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Saftiges Steak vom herzigen Schweinchen
Aus A point vom 19.01.2015.
abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
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Die Psychologie des Fleischessens

Herzig, das kleine Kälbchen! Hmm, lecker, das zarte Stück Kalbfleisch! Kennen Sie diesen Zwiespalt von sich selber? Voilà: das Fleischparadox.

Australische Forscher haben jetzt untersucht, was in unseren Köpfen vorgeht, wenn wir Fleisch essen. Denn einerseits geniessen wir ein saftiges Steak – andererseits ist uns sehr wohl bewusst, was bis zu dem Moment geschehen ist, in dem es in der Pfanne landet. Doch gleichzeitig schlemmen und an das Tier im Schlachthof denken, passt nicht zusammen. Wie also können intelligente Menschen hier so eine klare Grenze ziehen, und dem Genuss zuliebe alles andere einfach ausblenden?

Vegetariern gelingt das nicht so gut: Sie haben Tiere weniger zum Fressen gern als zu gern zum essen – und verzichten lieber. Fleischesser lösen den Konflikt anders, sagt Mirjam Hauser, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut. «Sie schreiben den Tieren in dem Moment, in dem sie Fleisch essen, einfach weniger Leidensfähigkeit zu», erklärt sie.

Kognitive Dissonanz macht uns das Leben leichter

Das Gleiche machen wir zum Selbstschutz von vornherein mit Tieren: Rinder stehen dann nicht auf gleicher Stufe mit Hunden, oder Pferde auf der gleichen Stufe mit Schweinen – auch wenn sie rational betrachtet genau gleich leidensfähig sind. Tieren wie Hund, Katze & Co., mit denen der Mensch einen engeren Umgang pflegt, werden gemeinhin menschlichere Züge zugesprochen und sie bekommen dann mehr Mitgefühl.

Was hier passiert, heisst in der Psychologie kognitive Dissonanz: Wenn man zeitgleich zwei Gedanken in sich trägt, die nicht miteinander kompatibel, aber beide wichtig sind, versucht der Mensch, einen der Gedanken umzuinterpretieren. Das bedeutet: In dem Moment, wo er Fleisch isst, spricht er den Tieren die menschenähnlichen Züge eher ab als normal.

«Während des Fleischessens oder kurz danach schätzen wir das Tier anders ein als sonst», sagt Mirjam Hauser, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut. «Plötzlich hat es unserer Meinung nach weniger Fähigkeiten, Schmerz zu empfinden.»

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Lüthi , Bern
    Die Rücksichtslosigkeit der Fleischindustrie bringt uns noch zurück ins medizinische Mittelalter vor Erfindung der Antibiotika. Die Antibiotika-Forschung muss inzwischen staatlich unterstützt werden, damit Sie oder ich nicht eines Tages im Spital liegen und es heisst: "Es tut uns leid, gegen Ihre Entzündung mit resistenten Keimen ist kein Antibiotika mehr verfügbar."
  • Kommentar von Christian Lüthi , Bern
    Das Problem ist aus meiner Sicht die industrielle Tiermast. Das geht nur mit massivem Einsatz von Antibiotika, damit sich keine Seuchen ausbreiten. Was Profit bringt für die Mäster und Schlächter wird für den Steuerzahler teuer: Die heutigen Antibiotika werden aufgrund von Resistenzen nutzlos. Die Entwicklung neuer Antibiotika gegen multi-resistente Keime wird immer schwieriger und teurer. Eigentlich müsste die Fleischindustrie die Antibiotikaforschung berappen.
  • Kommentar von Rainer Fauser , Augsburg
    Ich esse Fleisch MIT dem Gedanken an das Abschlachten und es schmeckt mir."Fressen und gefressen werden",wie in der Natur seit eh und je üblich,Darwinismus in Reinkultur.Damit habe ich weder Gewissensbisse,noch einen Interessenskonflikt,geschweige denn Zwiespalt,denn alle stehen auf der selben Stufe.Nur der Homo sapiens erhebt sich über Alle -besonders diese unnützen Forscher- und vernichtet Flora und Fauna.Das ist der wahre Zwiespalt;von Moral daherlügen und gleichzeitig Alles vernichten!
    1. Antwort von Enric Martinez , Hilversum
      Das ist toll! Jagen Sie selbst oder holen Sie sich den Aas aus dem Supermarkt?