Ab 50 Jahren steigt für Männer das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Insbesondere dann, wenn bereits der Vater, der Grossvater, ein Bruder oder Onkel an Prostatakrebs erkrankt ist. Solche familiär vorbelasteten Männer sollten schon mit 45 Jahren mit der Hausärztin oder dem Urologen über eine Frühabklärung auf Prostatakrebs sprechen.
Lange Zeit gehörte dazu die Tastuntersuchung via After. Wahrscheinlich sei dies mit ein Grund dafür, warum Männern der Gang zum Urologen oft schwerfällt, vermutet Daniel Eberli. Er leitet die Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich. «Ich bin absolut überzeugt: wenn die Männer wissen, dass die Fingeruntersuchung nicht zwingend notwendig ist, dann fühlen sie sich wohler.»
Unbeliebte Fingeruntersuchung
Nicola Giudici, Oberarzt am Inselspital Bern und dort zuständig für das Prostatazentrum, führt weiter aus: «Wenn ein Patient kommt, sich für eine Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs interessiert und älter ist als 50 Jahre, dann würden wir – wenn er einverstanden ist – als Erstes eine Blutentnahme machen und den PSA-Wert bestimmen.»
PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen – ein Protein, das in der Prostata-Drüse gebildet wird. «Wenn der PSA-Wert tief ist, können wir vorerst auf weitere Abklärungen verzichten», sagt Nicola Giudici. Der Patient würde dann nach einer gewissen Zeit einfach zur nächsten Kontrolle aufgeboten.
Uneindeutige PSA-Werte
Komplizierter wird’s, wenn der PSA-Wert im Blut erhöht ist. Das kann ein Hinweis sein auf einen Tumor – muss aber nicht. Es kann auf einen nicht aggressiven Tumor hindeuten, der nur sehr langsam wächst und den man vorerst einfach überwacht. Oder aber es liegt ein aggressiver, gefährlicher Tumor vor.
In diesem Fall müssen der Arzt und sein Patient gemeinsam entscheiden: braucht es ein MRI – oder eine Biopsie. Dabei wird Gewebe aus der Prostata herausgestanzt. Das kann zu Komplikationen führen und soll darum möglichst nur dann gemacht werden, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gefährlicher, bösartiger Tumor vorliegt.
Genetik, Proteine, Veranlagung
Bei diesen schwierigen Abwägungen hilft seit einiger Zeit ein neuer Test namens Stockholm3. «Dieser Test analysiert im Blut mehr als 200 Gensequenzen und verschiedene Proteine», erklärt Daniel Eberli. «Und verrechnet das dann mit ein paar klinische Angaben – beispielsweise, ob ein Patient familiär vorbelastet ist. Daraus errechnet der Test das individuelle Risiko eines Patienten für ein Prostatakarzinom.»
Beide Urologen machen gute Erfahrungen mit dem neuen Test. Er helfe, die Abklärungen rund um Prostatakrebs schonender zu machen, sagt Daniel Eberli: «Wir biopsieren weniger Männer, wir schauen besser nach, bevor wir biopsieren und wir haben viel mehr Männer, die die Prostata nach einer Diagnose nicht einfach entfernt bekommen.»