Hollywood ist zu Mainstream? Kein Problem! Diese drei Filme bieten eine spannende Abwechslung.
Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Darum geht es: Adaption von Erich Kästners Klassiker. Ein Werbetexter versucht sich durch das präfaschistische Berlin durchzuschlagen.
Erster Satz: «Was ist dir Kamerad?»
Zentrum der Handlung ist Jakob Fabian (gespielt von Tom Schilling), ein pessimistischer Germanist und wannabe Autor, der als Werbetexter für eine Zigarettenfirma arbeitet. Zeitgleich befindet sich Deutschland auf allen Vektoren im Niedergang: sowohl wirtschaftlich und moralisch als auch politisch.
Nachts streift Fabian mit seinem Freund Stephan Labude (Albert Schuch) durch die Gassen Berlins. Während sein bester Freund den Hedonismus auslebt, und das Geld der Familie verprassen kann, verliert Fabian seinen Job.
Doch bei aller Hoffnungslosigkeit: Jakob verliebt sich in seine Nachbarin Cornelia Battenberg (Saskia Rosendahl), die an diesem schicksalshaften Abend an der Bar arbeitet. Obwohl sich die beiden offenkundig zueinander hingezogen fühlen, stellt Cornelia ihre Karriere vor die Beziehung der beiden.
Der dreistündige Film ist gerade so lange, wie man für die Lektüre des Buches benötigt. Die Süddeutsche Zeitung sowie der Norddeutsche Rundfunk honorieren den Film mit dem Titel «Meisterwerk».
Die fabelhafte Welt der Amélie
Darum geht es: Ein modernes Märchen. Eine verträumte Einzelgängerin beschliesst, die gute Fee ihrer Mitmenschen zu werden.
Erster Satz: «Am dritten September 1973 um 18:28 Uhr und 32 Sekunden landete eine Schmeissfliege aus der Familie der Calliphoriden, die 14'670 Flügelschläge pro Minute ausführen können, in Montmartre.»
In einem Vorort von Paris wird Amélie (Audrey Tautou) als Tochter einer Lehrerin (Lorella Cravotta) und eines Militärarztes (Rufus) geboren. Während ihrer Kindheit bekommt sie kaum körperliche Zuneigung von ihrem Vater. Nur wenn er sie medizinisch untersucht, wird sie von ihrem Vater berührt. Das hat zur Folge, dass der Vater ihr ein Herzleiden diagnostiziert, da sich ihr Puls durch die Berührung erhöht.
Amélie wächst also isoliert auf, unterrichtet wird sie zu Hause von der Mutter. Um dem öden und später harten Alltag zu entfliehen, baut sich Amélie schrittweise ihre Märchenwelt auf. Nach dem Tod ihrer Mutter ist die Familie endgültig zerrüttet.
Doch die Magie hat Amélies Leben nie verlassen, sie findet sie in den kleinen Momenten des Alltags. Amélie beschliesst, die gute Fee ihrer Mitmenschen zu werden.
Smoke Sauna Sisterhood
Darum geht es: Ein Dokumentarfilm über eine versteckte Sauna, in der Frauen im wahrsten Sinne des Wortes alle Hüllen fallen lassen. In der Sauna teilen sie ihre dunkelsten Geheimnisse und ihre intimsten Gedanken.
Erster Satz: «Werde stark, werde mächtig!»
«Smoke Sauna Sisterhood» begleitet eine Gruppe estnischer Frauen in einer traditionellen Rauchsauna, wo sie nackt, aber selbstbestimmt über intimste Erfahrungen sprechen, von Bodyshaming, familiäre Zurückweisungen bis zum Coming-out.
Es wird viel Körper, viel Haut gezeigt, allerdings verzichtet der Film auf eine sexualisierende Perspektive und lässt die Gesichter und Identitäten bewusst verschwimmen.
Die Sauna wird zum rituellen Raum der seelischen Reinigung, in dem geteilte Verletzlichkeit in Stärke umgewandelt wird.