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Herausforderung Arztgespräch So gelingt eine bessere Kommunikation beim Arzt

Worte können die Heilung fördern oder hemmen. Wie bessere Kommunikation im Studium geübt wird und wo medizinische Laien Hilfe finden.

Bei einem Arzt-Patienten-Gespräch kann vieles gut laufen, aber auch einiges schlecht. Viele Studien in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass gute Kommunikation zu einem schnelleren und besseren Krankheitsverlauf führt.

«Gute Kommunikation bewirkt eben, dass die Faktoren, die zur Gesundheit beitragen, also zum Beispiel die Behandlungsschritte, das Krankheitsverständnis oder die Medikamenteneinnahme, auch besser sind», erklärt Sabina Hunziker, leitende Ärztin medizinische Kommunikation am Universitätsspital Basel, «und damit sind die Umstände, die zur Genesung beitragen, besser.»

Im Zweifelsfall nicht locker lassen

Trotzdem beklagen viele Patientinnen und Patienten, dass sie zu wenig ernst genommen würden, sie wünschten sich bessere Erklärungen, mehr Zeit oder mehr Zuwendung.

Fokus auf Arzt-Patienten-Gespräch schon im Medizinstudium

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Die Bedeutung der Arzt-Patienten-Kommunikation hat in den letzten zehn bis 15 Jahren stark zugenommen – auch im Medizinstudium. Das Gewicht liegt nicht mehr nur auf reiner Wissensvermittlung, eine gute Kommunikation ist mit bis zu 20 Prozent ein prüfungsrelevanter Teil der Ausbildung.

An der Universität Basel werden Medizinstudierende vom ersten bis zum sechsten Jahr darin geschult. Theoretisch, aber auch praktisch. Dieses «longitudinale Curriculum» ist schweizweit einmalig. In Rollenspielen mit Simulations- oder Schauspielpatienten werden schwierige Gespräche – etwa das Überbringen einer schlechten Nachricht oder die motivierende Gesprächsführung für eine nötige Therapie – geübt.

Am Spitalbett üben die Studentinnen und Studenten die korrekte Patienten-Anamnese und nach Abschluss des Studiums lernen sie, auf was es bei den Visiten-Gesprächen ankommt.

Bei der Schweizerischen Patientenorganisation SPO erfährt Geschäftsführerin Susanne Gedamke in Beratungsgesprächen immer wieder von solchen Problemen: «Bei Aufklärungsgesprächen vor Operationen sehen wir häufig, dass sie sehr kurz sind und mit medizinischen Fachbegriffen versehen sind, so dass kaum etwas verstanden wird.» Patientinnen und Patienten würden nicht selten mit grossen Unsicherheiten an die Operation herangehen.

«Unser Ratschlag ist es, selbstbewusst zu sein und sich zu trauen, so lange nachzufragen, bis man es wirklich versteht. Daran mangelt es nämlich häufig, dass Patientinnen und Patienten sich nicht trauen», sagt Susanne Gedamke. Werden Unklarheiten erst zuhause bemerkt, sei es wichtig, nochmals den Kontakt zum Arzt zu suchen – telefonisch, schriftlich oder mit einem weiteren Termin.

Gute Vorbereitung ist wichtig

Aus Kosten- und Effizienzgründen herrsche auf Seiten der Ärzteschaft ein grosser Zeitdruck im Gesundheitswesen, umso entscheidender sei es, die wertvolle Gesprächszeit möglichst gut zu nutzen.

«Und wenn die Kommunikation zu belastet ist, ist es durchaus auch legitim, die Fachperson zu wechseln», ergänzt SPO-Frau Susanne Gedamke.

«Café Med»: Profis beraten medizinische Laien

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Senior berät Seniorin
Legende: amm

Das «Café Med» ist ein unentgeltliches Angebot der Akademie Menschenmedizin. Es soll Menschen, die ein unbefriedigendes Arztgespräch hinter sich haben, dadurch verwirrt sind und medizinischen Rat suchen, als Orientierungshilfe dienen.

Pensionierte Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten nehmen sich an neun verschiedenen Standorten in der Schweiz regelmässig Zeit für Ratsuchende.

Mitgegründet wurde die Akademie Menschenmedizin von Annina Hess-Cabalzar, und auch die Idee zum «Café Med» stammt von ihr. Die pensionierte Psychotherapeutin verfolgt mit ihrem Angebot vor allem ein Ziel: «Es soll Gegensteuer geben in einem System, in dem gesundheitspolitisch vieles falsch läuft.»

Dabei sieht sie vor allem zwei Aspekte, die für viele Probleme verantwortlich sind: fehlende Unabhängigkeit und rationierte Gesprächszeit. Im «Café Med» können sich die Fachpersonen Zeit nehmen und aus einer unabhängigen Position beratend zur Seite stehen.

Sabina Hunziker, Fachärztin für Innere Medizin, rät ihren Patientinnen und Patienten sich auf den Termin vorzubereiten und die wichtigsten Fragen mitzubringen. «Ich empfehle auch, sich während des Gesprächs Notizen zu machen», sagt die Uni-Professorin für Kommunikation in der Medizin mit Lehrstuhl in Basel.

Bei Unsicherheiten und Verständigungsproblemen sei es durchaus auch erlaubt, das Gehörte nochmals in eigenen Worten zusammenzufassen, so dass die Ärztin oder der Arzt bei Bedarf korrigieren oder ergänzen könnten.

Bei wichtigen, einschneidenden Themen empfiehlt Sabina Hunziker auch, eine Begleitperson zum Termin mitzubringen. «Ich sehe die Angehörigen als eine Art erweiterten Patientenkreis», erklärt sie, «oft erfahre ich dann auch Dinge von den Angehörigen, die wichtig sind und die der Patient oder die Patientin vergessen hat zu erwähnen.»

Und gerade in emotionalen Momenten falle es vielen zudem oft schwer, alle Informationen aufzunehmen – vier Ohren würden sicher mehr hören als zwei. Auch bei Fremdsprachigkeit sei dies sicher ein guter Tipp.

Tipps fürs Arzt-Patienten-Gespräch

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  • Die wichtigsten Fragen in der priorisierten Reihenfolge zum Gespräch mitbringen.
  • Während dem Gespräch Notizen machen.
  • Bei Unklarheiten nachfragen.
  • Das Gehörte zusammenfassen.
  • Eine Begleitperson zum Gespräch mitnehmen.
  • Bei heiklen Themen (wie zum Beispiel Sexualität oder Suchtproblematik) ehrlich Auskunft geben.
  • Zweitmeinung einholen.

Puls, SRF 1, 20.04.2026, 21:05 Uhr

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