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Gefährliches Virus in Indien Nipah-Ausbruch in Westbengalen: Was bedeutet das für uns?

In Asien haben mehrere Länder Vorsichtsmassnahmen ergriffen, nachdem Ende Januar im indischen Westbengalen zwei Fälle einer Nipah-Virus-Infektion bekannt geworden sind. Für 40 bis 75 Prozent von Erkrankten ist eine solche Infektion tödlich.

Irène Dietschi

Wissenschaftsredaktorin SRF

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Irène Dietschi ist langjährige, mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin. Seit 2017 arbeitet sie als Redaktorin bei der SRF-Fachredaktion Wissenschaft.

Wie besorgniserregend ist dieser Ausbruch für Menschen in Europa?

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Infektionsrisiko für Europäerinnen und Europäer, die in dieses Gebiet reisen oder sich dort aufhalten, sehr gering. Dies die Einschätzung des ECDC, des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Der wahrscheinlichste Weg für eine Einschleppung des Nipah-Virus nach Europa würde gemäss ECDC über infizierte Reisende führen. Ein solches Szenario könne man zwar nicht kategorisch ausschliessen, schreibt die EU-Agentur, trotzdem sei es eher unwahrscheinlich.

Wie ist die Situation im betroffenen Westbengalen in Indien und den umliegenden Ländern derzeit?

Die indischen Behörden haben Präventions- und Kontrollmassnahmen ergriffen, und es laufen Untersuchungen, um die mögliche Infektionsquelle zu ermitteln. Bei den zwei erkrankten Personen handelt es sich nach Angaben der indischen Behörden um Mitarbeitende einer Privatklinik. Sie sind am Leben, befinden sich im Spital in Isolation und werden behandelt. Insgesamt wurden 196 Kontaktpersonen der beiden Fälle identifiziert und getestet, alle negativ. Mehrere Länder in der Region, darunter Thailand, Nepal und Kambodscha, haben Vorsichtsmassnahmen ergriffen. Dazu gehören Informationskampagnen und die Kontrolle an Flughäfen.

Gesundheitsbeamte überwachen Passagiere im Flughafenterminal mit einer Wärmekamera.
Legende: Thailands internationale Kontrollstellen für Krankheitsbekämpfung an den Flughäfen Suvarnabhumi und Don Mueang haben damit begonnen, Gesundheitsuntersuchungen für Passagiere aus Westbengalen, Indien, durchzuführen, um Infektionen mit dem Nipah-Virus zu überwachen und zu verhindern. Keystone/EPA

Wie sollen sich Asien-Reisende verhalten?

Die ECDC rät Reisenden nach Westbengalen, mögliche Infektionsquellen zu meiden: Haus- oder Wildtiere und deren Flüssigkeiten oder Abfälle nicht anzufassen, keine Lebensmittel zu verzehren, die von Fledermäusen kontaminiert sein könnten, und keinen rohen Dattelpalmsaft zu trinken. Es wird allgemein empfohlen, Obst und Gemüse vor dem Verzehr zu waschen, zu schälen und zu kochen, um Infektionen vorzubeugen. Auch eine gute Händehygiene sei wichtig.

Woher kommt das Nipah-Virus?

Das Nipah-Virus ist ein zoonotisches Virus, es wird von Flughunden der Gattung Pteropus auf den Menschen übertragen. Diese Fledermäuse sind in Teilen Süd- und Südostasiens, der Region des Indischen Ozeans und Ozeaniens zu finden. Auch über kontaminierte Lebensmittel und durch Kontakt von Mensch zu Mensch kann man sich anstecken. Obwohl Ausbrüche bisher nur in Asien gemeldet wurden, hat das Virus epidemisches und pandemisches Potenzial, da es sich zwischen Menschen und über Haustiere verbreiten kann.

Wie verlaufen die Krankheitsbilder?

Die Nipah-Viruserkrankung gilt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO als schwere Krankheit, an der 40 bis 75 Prozent der Infizierten sterben. Wie krank das Virus macht, hängt von Faktoren wie dem Virusstamm oder dem Zugang zur Gesundheitsversorgung ab. Das Virus kann eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) verursachen. Von denjenigen, die eine Enzephalitis überleben, erleidet etwa jeder Fünfte langfristige neurologische Komplikationen, darunter wiederkehrende Krampfanfälle, extreme Müdigkeit oder Verhaltensänderungen. In seltenen Fällen kann es Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Genesung zu einem Rückfall oder einem verzögerten Ausbruch der Enzephalitis kommen, was tödlich sein kann. Zur Vorbeugung einer Infektion mit dem Nipah-Virus gibt es weder einen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Behandlung.

Radio SRF 4 News, Nachrichten, 28.1.2026, 14:00 Uhr ; 

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