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Nach mentalen Problemen Teichmann will sich zurückkämpfen – aber mit Bedacht

Jil Teichmann zog im Oktober 2025 aufgrund mentaler Erschöpfung die Notbremse. Nun nimmt sie einen neuen Anlauf.

Als junges Mädchen träumte Jil Teichmann davon, Tennis-Profi zu werden. Dank harter Arbeit und eiserner Disziplin – gepaart mit ihrem grossen Talent – etablierte sich die Seeländerin auf der WTA-Tour.

Doch im letzten Jahr wurde aus dem Traum ein Albtraum. Teichmann verlor die Freude am Tennis, stattdessen nahmen die Schattenseiten des Profidaseins Überhand. Der Erwartungsdruck setzte ihr zu.

Wir Spielerinnen sind keine Opfer [...] Aber es geht darum, zu zeigen, dass so etwas passieren kann.

«Wenn man sich nur noch über das Tennis identifiziert, führt das irgendwann zu: ‹Ich bin ein guter Mensch, wenn ich gewinne und ein schlechter Mensch, wenn ich verliere.›» Fällt man in dieses Mindset, sei das sehr gefährlich, so Teichmann, denn: «Das Leben ist viel mehr.»

Jil Teichmann.
Legende: Mehr Last als Lust Jil Teichmann verlor zwischenzeitlich die Freude an ihrem eigentlichen Traum-Beruf. Imago Images/Foto Olimpik

Erste Anzeichen ignoriert

Erste Anzeichen von mentalen Schwierigkeiten habe sie bereits Ende 2023 gespürt, verrät die 28-Jährige. Damals ignorierte Teichmann ihre innere Stimme aber, reiste weiter um die Welt und spielte Turnier um Turnier. Erst eine Rückenverletzung zwang sie zu einer Pause. Diese öffnete der Schweizerin gewissermassen die Augen: «Ich habe mir damals versprochen, dass ich aufhöre, wenn es wieder in diese Richtung geht», sagt Teichmann in Bezug auf die psychischen Probleme.

Und tatsächlich: Anfang Oktober 2025 – Teichmann war soeben aus den Top 100 gefallen – zog sie die Notbremse und beendete ihre Saison vorzeitig. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch nicht klar gewesen, wie lange die zweifache WTA-Turniersiegerin den Tennisplätzen fernbleiben würde.

Weit weg vom Tenniscourt

Teichmann fand während ihrer Pause die Freude in anderen Beschäftigungen wieder. Unter anderem erlernte sie das Surfen und fuhr erstmals seit 14 Jahren wieder Ski. Sieben Monate lang bestritt Teichmann keinen einzigen Tennis-Ernstkampf. Sie stellte ihr Wohlbefinden über die Weltranglisten-Punkte und das Preisgeld. «Wir Spielerinnen sind keine Opfer, schliesslich haben wir uns für diesen Job entschieden. Aber es geht darum, zu zeigen, dass so etwas passieren kann. Es geht um das Normalisieren.»

Nach einem dreimonatigen Aufbau gab die ehemalige Weltnummer 21 bei einem Challenger-Turnier im portugiesischen Oeiras ihr Comeback. In der Quali gewann Teichmann das erste Spiel, blieb in der 2. Runde aber hängen.

Anfang bei null? Nicht ganz

Die lange Auszeit hat Teichmann in der Weltrangliste bis auf Rang 191 zurückgeworfen. Dank dem geschützten Ranking – neben Sportverletzungen werden von der Tour immer öfters auch mentale Probleme berücksichtigt – muss die Schweizerin nicht ganz von vorne anfangen.

Es ist ein laufender Prozess.

Die Sandsaison hat Teichmann bewusst als Comeback-Unterlage gewählt. Auf der roten Asche feierte sie schliesslich ihre grössten Erfolge. Nun stehen für die Seeländerin wegweisende Wochen an. Teichmann plant unter anderem Starts beim WTA-1000-Turnier in Rom und anschliessend an den French Open.

Pause gemacht, Problem gelöst? «Es ist ein laufender Prozess», ist sich Teichmann sicher – und kann dabei wieder lachen.

Resultate

SRF zwei, Sportpanorama, 19.04.2026, 18:00 Uhr ; 

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