Die US-Regierung hat das Budget für Wissenschaft zusammengestrichen. 95'000 Mitarbeitende haben Forschungsorganisationen wie die Nasa verlassen. Anfang Jahr hielt das US-Parlament nun überraschend dagegen, und forderte, die Ausgaben für die Wissenschaft zu schützen. Casey Dreier mischt bei diesem Tauziehen mit. Er ist Politikchef der «Planetary Society», einer Organisation, die sich für Raumfahrt und die Nasa einsetzt.
SRF Wissen: Warum ist Ihnen Raumfahrt wichtig?
Casey Dreier: Weltraumforschung gehört zum Sinnhaftesten, was wir als Gesellschaft tun können. Sie steht für Neugier, Offenheit und Zusammenarbeit. Raumfahrt muss ein gemeinsames Projekt bleiben, etwas das wir zusammen tun. – Es ist ein Privileg, in einer Zeit zu leben, in der wir zum ersten Mal den Mars aus der Nähe sehen. Das ist unglaublich!
Dass der US-Kongress das Forschungsbudget verteidigt, ist für Sie also ein Erfolg?
Wir haben mit dafür gesorgt, dass es so kommt. Es ist ein enormer politischer Erfolg, dass sich im Kongress Trumps eigene Partei gegen ihren Präsidenten gestellt hat. Aber die Probleme sind damit nicht weg. Das Geld ist zwar gesprochen, aber viel zu spät. Über Monate war unsicher, ob es nun fliessen wird oder nicht. Und wir rechnen damit, dass die Regierung im nächsten Fiskaljahr, also bald, wieder das Gleiche versucht und wieder Kürzungen verlangt.
Wie haben Sie versucht, die Parlamentarier umzustimmen?
Die Planetary Society hat viele Mitglieder, ganz normale Bürger, aber auch berühmte Menschen. Viele haben sich an ihre Parlamentarier gewandt, und klar gemacht, dass sie nicht wollen, dass Raumfahrt so zusammengekürzt wird. Für einige Abgeordnete geht es auch um Arbeitsplätze in ihren Wahlkreisen, die die Kürzungen gefährden. Dazu kommt: Raumfahrt hat es leichter. Unsere Themen sind politisch nicht so aufgeladen wie Gesundheitsthemen wie das Impfen. Die Hürde für Politiker sich für uns einzusetzen, ist weniger hoch.
Wir sind leise vorgegangen – ohne grosse Show.
Schlagzeilen gemacht hat der Kurswechsel im Kongress aber nicht. Warum?
Wir sind bewusst leise vorgegangen, ohne grosse Show. So tut sich ein Spielraum auf. Die Trump-Administration kann sich auch nur um eine begrenzte Zahl an Themen kümmern, und nur eine begrenzte Zahl an Kämpfen ausfechten. Wenn etwas weniger Schlagzeilen macht, ihnen politisch also auch weniger weh tut, nehmen sie Niederlagen eher hin.
Die Regierung Trump möchte, dass sich die Nasa verstärkt darauf konzentriert, auf dem Mond und dem Mars zu landen. Wie sehen Sie das?
Das ist ein Kurswechsel, der so schon im sogenannten «Project 2025» skizziert wurde. Reine Wissenschaft, die erforscht und Rätsel löst, hat kaum noch Priorität. Dabei ist es, neben Asteroidenabwehr und der Erforschung unseres eigenen Planeten das, was die Menschen von der Nasa erwarten, das zeigen unsere Umfragen immer wieder.
Wie schauen Sie auf die Wissenschaft insgesamt in Ihrem Land?
Es tut weh. Es zerbricht gerade eine Verabredung, die fast 80 Jahre lang zwischen Gesellschaft und Wissenschaft galt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein System, über das der Staat – und damit wir alle – Wissenschaft als gemeinsames Projekt gefördert hat. Selbst wenn es nun eine Wende gäbe, und wieder sicher Geld in die Forschung fliesst, die Unsicherheit wird bleiben. Es steht nun im Raum, dass man diese Verabredung jederzeit aufkündigen kann.
Das Gespräch führte Katrin Zöfel.