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Ausbau der Waffenfähigkeit Wird die ETH jetzt zur Waffenschmiede?

Die Weltlage hat sich geändert, die Schweizer Regierung will ihre Waffenfähigkeit ausbauen. In diesem Kontext steht die engere Zusammenarbeit des Bundesamts für Rüstung (Armasuisse) mit der ETH. Armasuisse will ihre jährlichen Investitionen an den Hochschulen verzehnfachen, die ETH soll ihre besten Köpfe aus der Forschung in der Entwicklung von Drohnen, bei Cybersicherheit und bei Überwachungstechnologien einsetzen. Wissenschaftsredaktor Christian von Burg ordnet ein.

Christian von Burg

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Der 1972 geborene Journalist arbeitet seit 2017 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Vorher war er Inlandredaktor bei Radio SRF und bei der Zeitung «Der Bund».

Der ETH-Rat hat Ja gesagt zu dieser Kooperation. Hatte er überhaupt eine Wahl?

Kaum. Die ETH wird finanziert vom Bund. Wenn der Bundesrat will, dass sie enger mit dem Bundesamt für Rüstung Armasuisse zusammenarbeitet, kann die ETH nicht einfach grundsätzlich Nein sagen. Zumal diese Zusammenarbeit in kleinerem Ausmass längst besteht. Die ETH hat aber Vorbehalte und deshalb Rahmenbedingungen beschlossen.

Welche Rahmenbedingungen sind das?

Die ETH behält sich vor, bestimmte Technologien und Anwendungsgebiete auszuschliessen. Wenn eine Anfrage von Armasuisse aus ethischen Gründen nicht mit ihren Grundsätzen vereinbar wäre, könnte die Hochschule Nein sagen. Zudem soll niemand gezwungen werden, für Rüstungsprojekte zu arbeiten. Die Mitarbeit bleibt freiwillig.

Wie reagieren betroffene Forschende?

Viele haben bei diesem Thema zwei Seelen in der Brust. Robotik- und Drohnenprofessor Roland Siegwart sagt: Die meisten Forschenden seien nicht besonders erpicht darauf, militärische Technologien zu entwickeln. Die Weltlage habe sich aber verändert. Und auch bei ihm habe da ein Umdenken stattgefunden. Wenn die ETH etwas zur Verteidigungsfähigkeit der Schweiz beitragen könne, solle sie das tun.

Mann mit Drohne vor Whiteboard mit Zeichnungen.
Legende: Die ETH Zürich gehört in der Drohnenforschung international zu den führenden Hochschulen. (23.03.2016) Keystone/GAETAN BALLY

Werden die ETH-Gebäude jetzt zu einer Waffenfabrik?

Nein. Die ETH zieht hier eine weitere Linie: Forschung für militärische Zwecke soll extern stattfinden. ETH-Forschende wechseln etwa an Standorte von Armasuisse und arbeiten dort. Auch die Finanzierung soll über zusätzliche Mittel laufen, also ausserhalb des bestehenden Globalbudgets der ETH. Aber es stellt sich natürlich die Frage, wie scharf sich diese Trennung von militärischer und nichtmilitärischer Forschung wirklich machen lässt. Viel Wissen und viele Produkte lassen sich ja so oder so einsetzen.

Wie will man Spionage verhindern?

Wer sich künftig in Rüstungsprojekten engagieren will, muss mit verstärkten Sicherheitsprüfungen rechnen. Schon heute werden Studierende und Forschende aus bestimmten Ländern überprüft, wenn sie in sensiblen Bereichen der ETH tätig sind. Wer etwa Verbindungen zur chinesischen Rüstungsindustrie hat, wird nicht zugelassen.

Wie wichtig ist die Schweiz im internationalen Drohnenkontext?

In der Ukraine wurden in der Drohnentechnologie enorme Fortschritte erzielt, vor allem bei der schnellen Produktion grosser Mengen. Fachleute an der ETH sagen aber, die Technik sei oft nicht sehr innovativ. Künftige Drohnen sollen noch viel autonomer und weniger störanfällig werden. In diesem Bereich gehört die ETH-Forschung zur Weltspitze.

Rendez-vous, 22.5.2026, 12:30 Uhr ; 

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