Früher fastete der Mensch, weil das Mammut schneller war. Heute entscheiden wir uns freiwillig dafür. Fast 100 Jahre ist es her, dass Aschermittwoch und der Beginn des Ramadan zuletzt auf denselben Tag fielen. Doch was passiert aktuell im Körper all dieser Menschen, wenn sie diese uralte Praxis wieder aufnehmen?
Laut Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde, sei der Mensch so programmiert, dass «es uns am besten geht, wenn wir fasten, essen, fasten, essen.» Es sei das Überlebensprogramm der Evolution.
Was passiert beim Fasten?
Nach zwölf Stunden Nahrungsentzug passiert etwas Faszinierendes: Stress entsteht und löst mehrere Anpassungsmechanismen aus. Der erste verstärkt die Autophagie, was wörtlich übersetzt «Selbstverzehrung» bedeutet. Unsere Zellen werden zu kleinen Recycling-Champions und verwerten, was da ist.
Der Hauptbrennstoff des Körpers, die Glukose, ist nach 24 Stunden Fasten aufgebraucht. Dann greift der Körper auf die Fettreserven zurück, die wir so sorgfältig angesammelt haben. Die Leber wandelt das Fett in einen neuen Brennstoff um, sogenannte Ketone. Diese versorgen Gehirn und Muskeln mit Energie.
Ketone: Vom Bösewicht zum Superhelden
Eric Verdin, Leiter des Buck Instituts, das sich einem gesunden und langen Leben verschrieben hat, untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Immunität und Entzündungen. In einer Versuchsreihe entdeckte er erstaunliche Eigenschaften von Ketonen – jenen Molekülen, die lange einen schlechten Ruf hatten.
Klassischerweise werden Ketone lediglich als Treibstoff betrachtet, welchen die Zellen beim Fasten verbrauchen. Verdins Team konnte jedoch beweisen, dass Ketone Gene aktivieren, die gegen oxidativen Stress schützen. Weniger oxidativer Stress bedeutet: Schutz vor Krankheiten und möglicherweise eine höhere Lebenserwartung.
Da war doch noch was mit den Muskeln
Ein hartnäckiger Vorwurf begleitet das Fasten: der angebliche Muskelschwund. Das widerspricht den klinischen Beobachtungen. Eine kleine Studie untersuchte mittels MRT die Körper von 32 Menschen vor und nach der Fastenzeit sowie nochmals vier Monate später.
«Wir können mit Sicherheit sagen, dass Fasten für die Muskeln unschädlich ist», sagt Studienleiterin Magalie Viallon. Die Analysen zeigen, dass sich Gehirn, Herz und Bauchraum – einschliesslich der Leber – perfekt an die Stoffwechselumstellung anpassen. Das viszerale Fett, das die Organe in der Bauchhöhle umgibt und ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, wird reduziert. Und es bleibt auch Monate danach reduziert.
Intervallfasten: Lieber Stunden zählen, statt Kalorien
Doch wie lassen sich die Ergebnisse nach einer Fastenperiode halten? Da kommt das Intervallfasten ins Spiel. Dabei wird täglich für zwölf, 14 oder 16 Stunden auf Nahrung verzichtet.
Die Forschungen daran begannen bereits in den 90ern, aber innerhalb der letzten Jahre hat sich das Intervallfasten zum Trend entwickelt. Bei Mäusen konnte die Bildung neuer Neuronen durch das Intervallfasten nachgewiesen werden. Zudem zeigte sich: Bei gleich einseitiger Ernährung mit gleich hoher Kalorienzufuhr ging es jenen Mäusen besser, die intervallfasteten.