Hirscher: «Endlich hat dieser Krimi ein Ende»

Im Riesenslalom auf der Lenzerheide musste Marcel Hirscher eine historisch knappe Niederlage im Kampf um die kleine Kristallkugel hinnehmen. Doch der Österreicher hat keinen Grund, in Traurigkeit zu verfallen: Er schliesst mit seinem dritten Triumph im Gesamtweltcup zu den ganz Grossen auf.

Marcel Hirscher verlor auf der Lenzerheide die kleine und gewann die grosse Kristallkugel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schrei der Erleichterung Marcel Hirscher verlor auf der Lenzerheide die kleine und gewann die grosse Kristallkugel. Keystone

Nach dem Super-G vom Mittwoch beim Saisonfinal auf der Lenzerheide hatte es Marcel Hirscher als «sehr unwahrscheinlich» bezeichnet, dass er die grosse Kristallkugel seinem Rivalen Aksel Svindal überlassen müsse. Und der selbstbewusste Salzburger hielt Wort: Im vorletzten Rennen der Saison verwertete er seinen ersten «Matchball».

Interview mit Marcel Hirscher («sportlive», 15.03.14)

0:58 min, vom 15.3.2014

Hitchcock-Final überstanden

Nach dem Rennen zeigte Hirscher für einmal etwas, das er auf der Piste wie kaum ein anderer verbirgt: Seine Nerven. «Endlich hat dieser Krimi ein Ende», sagte er, nachdem die Entscheidungen gefallen waren. «Es war ein Drahtseilakt.»

Dass es im Riesenslalom ganz knapp nicht reichte, kann Hirscher verkraften: «Ich habe zuhause nicht so viel Platz, die kleinen Kugeln kann ich nicht mehr aufstellen», meinte er scherzhaft. Im Duell um die Disziplinenwertung im Slalom, das er am Sonntag gegen Felix Neureuther austrägt, darf gleichwohl mit einem hungrigen Hirscher gerechnet werden.

Hirscher sprachlos - Svindal ausgelaugt

Zur Zitterpartie wurde die Entscheidung um den Gesamtweltcup derweil nicht. Svindal, der vor dem Rennen 19 Punkte Vorsprung auf Hirscher gehabt hatte, schied bereits im 1. Lauf aus. «Ich bin sprachlos, dieser Hattrick im Gesamtweltcup freut mich riesig. Es fällt eine riesige Last von mir ab», gab sich Hirscher nach dem Rennen befreit. Im Gegensatz zu besagter Last beeindruckt die scheinbare Leichtigkeit, mit der er seinen dritten Triumph in der Gesamtwertung letztlich perfekt machte.

Interview mit Aksel Svindal («sportlive», 15.03.14)

2:34 min, vom 15.3.2014

Dies imponiert umso mehr, als sein ärgster Rivale, Vorzeige-Athlet Svindal, im kräftezehrenden Olympia-Jahr zusehends an Verve verlor: «Ich habe kein Problem mit dem Körper, aber mit dem Kopf. Die letzten Tage waren für mich nicht so schön», gab der unterlegene Norweger abgeklärt, aber sichtlich ausgelaugt zu Protokoll.

Der Himmel als Grenze?

Mit gerade einmal 25 Jahren hat Hirscher damit zum dritten Mal die prestigeträchtigste Auszeichnung im Ski-Rennsport ausserhalb von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen geholt. Zum dritten Mal in Folge wohlgemerkt - ein Kunststück, das zuvor nur den Alpin-Legenden Ingemar Stenmark (Sd), Gustav Thöni (It) und Phil Mahre (USA) gelungen war. Und Hirscher ist angesichts seines Alters und seiner fahrerischen Hochbegabung zuzutrauen, weitere Rekordmarken zu setzen.