5G-Antennen decken heute fast die ganze Schweiz ab. Diese neueste Generation von Mobilfunkantennen kann riesige Datenmengen schneller übertragen als ihre Vorgänger. Viele Menschen fragen sich daher: Steigt damit auch die Mobilfunkstrahlung, die ich im Alltag aufnehme – und wie viel ist das eigentlich?
Mit einer neuen App – bisher nur für Android-Geräte – lässt sich das nun herausfinden. Die App berechnet, wie viel Mobilfunkstrahlung man an einem beliebigen Standort in Europa gerade absorbiert – und zwar, wenn man das Handy strahlungsintensiv nutzt: beim Telefonieren mit dem Gerät am Ohr. Eine Karte zeigt zudem europaweit die Antennenstrahlung an. Sie wird umso detaillierter, je mehr Leute die App anwenden.
Etain 5G-Scientist heisst diese App. Entwickelt wurde sie in einem gleichnamigen EU-Forschungsprojekt, unter anderem von Martin Röösli. Der Experte des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts ist Professor für Umweltepidemiologie an der Uni Basel. Mit ihm machte SRF Messtests im bahnhofsnahen Bachlettenquartier in Basel.
Grösste Strahlenbelastung vom eigenen Handy
Die wichtigste Erkenntnis: Wie viel Mobilfunkstrahlung wir aufnehmen, hängt nicht nur von der Strahlung der Antennen ringsherum ab, sondern massgeblich vom eigenen Handy. Beide bestrahlen uns sozusagen gegenläufig: Wo die Antennenstrahlung nahe bei null ist, muss das Handy umso stärker senden, um eine Verbindung herzustellen.
Hält man dabei das Handy ans Ohr, absorbiert das Gehirn rund 10'000-mal mehr Strahlung als von den Antennen der Umgebung. Das zeigt die App. Auch weil wir das Smartphone nah am Körper tragen, stammt die weitaus grösste Strahlenbelastung im Alltag vom eigenen Smartphone.
Deutlich wird das am nächsten Messort: Beim Stadion Schützenmatte strahlen gleich drei Antennen. Aber, sagt Martin Röösli: «Was man dort an Strahlung misst, ist im Vergleich zur generellen Belastung durchs Handy am Ohr um den Faktor 10 bis 100 tiefer.»
Viele Antennen, weniger Strahlung
Ein letzter Aha-Effekt: Wir messen in Basel überhaupt überraschend wenig Mobilfunkstrahlung – auch wenig Handystrahlung. Selbst an Orten mit schlechtem Empfang und hoher Belastung durch die Strahlung des eigenen Smartphones, liegt die Exposition bloss im Umfang von zwei Prozent des EU-Grenzwerts.
Die Grenzwerte bauen einiges an Sicherheitspuffer ein – doch in der Schweiz ganz besonders. Für sensible Orte wie Wohngebiete oder Schulen gilt neben dem EU-konformen Grenzwert ein zehnmal strengerer Anlagegrenzwert. Dass in der Schweiz vergleichsweise viele Antennen stehen, führt so zu weniger Strahlenbelastung, zumindest bei jenen, die oft am Handy sind.
Mobilfunkstrahlung seit 5G praktisch unverändert
Dass sich dennoch viele Menschen Sorgen um die Strahlung machen, auch dem will die App begegnen. Viele Menschen seien auf einem falschen Wissensstand, so Röösli. So hat laut Befragungen (Zusammenfassung s. Seite 9) sogar die Mehrheit den Eindruck, seit 5G sei die Mobilfunkstrahlung deutlich gestiegen. Grosse Messkampagnen hingegen zeigen: Aufgrund der effizienteren Technik ist die Mobilfunkstrahlung seit 5G trotz Datenzuwachs praktisch gleich geblieben.