Mirra Andrejewa ist die Verkörperung des Begriffs «Tennis-Wunderkind». Als 15-Jährige feierte die Russin beim WTA-1000-Turnier von Madrid ihren ersten Sieg auf der Tour, mit 16 stiess sie bei Wimbledon in die 4. Runde vor und noch vor ihrem 18. Geburtstag holte sie am WTA-1000-Turnier in Dubai ihren 1. Titel.
Ein gutes Jahr später steht Andrejewa bei den French Open im Final. Auf dem Weg ins Endspiel gab die gebürtige Sibirierin in 6 Matches erst einen Satz und 32 Games ab. Auch Jil Teichmann musste beim 3:6, 2:6 Andrejewas Überlegenheit anerkennen.
Im Debütantinnen-Final gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska (WTA 114) ist Andrejewa (WTA 8) klare Favoritin. Aber das waren an diesen French Open schon andere – und sind teils krachend gescheitert. Zuletzt mussten die Russinnen Anna Kalinskaja und Diana Shnaider das Feld räumen.
Schafft Chwalinska den Russland-Hattrick?
In anderen Worten: Chwalinska könnte mit einem weiteren Coup den «Russinnen-Hattrick» vollenden. Die Polin begeisterte auf ihrem bisherigen Parcours mit ihrem variantenreichen Spiel. Im Halbfinal gegen Shnaider spielte die Linkshänderin bei einer Gelegenheit sogar einmal den Ball mit rechts.
Ihr Manko ist der verhältnismässig schwache Service. Im Halbfinal hatten ihre Aufschläge im Schnitt eine Stärke von 143 km/h. Ihre Gegnerin serviert deutlich kraftvoller (171 km/h). Von Landsfrau (und Doppelpartnerin) Shnaider erhielt Andrejewa den Rat, mutig ans Netz zu stürmen.
Von Träumen und Bubbles
Und was sagen die Protagonistinnen selbst? Andrejewa meinte nach dem Final-Einzug: «Das ist alles, wovon ich geträumt habe. Grosse Turniere zu gewinnen oder in einem Grand-Slam-Final zu stehen, ist das Ziel Nummer 1 in meinem Leben.»
Chwalinska bekannte: «Ich bin in einer Bubble, ich weiss gerade nicht, was geschieht.» Erst nach dem Turnier werde sie Zeit haben, alles zu verarbeiten und durchzuatmen.