Es waren aussergewöhnliche Szenen, die sich in der John Cain Arena in Melbourne nach der Drittrundenpartie zwischen Stan Wawrinka und Taylor Fritz abspielten. Fritz, bekanntlich der Gewinner der Partie, hatte sich schon verabschiedet, während sich Wawrinka vom frenetischen Publikum ein letztes Mal feiern liess. Während die Augen beim Schweizer trockenblieben, waren im Publikum einige Tränen zu erblicken.
Zum 20. und letzten Mal hatte Wawrinka in Melbourne aufgeschlagen. Einzig 2022 musste er wegen einer Verletzung passen. 2014 holte er sich an den Australian Open seinen ersten Grand-Slam-Sieg. Der Romand triumphierte in einer Zeit, in der die Superstars Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und auch Andy Murray die Siege bei den vier Grand-Slam-Turnieren eigentlich unter sich ausmachten. Auch deshalb ist er vor allem in Australien extrem populär.
«Normalerweise reden wir nach einem Final auf dem Platz, heute ist kein Final», bemerkte er im Platzinterview mit Turnierdirektor Craig Tiley. Wawrinka bedankte sich für die Wildcard, die ihm die Abschiedstour «Down Under» erst ermöglichte. Das Turnier in Melbourne werde von Jahr zu Jahr besser.
«Die Atmosphäre war unglaublich. Danke, dass ihr immer dabei seid, wegen euch habe ich bis heute gespielt», sagte Wawrinka, der auf der Leinwand mit einem emotionalen Video geehrt wurde. «Ich bin traurig zu gehen, aber es war eine fantastische Reise», führte er im Anschluss aus.
Ein Bier mit dem Turnierdirektor
Dann schnappte er sich kurzerhand zwei kühle Dosen Bier und stiess zum Abschied mit Tiley an. Auch Fritz fand nach der Partie warme Worte: «Ich kann dem Publikum keinen Vorwurf machen, Stan anzufeuern. Es ist fantastisch, was er hier draussen abliefert. Ich habe so viel Respekt für seine Leidenschaft», sagte der US-Amerikaner.
Auch bei den weiteren Grand-Slam-Turnieren in Paris, Wimbledon und New York dürfte Wawrinka auf die bedingungslose Unterstützung des Publikums zählen können. Aufgrund des starken Abschneidens könnte dem Romand auch die Zitterpartie um den Erhalt einer Wildcard erspart bleiben. Der 40-Jährige verbessert sich in der Weltrangliste in die Gegend um Platz 110 und hat im Frühling nur wenige Punkte zu verteidigen.