«Hast du Angst vor dem Tod?» ist sicher keine Icebreaker-Frage fürs erste Date. Darüber aber kein Sterbenswörtchen zu verlieren, ist genauso unproduktiv. Wenn wir Menschen alle etwas gemeinsam haben, dann die Tatsache, dass wir sterben. Diese sieben Personen teilen ihre Überlegungen und Gedanken zum Tod.
Ein Kriminalbiologe
«Als Biologe gibt’s das Sterben gar nicht, ich sehe nur das Lebende darin. Ich mag das Leben. Es ist nur eine Wiederverwendung», sagt der Mann, der den Schädel von Hitler identifizieren musste. Laut Mark Benecke stirbt man sowieso schon ab dem 25. Lebensjahr. Die Aufbauvorgänge sind relativ schnell abgeschlossen, danach geht es in einen langsamen Abbauvorgang über.
Eine Palliativ-Pflegerin
Am Ende des Lebens beginnt die Arbeit von Livia De Toffol. «Die, die sich früh genug mit der Krankheit und ihrer eigenen Endlichkeit auseinandergesetzt haben, die gehen ruhiger von uns», sagt sie. Es sei erstaunlich, wie wir Menschen Überlebenskünstler sind und uns an eine neue Situation oder neue Defizite anpassen. Obwohl sie immer mehr verlieren, finden die Menschen einen Weg, damit klarzukommen – und sogar dabei eine Art von Glück zu leben.
Eine Angehörige
Zuletzt berührte die Doku «Wendy Holdener und ihr Bruder Kevin – Verbunden über den Tod hinaus» eine grosse Zuschauerschaft. Der Film über die Geschwister zeigt auch Kevins Kampf gegen den Krebs bis hin zum Tod im Februar 2024 mit erst 34 Jahren. Wendy Holdener sagt über den Verlust ihres verstorbenen Bruders: «Man lernt extrem viel über das Leben, wenn so etwas passiert – aber ich hätte auch noch darauf verzichten können.»
Ein Todkranker
Der Tod ist für Röbi ein ständiger Begleiter. «Die Randständigen, die ich als Sozialarbeiter kennenlernen durfte, sind meine Mentoren gewesen», sagt er. Nachdem bei ihm Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde, lehnte er eine Chemo- oder Strahlentherapie ab. Für Röbi ist der Tod nämlich kein fernes Schreckgespenst, sondern eher wie ein alter Bekannter. «Der Tod hat warme Hände», sagt Röbi. Solche freundlichen Worte hört der Sensenmann sicher selten.
Ein Mensch mit Nahtoderfahrung
Vorab, es gibt durchaus kritische Stimmen, was das Thema Nahtoderfahrungen angeht. Musiker Bo Katzman hat eine solche Nahtoderfahrung gemacht. Seither sagt er, dass der Tod das Beste sei, was einem geschehen könne. «Der Tod hat seinen Stachel verloren.» Für ihn gibt es gar keinen Tod mehr, sondern nur Leben in verschiedenen Aggregatzuständen.
Eine Tatortreinigerin
«Der Tod riecht süsslich», erzählt Anja. Sie ist Tatortreinigerin und säubert Fundorte von Leichen. Dabei putzt sie Blutflecken und Körperflüssigkeiten weg und beseitigt tierisches Ungeziefer. Zum Tod sagt sie: «Er wird ein Stück weit verheimlicht. Wenn jemand gestorben ist und wir hingehen, wollen sie oft, dass wir unbeschriftet kommen, damit niemand sieht, dass wir hier sind. Vielen ist nicht bewusst, dass der Tod etwas Normales ist.»
Eine Sterbehelferin
Nach einer überstandenen Hirntumorerkrankung ist in Erica das Bedürfnis aufgekommen, anderen Menschen in schweren Zeiten beizustehen. Ihre Schwiegermutter hat sich für den Freitod entschieden. Gemeinsam die Fragen rund um den Tod zu klären, hat Erica als sehr tröstlich empfunden. So wurde sie Sterbehelferin. Sie sagt dazu: «Der Tod ist für mich der Frieden, aber das Leiden ist das, was mich aufwühlt.»