenden Start nicht stoppen.
Ferrari will aufholen
Das ist einerseits bewundernswert, führt aber auch zu erdrückender Dominanz. Nichts spricht dafür, dass sich an den Kräfteverhältnissen am kommenden Wochenende in Barcelona etwas ändern wird. Ferrari mit Hamilton und Charles Leclerc scheint Antonelli noch am nächsten zu sein, ist aber trotzdem meilenweit entfernt.
Mercedes sei «sehr schnell und ein grossartiges Team», sagte Hamilton. «Aber wir werden weiter Druck machen, weiter aufholen, und ich habe keinen Zweifel daran, dass wir es irgendwann schaffen werden.»
Antonelli: «Messlatte noch höher legen»
Ob Hamilton wirklich daran glaubt, ist schwer zu beurteilen. Er selbst kennt die Rolle des Dominators nur zu gut, sechs seiner sieben WM-Titel holte er mit Mercedes. Auch Max Verstappen prägte mit Red Bull und vier Weltmeisterschaften nacheinander eine Ära, ist aber gegen Antonelli nun völlig chancenlos.
Der Überflieger selbst ist längst nicht zufrieden. «Ja, das ist ein toller Moment, aber wir müssen weiter das Maximum aus jeder Möglichkeit herausholen», so Antonelli. «Wir werden einfach versuchen, immer weiter Gas zu geben und die Messlatte noch höher zu legen.»