Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Chat-Protokoll
Guten Abend Ich (30, w) bin leider komplex chronisch krank; unter anderem ein Ehlers-Danlos-Syndrom, Endometriose, Morbus Crohn, ISG-Arthritis, Nebennierenrindeninsuffizienz und chronische neuropathische Schmerzen durch eine operative Schädigung des N. Obturatorius. Gibt es Tipps, wie ich meine Anliegen möglichst so formulieren kann in den Arztgesprächen, dass ich verstanden und vor allem ernstgenommen werde? Gerade, als ich die Diagnosen noch nicht hatte, wurde ich öfters mal auf der „Psychoschiene“ parkiert. Wie kann man das verhindern? Und wie kann man als Patientin die Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Fachärzte untereinander verbessern? Vielen Dank und schönen Abend!
Sabina Hunziker: Versuchen Sie, Ihr Anliegen klar zu strukturieren: kurz Ihr Hauptproblem, die Auswirkungen im Alltag und was Sie sich konkret wünschen (z.B. Abklärung/Therapie). Nehmen Sie eine «kompakte» Übersicht Ihrer Diagnosen und Medikamente mit, die für Sie und Ihr jetziges Anliegen wichtig sind. Stellen Sie gezielte Fragen («Was sind die nächsten Schritte?»). Wenn es zu sehr «auf die Psyche geschoben» wird, sagen Sie ruhig, dass es Ihnen wichtig, ist, dass beides (das körperliche und das psychische) berücksichtigt wird. Für eine bessere Abstimmung können Sie z.B. die Ärzte bitten, den jeweiligen Bericht an alle Beteiligten weiterzuleiten.
Ich hatte letztens eine riensengrosse Frageliste, doch die wurde nicht berücksichtigt, wie kann ich denn sonst an die benötigten Infos kommen? Was für stellen gibt es in der Schweiz die sich gegen Medical Gaslighting einsetzten. An welche Stellen kann ich mich wenden wenn über 40 Ärzt:innen keine Diagnose finden und nicht mehr weitersuchen wollen? Der grosse Fall ist erledigt weil irgendwann eine Medizinische Diagnose gefunden wurde. Aber das medical gaslighting erlebe ich weil meine Akte mittlerweile ein Buch ist. Was kann ich tun, wenn ich in meiner Krankenakte fälschlicherweise mal als Psychosomatische Patientin eingestuft wurde?
Susanne Gedamke: Vielen Dank für Ihre Frage. Das ist eine sehr belastende Erfahrung, die ich in der einen oder anderen Form leider immer wieder gehört habe. Zunächst einmal: Es ist absolut legitim, mit einer Frageliste ins Gespräch zu gehen. Wenn diese nicht aufgenommen wird, kann das sehr frustrierend sein. Es gibt keine spezifische Stelle betreffend «medical gaslighting», aber alle Patientenorganisationen (SPO, Patientenstellen) setzen sich aktiv dafür ein, dass diese Erfahrungen gesammelt und öffentlich gemacht werden. Betreffend Ihrer Akte: Ihre Akte darf nicht einfach falsche oder missverständliche Einträge enthalten. Sie dürfen den betreffenden Arzt schriftlich um eine Korrektur oder Präzisierung bitten. Falls keine Anpassung erfolgt, können Sie eine eigene Gegendarstellung verlangen, die zur Akte genommen wird. Da lohnt es sich auf jeden Fall, dran zu bleiben. Betreffend Ihrer Frage zur Diagnosefindung ist es schwierig, dies aus dem Chat zu beantworten, jedoch würde ich Ihnen raten, entweder eine Patientenorganisation zu kontaktieren oder einen Arzt zu finden, der bereit wäre, ihre Fallführung zu übernehmen und Sie in der Koordination zu unterstützen. Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Wie geht man mit nervigen Patienten um?
Ben Brönnimann: Es gibt im klinischen Alltag in der Tat immer wieder Situationen, die Energie und Nerven kosten. Es kann oft eine Dynamik entstehen, die von beiden Seiten her befeuert wird. Es kann Sinn machen, wie folgt vorzugehen:
- Analysieren, was konkret macht es zur nervigen Situation? Z.B. Forderndes Auftreten? Ein Familiensystem, das unrealitische Erwartungen mitträgt und Druck aufsetzt? Ängstliche und dadurch fordernd scheinende Ausdrucksweise?
- Einschätzen, auf welcher Ebene das Nervige passiert: Die Inhaltliche (was?), die Prozessebene (mit welchen Mitteln) oder die zwischenmenschliche Ebene.
- Mit den Mitteln der Gewaltlosen Kommunikation nach Rosenberg kommunizieren. Das kann oft nervige Situationen entschärfen, gleichzeitig Leitlinien einhalten und das eigenen Gesicht wahren lassen.
- Selbsteinschätzung: Nicht zuletzt können nervige Situationen ein Hinweis auf die aktuelle Resilienz sein: Wer überlastet ist, schätzt schneller Situationen als nervig ein.
Ich möchte gerne wissen warum die meisten Aerzte nicht mehr richtig untersuchen?In der Regel wird msn ins Sprechzimmer gerufen erzählt von seinem Leiden und wird mit einer grossen Tüte Medikamente nach Hause geschickt.Das ist eine unzufriedende Entwicklung
Annina Hess: Völlig einverstanden, so sollte es nicht ablaufen. Vieles können die Hausärzt:innen aufgrund von Labor, aus EKG, etc. diagnostizieren. Dennoch, die körperliche Untersuchung sollte ein wichtiges Element bleiben. Bitte besprechen Sie das mit Ihrer Hausärztin.
Mein Hausarzt und ich hatten eine Meinungsverschiedenheit zum Thema des Hausarztmodells: Wenn ich Gesundheitsleistungen bei einem Spezialisten bereit bin aus meiner eigenen Tasche zu bezahlen (für ein Checkup ohne Symptome, weil ich selber denke, dass sie soweiso nicht von der Krankenkasse zurückbezahlt werden würden), muss ich dann trotzdem über den Hausarzt gehen (was nur unnötige Kosten verursacht da ich sowieso den Checlup möchte) oder darf ich das selber organisieren und bezahlen? Konkret hat mein Hausarzt mein Vorgehen in Frage gestellt, mir einen Delegationsschein gesendet den ich nicht wollte, den Termin beim Spezialisten ohne mein Wissen versucht zu stornieren und mir dann auch noch den Delegationsschein in Rechnung gestellt. Danke im Voraus für Ihre Antwort! Hochachtungsvoll.
Susanne Gedamke: Vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich dürfen Sie direkt zu einer Spezialistin oder einem Spezialisten gehen. Wichtig ist aber zu wissen: Es gibt Versicherungsmodelle, bei denen es verpflichtend ist, immer zuerst den Hausarzt zu kontaktieren, selbst wenn Sie am Ende selbst bezahlen. In Ihrer persönlichen Situation ist aus meiner Sicht von Seiten des Arztes einiges schief gelaufen. Dass ein Termin ohne Ihr Wissen storniert wird, ist problematisch. Auch ein Delegationsschein, den Sie nicht gewünscht haben, sollte nicht einfach ausgestellt und verrechnet werden. Wenn nicht schon gemacht, würde ich Ihnen raten, nochmals das Gespräch mit dem Hausarzt zu suchen. Fragen Sie auf jeden Fall bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Regelung gilt (Verpflichtung, den Hausarzt zu kontaktieren). Davon hängt dann alles Weitere ab. Alles Gute!
Wie muss man beim Hausarzt fragen, damit man nicht so schnell auch noch an einen Spezialisten weitergeleitet wird.
Annina Hess: Die heutige Medizin kann unglaublich viel. Aber nicht alles was machbar ist, ist auch sinnvoll für jeden einzelnen Menschen. Ich empfehle Ihnen, Ihrem Hausarzt Ihre Haltung mitzuteilen, nämlich dass Sie nur bei wirklichem und nachvollziehbarem Bedarf überwiesen werden wollen.
Leider wurde meine langjährige Hausärztin pensioniert. Meine neue Hausärztin hat sich nach Wochen nicht in meine Krankengeschichte einbgelesen und weigert sich strikt, mich an einen Spezialisten zu überweisen. Habe Arthrose in den Daumengelenken. Sie schlägt Eigenbluttherapie vor, ohne das Gelenk genauer anzuschauen. Ich fühle mich ziemlich hilflos. Es fällt mir schwer, mich durchzusetzen.- Die Medikamente muss ich im Nachbardorf abholen oder die MPA legt sie in meinen Milchkasten. Ein Dauerrrezept gibt es nicht. Wir haben drei Apotheken im Dorf. Danke für ihre Tipps!
Annina Hess: Ich empfehle Ihnen einen Termin mit der Hausärztin abzumachen, um das, was Sie hier geschrieben haben zu besprechen. Hier geht es um Vertrauensbildung, bzw. Vertrauensklärung. Eine andere Form könnte es sein, einen Brief zu schreiben.
Ich bin Autist und mich überfordert das Tempo in Arztgesprächen, sowie die spontane Interaktion. Ich schreibe zwar meine Fragen vorgängig auf, kann aber mit dem Zeitdruck nicht umgehen und gerate ins Stottern, sodass ich kaum noch adäquat mein Anliegen/Fragen formulieren kann. Das Problem ist verstärkt bei Fragen, die im Gespräch selber entstehen und ich vorgängig nicht notieren konnte. Wie kann ich genug Ruhe in die Situation bringen? Wie kann ich das Gespräch strukturiert halten? Wie kann ich kommunizieren, wenn ich ins Stottern oder in den Mutismus gerate? Mir hat mal ein Arzt gesagt, ich solle mich nicht so dumm anstellen und mich einfach etwas anstrengen. Seither löst schon der Gedanke an ein Arztgespräch Angst aus.
Annina Hess: Es ist sehr nachvollziehbar, dass für Sie eine Konsultation herausfordernd ist. Ich empfehle Ihnen eine Begleitperson mitzunehmen. Mit dieser Person können Sie das Gespräch gut vorbereiten und sie kann dann ebenfalls nachfragen bis Ihr Anliegen geklärt ist.
Ich stelle die Arzt-Patienten-Beziehung grundsätzlich in Frage. Schon der Begriff „Patient“ beschreibt eine Rolle der Passivität, Geduld und Abhängigkeit – auch dann, wenn Menschen längst aktiv informiert und kritisch sind. In der Praxis zeigt sich ein strukturelles Ungleichgewicht: Entscheidungen liegen beim Arzt, Verantwortung bleibt oft diffus, Fehler werden selten offen thematisiert. Gleichzeitig stehen Ärzte unter massivem ökonomischem und versicherungstechnischem Druck. Dieser Druck wird nicht erklärt – er wird im Gespräch weitergegeben: durch Zeitmangel, Standardisierung und begrenztes Zuhören. Informierte Patienten werden dabei nicht selten als Störung wahrgenommen, obwohl ihre Information oft genau das Ergebnis eines Systems ist, das Orientierung eigentlich leisten sollte. Für mich ist klar: informieren ist Aufgabe der Medizin – entscheiden bleibt Aufgabe des Menschen. Trotzdem fehlt es häufig an echter Augenhöhe und Respekt. Meine Frage ist nicht individuell, sondern strukturell: Wie lange kann ein System bestehen, das auf Vertrauen basiert, aber echte Augenhöhe nur begrenzt zulässt? Und wann beginnt die Medizin, sich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich kritisch zu hinterfragen? Oder anders gesagt: Wie viel Unzufriedenheit muss sich noch ansammeln, bis sie nicht mehr als „Einzelfall“ abgetan wird, sondern als Signal eines Systems verstanden wird?
Susanne Gedamke: Vielen Dank für Ihre Beobachtungen, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Die Arzt-Patienten-Beziehung ist historisch gewachsen und war lange eher paternalistisch geprägt bzw. ist es immer noch sehr stark, wobei das System sich auch wandelt. Echte Augenhöhe bedeutet aus meiner Sicht nicht, dass beide Seiten dasselbe Wissen haben, sondern anderes Wissen, was sich ergänzt (auf der einen Seite Fachwissen, auf der anderen Seite Erfahrungswissen, beides ist gleich wichtig). Die Umsetzung scheitert häufig an der Haltung, Systemlogik und fehlenden Strukturen. Wird Unzufriedenheit als Einzelfall abgetan? Ja, aktuell noch in weiten Teilen, aber nicht (mehr) überall. Themen wie Patientenorientierung, Kommunikation und Beteiligung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Es gibt immer mehr Initiativen und auch Betriebe, die genau diese Aspekte stärken wollen. Bis sich diese Haltung in der breiten Masse durchsetzt, werden wohl noch einige Jahrzehnte vergehen, fürchte ich. Ich persönlich glaube aber, dass es sich trotzdem lohnt, seine Erfahrungen als Patient immer wieder auszudrücken. Veränderung im Gesundheitssystem entsteht selten durch einzelne grosse Brüche, sondern durch viele Stimmen, die ähnliche Erfahrungen schildern. Beteiligungsformen werden sich auch im Schweizer Gesundheitswesen irgendwann durchsetzen. Ich hoffe, Ihnen mit dieser Einschätzung ein wenig Optimismus gegeben zu haben.
Als Sozialarbeiterin lernte ich professionelle Gesprächsführung und Beziehungsgestaltung ab Tag 1 meiner Ausbildung. Auch in Führungsausbildungen und Verkaufstrainings wird eine positive und zielführende Interaktion mit dem Gegenüber gezielt geschult. Inqiefern spielt dies eine Rolle in der Ausbildung/Fortbildung der Ärzteschaft? Gibt es Bestrebungen, dies vermehrt in die Ausbildung von Ärzt:innen zu integrieren?
Sabina Hunziker: Es freut mich zu hören, dass kommunikative Kompetenzen in Ihrer Ausbildung von Anfang an vermittelt wurden. Auch in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung haben sie einen wichtigen Stellenwert: Bereits im Studium sind sie Teil der Grundausbildung und werden in Fort- und Weiterbildungen weiter vertieft; in immer mehr Fachrichtungen (z.B. Onkologie) sind sie Bestandteil der Facharztausbildung. Entscheidend ist die regelmässige praktische Übung, etwa durch Workshops, Supervision in Visiten/Sprechstunden oder Rollenspiele, damit das Gelernte nachhaltig angewendet wird. Zudem gibt es Bestrebungen, kommunikative Kompetenzen verbindlich in den allgemeinen Lernzielen aller Facharztausbildung zu verankern.
Mein artt verschreibt mir immer medis, die ich nicht brauche, macht überflüssige bluttests. Irgendwie zocken diese ärzte das geszndheitssystem ab. Wie umgehen?
Annina Hess: Ja, wir haben als Bevölkerung leider ein Gesundheitssystem zugelassen, dass sehr Kommerz orientiert ist. Es gilt abzuklären, ob ein Arzt, eine Ärztin medizinische Fehlversorgung betreibt oder nicht. Sie haben das Recht, mit dem Arzt zu sprechen und Ihr Anliegen zu thematisieren. Ein anderer Weg könnte ein Arztwechsel sein oder bei der Kasse nachzufragen, ob eine Zweitmeinung möglich wäre. So könnte herausgefunden werden, ob es sich um eine Fehlversorgung handelt. Oder besuchen Sie ein amm Café Med. Dort können Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt die Situation persönlich klären. Auf der Website www.menschenmedizin.ch finden Sie alle Angaben dazu.
Ich habe seit 2023 Magen-/Darmprobleme (Auslöser waren nacheinander Corona, Magen-Darm-Grippe, Burnout und die Trennung von meiner ersten Partnerin). Sämtliche medizinischen Untersuchungen wie Darmspiegelung, MRT, Stuhl, Ultraschall, Blutuntersuchung, Ernährungsberatung (Probiotika) etc. verliefen damals negativ. In den schlimmsten zwei Wochen habe ich vier Kilo abgenommen und musste notfallmässig vier Tage ins Krankenhaus. Anschliessend habe ich einen Psychiater besucht, der mir Antidepressiva verschrieben hat, es kam zu einer langsamen Besserung über Monate hinweg. Durch die Hüftoperation (künstl. Gelenk) und vielen Medikamente (und ganzen Stress dabei) wurden die Magenprobleme und Depressionen (starke innere Unruhe etc.) wieder ausgelöst (zudem Trennung von meiner zweiten Partnerin einen Monat vor der Operation am 24.12.25). Ebenfalls verstärkt Schlafprobleme: Einschlafen mit Zoldorm klappt, Nächte sind jedoch zu kurz. Ich, bzw. mein Magen, sprechen immer sehr sehr gut und schnell auf Akupunktur, Massage, Physiotherapie (nach OP), Orthopädie und auch Sport an, die Schmerzen verschwinden gänzlich. Am Abend ist es grundsätzlich besser. Verdacht Vagusnerv? Ist der Parasympathikus (Ruhenerv) „ausser Funktion”? Herzfrequenzvariabilität (HRV) messen um die Ursache zu klären? Wie kann ich meinen Hausarzt darum bitten? Oder kann ich dies verlangen? Kann ich diese Messung nur machen, wenn es dem Magen schlecht geht? D.h. an guten Tagen wäre die Messung nutzlos? Vielen herzlichen Dank im Voraus.
Ben Brönnimann: Besten Dank für die detaillierten Erläuterungen. Es kommt nicht selten vor, dass nach der Häufung von Erkrankungen das Nervensystem schnell alarmiert reagiert. Wie ein zu fein eingestellter Rauchmelder in einem Raum, der bereits bei einem Kerzenräuchlein die Feuerwehr alarmiert. Das braucht viel Energie. Oft dienen medizinische Untersuchungen mehr dazu, bedrohliche Ursachen auszuschliessen und können z.T. die Ursache nicht klar feststellen. Unser Organismus ist sehr komplex funktionierend, wenn Viren, Medikamente und mentale und physische Stressoren sich mischen, ist die Suche nach DER einen Ursache frustrierend. Den Vagusnerv besitzen Sie, auch die HRV. Diese können auch in einem Zusammenhang stehen, jedoch ist eine einzelne Analyse dieser Faktoren nicht endgültig erklärend. Es ist nachvollziehbar, dass Sie mehr wissen wollen: Hier macht es Sinn, einen Behandlungsplan aufzustellen (mit dem HA) und diesen neugierig und konsequent zu verfolgen oder je nach Belastung und Einschränkung einen stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik zu diskutieren (z.B. ist Zoldorm als Langzeitschlafmedikation klar zu überdenken, weil mit Risken behaftet). Auf jeden Fall weiterhin gute Besserung!
Es ist weniger ein Frage als eine Feststellung. Mit meinen jetzt 80 Jahren war ich sehr oft krank. Und ich muss sagen, dass ich immer nur positive Erfahrungen mit Ärzten hatte. Ich werde immer freundlich und zuvorkommend behandelt. Zu Terminen gehe ich gut vorbereitet, ausser es wäre ein akuter Notfall. Ich schreibe mir Fragen auf, zum Beispiel: wie wirkt dieses verordnete Medikament, könnte ich es vielleicht zeitlich anders einnehmen, ist diese Untersuchung wirklich notwendig oä. Denn schliesslich bin nicht ICH die Fachfrau. So bin ich immer gut gefahren.
Sabina Hunziker: Vielen Dank fürs Teilen Ihrer Erfahrung. Ihre gute Vorbereitung und die klaren Fragen sind ein sehr hilfreicher Ansatz. Genau so kann eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit entstehen.
Wieso produzierten die Ärzte nur noch Leerläufe? Man wird vom Hausarzt zum Spezialisten zugewiesen und dann läuft alles falsch!!! Ich habe schon wieder einen Termin bekommen, um meine verletzte Zehe zu untersuchen. Dies ist nun das vierte Röntgenbild das gemacht wird und wohl wieder Geld zum Fenster herausgeworfen ist. Die Knochen sind in Ordnung. Es liegt vermutlich an den Bändern, die man auf einem Röntgenbild nicht sieht. Auch eine weitere Untersuchnung beim Urologen ist geplant, wegen einem anderen Problem. Leider hat die geplante Untersuchung nichts mit dem Problem zu tun, welches ich habe. Leerläufe ohne Ende seit Jahren. Wohl das Problem Nr.1 weshalb die Krankenkassenprämien jedes Jahr steigen. Wenn man das Spital auf den Fehler aufmerksam mach, dann wird einem erklärt man könne das dann in der Sprechstunde oder noch schöner auf dem OP-Tisch besprechen!!! Besprechen in der Sprachstunde, nachdem die Röntgenbilder und andere technische Untersuchungen bereits gemacht sind, so kann man keine Kosten sparen. Wann kapieren Ärzte und Sekretariate endlich, dass zu jeder technischen Untersuchung eine konkrete Fragestellung gehört und unnütze Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden sind ???? Mit besten Grüssen
Annina Hess: Ja, medizinische Fehlversorgung in Form von unnötigen Untersuchungen und Behandlungen ist ein leidiges Thema und Folge von Strukturfehlern in unserem Gesundheitswesen. An sich müssen Sie natürlich nur in Anspruch nehmen, was Sie als sinnvoll beurteilen. Ein Besuch in einem amm Café Med kann eine wichtige Entscheidungshilfe sein: Welcher medizinische Untersuchungsvorschlag macht Sinn. Was ist zuviel.
Hallo zusammen Ich (31 Jahre) arbeite im Dienstleistungssektor und habe beruflich mit sehr vielen Kundinnen und Kunden zu tun. Beim ersten Kontakt wird meistens gleich geduzt, und ich habe noch nie erlebt, dass das jemand nicht wollte. Generell gibt es bei fast allen Kundinnen und Kunden eine Du-Kultur. Das passt für beide Seiten und wirkt persönlicher – sie zu siezen wäre eher ungewohnt. Ich fühle mich immer etwas komisch, wenn ich bei meinem Arzt bin und ihn mit „Sie“ anspreche, zumal er etwa gleich alt ist wie ich. Auf der Strasse würde ich ihn auch duzen. Da ich mit meinem Hausarzt viele persönliche Dinge bespreche, fühlt sich das „Sie“ für mich nicht passend an. Meines Erachtens bringt die Sie-Kultur zu viel Abstand und ich bin weniger offen persönliche Fragen zu beantworten. Ich würde ihm deshalb gerne das Du anbieten. Ist das möglich oder eher ein No-Go? Und lässt sich abschätzen, wie lange es noch dauert, bis die Du-Kultur im Gesundheitswesen üblicher wird? Beste Grüsse, (du darfst gerne per Du antworten ;-))
Susanne Gedamke: Interessante Frage! Ich verstehe deine Perspektive, dass du aufgrund der persönlichen Informationen, die dein Arzt über dich hat, den Drang zum «du» hast. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass das mit den persönlichen Informationen nicht umgekehrt gilt, denn hast diese über deinen Arzt zu Recht nicht. Was ich damit sagen will: Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist nicht symmetrisch. Ärztinnen und Ärzte bringen ihre fachliche Perspektive ein, Patientinnen und Patienten bringen ihre persönliche Situation ein. Aus meiner Sicht kann das «Sie» in diesem Kontext helfen, diese Rollen klar zu halten und einen professionellen Rahmen zu schaffen. Ein «Du» kann für einzelne gut passen, ist aber nicht zwingend förderlich für die Gesprächsqualität und kann Ärztinnen und Ärzte auch in eine ungewohnte Rolle bringen. Entscheidend ist letztlich nicht die Anrede, sondern ob Kommunikation auf Augenhöhe gelingt: respektvoll, verständlich und mit Raum für Fragen und Entscheidungen. Daher: Nein, ich würde an deiner Stelle nicht das «du» anbieten, es sei denn, auch du kennst deinen Arzt privat und weiss, dass er das locker sieht. Alles Gute!
Hallo zusammen Wie seht ihr den Sinn von der Kommunikation via E-Mail. Beispielsweise um zu fragen ob ich wegen einem spezifischen Problem vorbeikommen soll. Oder um eine Empfehlung zu erhalten was man machen soll. Würde das nicht viel Zeit einsparen?
Sabina Hunziker: Ein E-Mail kann sinnvoll sein für einfache, nicht dringliche Anliegen (z.B. Rückfragen, Terminabklärungen). Wichtig ist, dies mit der Praxis/Ärztin vorab abzusprechen (z.B. Reaktionszeiten, wofür E-Mail geeignet ist), damit nichts Dringliches übersehen wird. Für akute oder zeitkritische Probleme sollte man jedoch immer direkt anrufen oder sich vorstellen.
Warum reden Ärzte und Pflegepersonal immer so laut mit Patientinnen, als ob diese schwerhörig wären. War bei meinem Vater extrem in verschieden Spitälern im Raum Bern-Thun. Und ich habe es selber gerade bei meinem soitalaufenthalt erlebt.
Sabina Hunziker: Das kann tatsächlich vorkommen, dass Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal unbewusst lauter sprechen, ohne es selbst zu merken. Oft steckt der Wunsch dahinter, sicherzustellen, dass alles gut verstanden wird (z.B. wegen Nebengeräuschen vom Spitalalltag, häufigen Hörprobleme etc.). Trotzdem sollte die Lautstärke individuell angepasst werden. Wenn es stört, darf man das ruhig ansprechen.
Ich bin momentan zu 30% krankgeschrieben und befinde mich im Wiedereinstieg nach schwerer Depression. Mir wurde vor einem Monat meine Stelle gekündet, was mich psychisch stark zurückwarf. Die Belastung durch meine Arbeit ist momentan immens, allerdings weigert sich meine Ärztin mich krank zu schreiben. Ich habe Angst wieder in eine schwere Depression zu kommen. Wie kann ich meiner Ärztin klar machen, dass mir meine Arbeit momentan schadet anstatt zu helfen?
Annina Hess: Wenn ich Sie recht verstehe, schreibt Sie Ihre Ärztin zu 30 Prozent krank und Sie fühlen sich zu stark belastet mit 70 Prozent Arbeit. Kennen Sie die Gründe der Ärztin, weshalb sie zu Ihrer Meinung kommt? Würde Ihnen ein stärker abgestufter Einstieg in die Arbeit helfen? Können Sie einen solchen Weg mit der Ärztin besprechen?
Zum Thema „Arztbesuch“ ist wohl mehr als eine Sendung notwendig um es auch nur richtig streifen zu können…. Zuerst kommt es darauf an, wer wem gegenübersteht! Mit 85 Jahren auf dem Buckel und mehreren Krankheiten, welche 5 Spezialgebiete betreffen, hatte ich es mit vielen Ärzten/innen zu tun. Ich musste feststellen dass in erster Linie Charakter und dann Wissen entscheidend sind für eine erfolgversprechende Partnerschaft! Zum andern fehlt es den Patienten meistens am Wissen in Bezug der Funktionen und Zusammenhänge seiner Organe im Körper. Zum dritten ist es meistens schwer seinen Zustand verständlich zu beschreiben um treffend antworten zu können. Zu all dem muss man eben auch Glück haben das richtige Fachpersonal gegenüber zu haben. Dann hat es noch einen weiteren, und sehr wichtigen Aspekt zu beachten: die Wissenschaft, auch im medizinischen Bereich, geht in einer Schnelligkeit voran dass auch das Fachpersonal überfordert ist. Und nicht zuletzt sind Pflegeberufe eben auch „Berufung“ und nicht alle Mitglieder sind dazu berufen, leider!
Ben Brönnimann: Besten Dank für Ihre berechtigten Feststellungen: Das Verhältnis von zunehmendem medizinischem Wissen und der verfügbaren Zeit, dieses anzuwenden, ist gegenläufig.
Sie sprechen den Charakter als zentrales Element im Gesundheitswesen an: In der Tat, Vertrauensbildung ist in der Gesundheitsversorgung die zentrale Währung. Dazu gehört heute für die Behandlerinnen und Behandler auch das Wissen, dass die Beschreibung von körperlichen und seelischen Vorgängen oft schwierig ist. Oder anders gesagt: Nimmt man sich mehr Zeit, werden Dinge verständlicher. Wilhelm Busch hat geschrieben: »autsch! mein Bein!« Hat wieder heut' das Zipperlein. Dieses Zipperlein ist oft nicht so klar definierbar und kann auf vieles hindeuten.
Die von Ihnen erwähnte zunehmende Spezialisierung kann Wissen konzentrieren und Operationen am offenen Herzen ermöglichen. Jedoch kann bei komplexeren Themen mit mehreren Involvierten die unkoordinierte Beurteilung frustrieren. Bei der sogenannt biopsychosozialen Behandlungsstrategie wird aktuell in Ausbildung und Klinik immer mehr investiert.
Kennen Sie einen Arzt der zuhören kann?
Annina Hess: Ja, glücklicherweise kenne ich viele Ärztinnen und Ärzte, denen das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten wirklich wichtig ist. Sie wollen durch aktives Zuhören, den Patienten, die Patientin kennenlernen, um eine an das Leben angepasste Medizin auszuführen. Nur ist in unserem Gesundheitssystem den Zeitmangel gross und das schränkt das Zuhören leider ein.
Selbst wenn man die med-Fachausdrücke alle eindeutschd, wird die Info für den Laien nicht verständlicher.
Susanne Gedamke: Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Auch übersetzte Fachbegriffe sind nicht automatisch verständlich. Entscheidend ist, dass Informationen eingeordnet und auf die persönliche Situation bezogen werden, also nicht nur «wie heisst das», sondern «was bedeutet das konkret für mich».
Guten Abend, vor 3Jahren wurde bei mir Tuberkulose festgesellt. Der Pneumologe meinte das sei nicht so schlimm und schickte mit ohne Medikamente nach Hause. Ich war schockiert. Ich musste mir einen andern Arzt suchen und sämtliche Untersuchungen noch mal machen, danach bekam ich Medis. Es ist viel unnötige Zeit vergangen , fast ein Jahr in dem es mir immer schlechter ging. Was kann ich tun damit das nicht noch mal passiert?
Annina Hess: Ich kann Sie nur ermutigen, sofort zu handeln, wenn Sie schockiert sind, sich unsicher fühlen oder kein Vertrauen in den behandelnden Arzt haben. Das haben Sie ja auch gemacht, nur offenbar nicht umgehend, dass es doch noch ein Jahr gedauert hat.
Wie lange kann/darf ich beim HA mit Fragen Antworten suchen-ohne dann X-Franken bezahlen zu müssen-wird abgerechnet bei Tardoc pauschal über Krankheitsfall selber oder immer noch erste 5Min. Und weitere Minuten Gespräch anhand der gehabten Minuten? Danke.
Susanne Gedamke: Vielen Dank für Ihre Frage. Arztgespräche werden auch im neuen Tarifsystem Tardoc nach Zeitaufwand abgerechnet. Neu ist, dass ersten 5 Minuten einer ärztlichen Konsultation als feste Hauptleistung erfasst werden, aber jede weitere Minute detailliert und minutengenau abgerechnet wird. Das bedeutet: Je länger das Gespräch dauert, desto höher die Kosten. Die ambulanten Pauschalen im Tardoc, auf die Sie sich beziehen, beinhalten bestimmte Eingriffe und klar definierte Behandlungsabläufe, keine Gespräche beim Hausarzt. Daher kann ich Ihnen leider nur raten, sich sehr gezielt vorzubereiten. Sie könnten Ihren Hausarzt auch bitten, Sie bei der Fragestellung zu unterstützen. Alles Gute!
Ich wurde ja Invalide, wegen Ärztepfusch, drei Jahre alles falsche Diagnosen durch mangelndes Abtasten des Körpers. Es hiess dann, wenn auf dem Röntgenbild nichts zu sehen, bla, bla, bla. Erst ein Hausarzt hat erst visuell dann durch Abtasten den Schaden nach 3 Jahren entdeckt und gesagt, wir arbeiten ganz eng zusammen und fangen nochmal von Vorne an. Ein Lungenriss, verdrehte Wirbel, ein eingedrücktes Zwerchfell und ein verzogener Thorax kamen dadurch zum Vorschein. Die Speiseröhre war durch den Unfall bedingten Zwerchfellbruch nahe an Krebsbefall, Ein Professor des Spitals wurde auf meine Anweisung aus dem Spital entfernt, wegen Patientengefährdung und Falschdekleration im IV Verfahren. Unfallpatienten sollten immer gründlich angeschaut und abgetastet werden, warum geschieht das nicht überall?
Susanne Gedamke: Es tut mir sehr leid, was Sie erlebt haben. Eine gründliche Untersuchung (inklusive Anschauen und Abtasten) gehört zum medizinischen Standard, gerade nach Unfällen. In der Praxis kann es vorkommen, dass teils stark auf Bildgebung fokussiert wird und unter Zeit- oder Systemdruck nicht immer ganzheitlich untersucht wird. Das erklärt solche Situationen teilweise, rechtfertigt sie aber natürlich nicht. Ihre Erfahrung zeigt, wie wichtig sorgfältige Abklärung und auch Zweitmeinungen sind.
Auch die Assistenzärztin im Puls Beitrag würde im persönlichen Gespräch nie so laut reden wie mit der Patientin. Woher kommt das, dieses Laut-mit-Patienten-Reden? Stört mich gewaltig.
Ben Brönnimann: Es ist gut, wenn Sie bemerken, welche Lautstärke sie benötigen in einer Gesprächssituation! Hier kann ich Sie nur ermuntern, dies sachlich zurückzumelden, sollte Ihnen das (wieder) passieren.
Im Beitrag kann man sich vielleicht auch in die Ärztin hineinversetzen: Übungssituation, Leute schauen zu, die TV-Kamera läuft, Geräte piepsen und im Gang ist Lärm (den man nicht hören kann wegen der Mikrofonfilterung). Gründe für lauteres Sprechen in einer Nicht-privaten Umgebung werden in der Sozialpsychologie diskutiert:
- Soziale Kontrolle und «Impression Management»: Man möchte auf Fremde einen guten Eindruck machen – kompetent, selbstsicher oder freundlich wirken. Mit vertrauten Menschen fällt dieser Druck weg.
- Unsicherheit und Nervosität: Im Gespräch mit Unbekannten steigt die Anspannung. Nervosität äussert sich oft unbewusst in einer lauteren oder angespannteren Stimme.
- Fehlende nonverbale Signale: Mit Vertrauten hat man ein eingespieltes System – man weiss, wann der andere zuhört. Bei Fremden fehlt dieses Wissen, also «verstärkt» man die Botschaft durch lauteres Sprechen.
Ich bereite mich schriftlich vor, nehme den Zettel mit und kündige an, dass ich z.B. 4 Fragen habe. Bei der Vorbereitung greife ich auf ChatGPT zurück. Spitalberichte stelle ich abschnittsweise, ohne Namen auch ins VhatGPT. Ist dieser Weg eine Lödung oder birgt er Gefahren. Gäbe es noch bessere Möglichkeiten? Danke für die Rückmeldung.
Sabina Hunziker: Ihre schriftliche Vorbereitung ist sehr sinnvoll. ChatGPT kann dabei helfen, Fragen zu strukturieren. Wichtig ist aber, vorher zu klären: Was möchte ich wirklich wissen? Eine mögliche Gefahr ist, dass ChatGPT andere Schwerpunkte setzt als für Sie persönlich relevant sind oder verunsichert, weil Antworten nicht genau zu Ihrem Anliegen passen. Zudem sollten keine sensible Daten geteilt werden. Entscheidend für eine gute Beratung, Diagnosestellung und therapeutische Massnahmen bleibt das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt und die klare Priorisierung Ihrer eigenen Anliegen.
Ich habe ein Bandscheibenvorfall und gleichzeitig auch eine äusserliche Trombose am Bein . Ich habe beim Hausarzt einige Fragen doch Er geht nur auf 1-2 Fragen ein und die anderen Fragen bleiben immer unbeantwortet . Dass ist sehr frustrierend und lässt mich mit der Ungewissheit wieder nach Hause , das macht mir auch angst . Der Arzt ist auch immer gestresst und gibt mir das auch zu verstehen , Was soll ich tun ? Mir wurde geraten den Arzt zu wechseln . Das Problem ist dass ich mit dem jetzigen Arzt in verschiedenen Untersuchungen bin . Freundlich grüsst
Annina Hess: Ich empfehle Ihnen offen mit Ihrem Arzt zu sprechen. Sagen Sie ihm, dass Sie seine Zeitnot und den Stress wahrnehmen, dass Sie nicht alle Fragen stellen können und das bei Ihnen Unsicherheit und Angst auslöst. Fragen Sie, wie Sie zusammen damit umgehen wollen? Kann er mehr Zeit zur Verfügung stellen? Sollen Sie eine Begleitperson mitnehmen, die hilft, die Fragen zu stellen? Schön, wäre, wenn Sie gemeinsam einen Weg finden könnten, mit der Zeitnot umzugehen.
Wie kann ich das Gespräch als Patient angenehmer gestalten?
Susanne Gedamke: Vielen Dank für Ihre Frage. Hilfreich ist es, sich vor dem Termin kurz zu überlegen: Was ist mir heute am wichtigsten? Gerade bei begrenzter Zeit kann es sinnvoll sein, sich auf zwei oder drei zentrale Fragen zu konzentrieren. So geht nichts Wesentliches unter.
Im Gespräch selbst hilft es, die eigenen Beschwerden möglichst konkret zu schildern, also seit wann etwas besteht, wie es sich anfühlt und was sich verändert hat. Ebenso darf man eigene Erwartungen ansprechen, zum Beispiel: «Mir ist wichtig zu verstehen, wie es jetzt weitergeht.» Ganz zentral ist auch: Nachfragen. Wenn etwas unklar ist, darf und soll man das sagen, z.B. «Was bedeutet das konkret für mich?» oder «Können Sie mir das nochmals einfacher erklären?» Gute medizinische Entscheidungen setzen voraus, dass man die Informationen auch wirklich versteht. Alles Gute!
Was darf man von einer Hausärztin für Allgemeinmedizin denn erwarten? Und ist das normal, dass bei jeder Fragen Google oder KI konsultiert wird?
Susanne Gedamke: Von einer Hausärztin darf man erwarten, dass sie Beschwerden einordnet, erste Abklärungen macht, den Überblick behält und bei Bedarf weiterverweist. Sie muss nicht alles von Ihnen auswendig wissen, sollte aber Orientierung geben können, insbesondere auch unter Einbezug Ihrer Lebensrealität (was Ihnen wichtig ist, Job, Umfeld etc.). Dass man bei Bedarf digitale Tools konsultiert, ist grundsätzlich normal, entscheidend ist, dass die Informationen fachlich eingeordnet werden.
Leider wurde nicht erwähnt, dass die jungen Ärzte bei den Gesprächen mit uns ältreren Leuten viel zu schnell, zu leise, undeutlich und mit Fremdwörtern reden. Wir älteren Leute hören meisstens nicht mehr so gut und nicht mehr alle Töne, so dass wir das Gesprochene nicht verstehen. Vor allem in den Spitälern, wo viele Fremdsprachige Ärzte arbeiten. Wenn man sie darauf hinweist, werden sie hässig.
Annina Hess: Sie haben selbstverständlich das Recht darauf hinzuweisen! Ungehalten zu reagieren ist nicht nur nicht anständig, es ist höchst unprofessionell. Es ist wichtig, dass Assistenzärztinnen und -ärzte lernen gut zu kommunizieren. Teilen Sie Ihre Erfahrung einem Oberarzt oder einer Chefärztin mit oder schreiben Sie eine Rückmeldung an das Spital. Danke für die Mithilfe zur Verbesserung der Spitalkultur.
Warum hat unser Gesundheitssystem nichts gelernt aus den Coronazeiten? Warum soviel Personalabbau bei den sozial schwächer bezahlten Berufen? Politik??
Susanne Gedamke: Die Pandemie hat viele Schwachstellen sichtbar gemacht, insbesondere beim Personal und den Arbeitsbedingungen. Dass sich im Alltag für viele dennoch wenig verbessert hat, sorgt verständlicherweise für Frust. Genau vor diesem Hintergrund wurde ja auch die Pflegeinitiative angenommen. Sie zeigt, politischer Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig braucht die Umsetzung enorm viel Zeit. Es geht um Ausbildung, Arbeitsbedingungen, Finanzierung und die Attraktivität der Berufe insgesamt. Viele dieser Veränderungen greifen nicht sofort im Alltag. Was Sie ansprechen, Personalabbau oder anhaltender Druck in eher schlechter bezahlten Berufen, zeigt aber auch, dass die bisherigen Massnahmen noch nicht ausreichen, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.
Gibt es ein solches Kaffee für Patientengespräche in Luzern?
Annina Hess: Ja, es gibt ein amm Café Med in Luzern. Jeden ersten Mittwoch im Monat. 14:30 bis 17:00 Uhr. Im Café Melissas kitchen. Hirschengraben 19. Willkommen.
Keine Frage – meine Erfahrungen. Aerzte praktizieren am Bildschirm,nicht am Patienten.
Ben Brönnimann: Als klinisch tätiger Psychologe kann ich natürlich nicht für «die Ärzte» sprechen. Jedoch besten Dank für Ihre Anmerkung die aus meiner Erfahrung mehrere Aspekte anspricht:
- Das Problem ist real: Die Dokumentationspflicht hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Ärzte/Ärztinnen und Psychologinnen/Psychologen verbringen laut Studien einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben am Computer – Zeit, die früher dem Gespräch galt. Das entschuldigt es nicht, erklärt aber einen Teil der Ursache.
- Dann gibt es medizinische Disziplinen, die auf den Bildschirm als diagnostisches Werkzeug angewiesen sind, wie z.B. die Radiologin beim Betrachten von MRT-Bildern und Röntgenaufnahmen oder der Chirurg, der Bilder einer sich im Körper befindenden Kamera interpretieren muss.
- Manchmal verlangen Patientinnen und Patienten, dass man ihre subjektiven Beschwerden mittels Bilder aufzeigt. Sie fordern die von Ihnen bemerkte Vorgehensweise.
Wie kann ich als Patient beweisen, dass Untersuchungen oder Behandlungen, welche im Tiers payant einfach verrechnet werden, gar nicht stattgefunden haben? Es geht zum Beispiel um die Untersuchung des Gehörganges mit Ohrmikroskop – eigene TARMED Ziffer in 2025 – , wenn aber niemals ein Ohrmikroskop zum Einsatz kam? Das ist stossend und man kann sich nicht wehren. Selbst die Krankenkasse bezahlt es und fordert es nachher im Rahmen der Franchise vom Patienten zurück. Die ORL Ärztin behauptet einfach steif und fest, der „ dumme“ Patient hätte das Ohrmikroskop nicht bemerkt. Diese ORL Untersuchung war im Rahmen der Hörgeräteverordnung durch die AHV angeordnet worden und dort bereits durch die ORL Ärztin mit ca. 365,- CHF verrechnet worden. Die TARMED Ziffer für die AHV enthält bereits die Untersuchung und Inspektion des äusseren Gehörganges. Das ist eine Frechheit und Unverschämtheit dieser ORL Ärztin, einfach jedem „ dummen „ Patienten noch eine zusätzliche Rechnung im Tiers payant für das Ohrmikroskop zu senden, welches niemals zum Einsatz kam. Sondern ein normaler Ohrtrichter und eine starke LED Lampe!! Danke für eine Antwort.
Annina Hess: Sie können sich bei der Gesundheitsdirektion Ihres Kantons melden oder eine Eingabe machen an die kantonale Ombudsstelle, damit die Klage geprüft werden kann.
Ich war zur Mammographie in einem anderen Röntgeninstitut. Die Mammographie wurde gemacht, die ausführende Dame sagte: ich bespreche dies mit dem Arzt und komme wieder. Nach ca. 8 Min. kam sie wieder, es ist alles in Ordnung. Bekam später auf Anfrage den Bericht schriftlich. Ich habe dies noch nie erlebt, immer nahm sich die Arztin, die Zeit die Bilder oder meine noch offen Fragen zu beantworten. Was soll ich unternehmen?
Annina Hess: Nachfrage: Kann es sein, dass man im Röntgeninstitut davon ausgegangen ist, dass Sie den Bericht und die offenen Fragen mit der zur Mammographie zuweisenden Ärztin besprechen werden? Sie können sich beim Institut melden und Rückmeldung geben.
Ich habe Probleme mit dem Rauchen aufzuhören. Es wird einfach immer gesagt «hör docv auf!» Gibt es spezielle Techniken, die hier auch beim Gespräch helfen könnten?
Sabina Hunziker: Ja – hilfreich ist z.B. die motivierende Gesprächsführung: Dabei klären Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt Ihre eigenen Gründe fürs Aufhören, sprechen Ambivalenzen an (z.B. Wissen um gesundheitliche Risiken vs. Genuss/Entspannung) und überlegen gemeinsam, wie Sie Ihre Zuversicht steigern können. Hilfreiche Fragen sind: Wie wichtig ist es mir aufzuhören? Wie zuversichtlich bin ich (auf einer Skala von 0 bis 10)? Habe ich es schon einmal versucht oder zeitweise geschafft zu reduzieren/aufzuhören? Was hat mir damals geholfen? Zudem gibt es spezielle Rauchstopp-Sprechstunden. Dies können Sie mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt ansprechen.
Guten Tag. Ich habe schnell eine Frage. Was kann man tun, wenn ein Hausarzt der Patientin nicht helfen will? Ich war Im Mai, 2021, in der Zeit wo die erste Coronaimpfung aktuell war, bei meinem langjährigen Hausarzt. Nach der Impfung bekam ich Muskelschmerzen und konnte einige Wochen später , nach der Impfung, maximal 50 Meter laufen. Vor dieser Zeit war mein grosses Hobby Schwimmlehrerin für Kinder und grosse Reisen. Als ich beim Hausarzt war, den ich auch privat kenne ( besser kannte) und mein Leiden mitteilte, bekam ich eine unglaubliche Antwort. Er meinte nur, wieso ich überhaupt laufen können muss, es reicht auch schon, wenn ich nur im Bett liege, da kann ich auch abnehmen. Das Resultat war, dass ich ein Jahr im Bett lag und er mich erst nach 3 Monate in die Physio schickte. Im Moment geht es zwar mit etwa 15 Minuten laufen und ich bin wieder in der Physio. Wie kann man sich wehren, wenn man alleine bei einem Hausarzt ist und keine Zeugen dabei sind? Ich habe auch schon bei Fachärzten die Erfahrung gemacht, dass sie nur mein Übergewicht sehen( nach einem Jahr liegen) und mich nachher nicht mehr untersuchten. Der Grund ist ja das Übergewicht.
Susanne Gedamke: Es tut mir sehr leid, was Sie erlebt haben. Ein erster wichtiger Schritt ist oft, die Behandlungssituation zu verlassen, wenn das Vertrauen fehlt. Sie dürfen jederzeit den Hausarzt wechseln, auch im Hausarztmodell (allenfalls mit Rücksprache mit der Krankenkasse). Ebenso können Sie eine Zweitmeinung einholen. Eine neue, unvoreingenommene Sicht ist gerade nach solchen Erfahrungen sehr wichtig. Wenn Sie sich konkret gegen das Verhalten des Arztes wehren möchten, gibt es in der Schweiz auch formelle Wege: Patientenorganisationen oder kantonale Ärztegesellschaften unterstützen bei Konflikten. Hilfreich ist zudem, die eigene Situation möglichst gut zu dokumentieren (Verlauf, Gespräche, Befunde). Das stärkt Ihre Position, gerade wenn Aussagen später schwer nachvollziehbar sind. Für zukünftige Gespräche kann es helfen, eine Begleitperson mitzunehmen oder wichtige Punkte vorab aufzuschreiben. Das gibt Sicherheit und sorgt dafür, dass Ihre Anliegen gehört werden. Zum Schluss noch: Auch wenn Faktoren wie Gewicht eine Rolle spielen können, haben Sie Anspruch auf eine sorgfältige medizinische Abklärung. Beschwerden dürfen nicht vorschnell darauf reduziert werden. Ihr Gefühl, dass hier etwas nicht richtig gelaufen ist, ist sehr nachvollziehbar. Alles Gute!
Mein Arzt möchte mich die ganze Zeit überreden Medikamente zu nehmen die ich nicht brauche. Was soll ich tun?
Annina Hess: Haben Sie an sich Vertrauen in Ihren Arzt? Wissen Sie, aus welchen medizinischen Gründen Ihr Arzt die Medikation für Sie für so wichtig hält? Versteht der Arzt, aus welchen Gründen Sie die Medikamente als unnötig betrachten? Ich empfehle Ihnen die beiden Perspektiven auszudiskutieren, damit die beiden Haltungen nachvollziehbar werden.
Bei meinem Augenarzt untersucht mich meist seine Ophthalmologische Medizinische Praxisassistentin (OMPA) Somit sehe ich den Augenarzt meist überhaupt nicht. Oder am Schluss komnt er noch Augendruckt messen. Die Rechnung ist aber trotzdem happig hoch, als oder Arzt die Untersuchung selbst machte. Ist dies erlaubt, diesen Taxtarif zu verrechnen??
Annina Hess: Nein, eine Arztkonsultation zu verrechnen, wenn sie nicht stattgefunden hat, ist nicht zulässig. Fragen Sie bei der Praxis nach, melden Sie das der Krankenkasse und wenn Sie nicht hinreichende Antwort erhalten haben, geben Sie die Frage an die Gesundheitsdirektion weiter.
Immer wieder erlebte ich Arzttermine, besonders oft in Rehas oder Spitälern, wo die Verständigung das Problem war. Da waren Ärzte, die keine einzige Schweizer Landessprache konnten. Ich war jeweils baff. Die verstanden mich nicht! So wehrte ich mich und verlangte nach einem der deutschen Sprache mächtigen Arzt. Leider war dies nicht immer möglich. Aber wie soll ich mich denn verhalten, wenn ein russischer oder slavischer Arzt vor mir steht und kein Wort Deutsch versteht?
Susanne Gedamke: Danke für Ihre Frage. Sie müssen sich darauf nicht einfach einlassen. Verständigung ist eine zentrale Voraussetzung für eine sichere Behandlung. Wenn der Arzt Sie nicht versteht, dürfen Sie das direkt ansprechen und z.B. sagen «So kann ich meine Beschwerden nicht erklären. Ich brauche jemanden, mit dem ich mich verständigen kann». Konkret können Sie eine andere Ärztin oder einen anderen Arzt verlangen, der Deutsch spricht oder um eine Übersetzung bitten (z.B. durch eine Kollegin/einen Kollegen oder einen Dolmetschdienst). Sie können auch das Gespräch unterbrechen oder verschieben, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Gerade in Spitälern mit internationalem Personal kommt das vor. Trotzdem muss Institution sicherstellen, dass eine verständliche Kommunikation möglich ist. Alles Gute!
Ich spreche English aber mit Schweizer Deutsch bin ich ziemlich gut. Mein Hausarzt spricht Hochdeutsch. Ich habe schwierigkeiten mich auszudrucken und zu verstehen. Ich habe das gefühl nicht ernst genommen zu werden. Ich leider an einer Reihe chronischer Krankheit. Es gibt nur einen Hausarzt in Dorf ( was naturlich gut ist ) Ich war für jeden Ratschlag dankbar.
Ben Brönnimann: Sie sprechen ein zentrales Element der Kommunikation an: Die gesprochene Sprache. Es ist allgemein bekannt, dass wir in unserer Muttersprache denken und uns ausdrücken. Auch bei Ihren ziemlich guten Schweizerdeutschkenntnissen müssen Sie jeweils übersetzen, und dies zweifach: Von Ihrer Körperwahrnehmung (und Ihren Gedanken) in die Muttersprache, dann von der Muttersprache in das Hochdeutsche mit einem «Turnaround» über das Schweizerdeutsche. Das ist aufwändig und birgt ein erhöhtes Risiko für Missverständnisse.
Ich empfehle Ihnen, sich zu Ihren Beobachtungen Notizen zu machen und mit dem Dorfarzt zu besprechen: Wo genau bestehen Schwierigkeiten in Ihrem Ausdruck? Haben Sie eine vertraute Person, mit der Sie die Situation besprechen können und die Sie vielleicht begleitet? Können Sie Probleme mittels Online-Übersetzung konkretisieren? Woran machen Sie fest, dass er Sie nicht ernst nimmt? Eine medizinische Fachperson, die verstanden hat, dass Sie sich nicht ernstgenommen fühlen, sollte sich bei der Begleitung chronisch Erkrankter prioritär der vertrauensvollen Verständigung widmen, um gut medizinisch zu betreuen.
Grüezi Ende Jan. wurde bei mir (86) eine ANEURYSMA-OP. durchgeführt. Im Aufwachraum war ich immer noch sehr benommen, kam ein Arzt und stellte sich als Dr. S vor. Er stand et wa 2 Meter vor dem Bett und sagte Sie haben ihr Aneurysma immer noch. Wegen der verkalkten Artherien konnten wir weder links noch rechts ein Implantat einführen. Machte rechts umkehrt und verschwand ohne dass ich eine Frage stellen konnte. Einige Minuten danach hörte ich eine Pflegerin fragen ob der Arzt schon da war. Auf das ja einer anderen Pflegerin sagte sie, dann weiss sie es also. Das nennt man effizient, finden sie nicht auch?
Annina Hess: Das ist allerdings unerhört, im wahrsten Sinne des Wortes. Da hätte es einiges zu fragen und zu klären gegeben! Natürlich drängt sich die Frage auf, wie es dann weitergegangen ist bezüglich Information darüber, was das für Sie bedeutet, wie weiter vorgegangen werden kann, etc. Ich empfehle Ihnen, Ihre Erfahrung der Meldestelle des Spitals, inkl. Name des Arztes, mitzuteilen.
Guten Abend Ich bin 66 Jahre alt und habe eine starke, ausgeprägte Blasensenkung. Meine Gynäkologin hat mich zur Abklärung, an ihre Kollegin überwiesen, die solche OP durchführt. Für mich ist es eine klare Sache, dass diese Ärztin mir klar sagt, dass ich diese Blasensenkung operieren muss und mich auf die Folgen hinweist, wenn ich diese OP nicht mache. Natürlich kommt alles auch zur Sprache, was bei so einem Eingriff alles passieren kann. Dass ich als Patientin alleine entscheiden muss, dafür oder dagegen, je nach mehr o weniger Leidensdruck, finde ich ungewöhnlich und schafft kein grosses Vertrauen. Genau das aber verlangt diese Ärztin, dass ich entscheiden muss. Ich habe grossen Respekt vor solchen Eingriffen. Meine Ärztin: Sie müssen sagen ob sie die OP wollen oder nicht. Da ich mich nach dem Hin und Her unsicher fühle ist das Eine. Nun meine Frage an Sie: Ein Arzt muss doch entscheiden, ob eine OP nötig ist oder nicht.. Ich habe Mühe, das Ganze einzuordnen. Danke für Ihre Antwort.
Sabina Hunziker: Ihre Verunsicherung ist gut nachvollziehbar. Wenn es mehrere medizinisch sinnvolle Optionen gibt (sogenannte Equipoise), hängt die Entscheidung stark von Ihrem Leidensdruck, Ihren Erwartungen und persönlichen Umständen/Präferenzen ab. Die Ärztin hat die Aufgabe, Ihnen die Möglichkeiten sowie deren Vor- und Nachteile verständlich zu erklären und Sie dabei zu unterstützen, diese auf Ihre Situation zu beziehen. Wichtig ist, dass Sie dabei nicht allein gelassen werden, sondern gemeinsam eine gut informierte Entscheidung treffen können. In anderen Situationen, in denen eine Behandlung klar überlegen ist, wird diese in der Regel auch eindeutig empfohlen. Sprechen Sie Ihrer Ärztin offen darauf an, dass Sie sich mit der Entscheidung unsicher fühlen, und gezielt um Unterstützung bei der Abwägung bitten, was in Ihrer persönlichen Situation am besten passt.
Ich leide unter einer seltenen Erkrankung. Leider gibt es keine Therapiemöglichkeiten mehr. Das ist frustrierend für mich als Patientin, aber auch für die Ärzte. Ich habe erlebt, wie schlecht Ärzte mit Frust umgehen können. Oft projizierten sie ihr Frust dann auf mich. Ich hoffe sehr, dass angehende Ärzte lernen mit solchen Situationen umzugehen und klar zu kommunizieren, wenn sie nicht mehr helfen können. Werden solche Situationen gelehrt?
Ben Brönnimann: Besten Dank für Ihre wichtige Frage. Als Psychologe kann ich nicht für «die Ärzte» sprechen, jedoch aus Erfahrung meiner klinischen Arbeit und meiner nahen Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten berichten.
Wir Menschen denken in Kategorien, die wir je nach privatem und beruflichen Hintergrund erlernt und trainiert haben. Sehr viele Menschen wählen Berufe im Gesundheitswesen, um zu therapieren (griechisch therapeúein = pflegen, heilen, dienen). Wenn man therapiert hat, hat man Erfolg. Erfolg macht Zufriedenheit aus. Wenn man jetzt, wie Sie, unter einer seltenen und auch noch «nicht-therapierbaren» Erkrankung leidet, passt dies oft nicht mehr in diese jahrelang trainierte Kategorie «therapieren/heilen = Erfolg». Dies ist natürlich für Sie als Betroffene belastend, zudem auch für den Menschen, der jahrelang trainiert hat, zu helfen. Es ist in der Tat wichtig, dass bereits angehende Behandlerinnen und Behandler mit dem Thema konfrontiert werden, sodass der Frust gemeinsam ausgehalten und nicht projiziert wird. Zum Teil können sich auch Wege zu Veränderung öffnen, wenn nicht einfach Heilung, sondern chronische Beruhigung von Beschwerden als Therapieziel gesetzt wird (z.B. mit Erlernen von Selbsthypnose).
z.Hd. Frau Prof. Hunziker Guten Abend Frau Hunziker. Den Ansatz, dass das «gute Gespräch» zwischen Arzt und PatienInnen die Genesung unterstützt kann ich nur bestätigen. Das Gleiche gilt für die Pflegenden und als solche schreibe ich Ihnen. Ich war 42 Jahre lang voll berufstätig, 23 davon im obersten Kader (Leiterin Pflegedienst in einer Uniklinik). Die Sendung, die Beispiele und Ihre Lehre haben mir sehr! gefallen, das Einzige, das mir punktuell gefehlt hat, ist die physische Augenhöhe. Die ist nicht gegeben, wenn das Bett des Patienten auf unterster Stufe steht und die Ärztin 170cm gross ist. Sie bückt sich z.T. herunter wie zu einem Kleinkind. Ich habe während der Visite IMMER das ganze Bettniveau hochgestellt, dann passt das. Ganz wichtig: nach der Visite wieder runterstellen, damit der Patient nicht herausfällt. Das Gleiche gilt, wenn der Arzt steht und die Patientin sitzt. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit diesem Thema. Freundliche Grüsse
Sabina Hunziker: Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Rückmeldung und das Teilen Ihrer langjährigen Erfahrung. Sie sprechen einen sehr wichtigen Punkt an: Die physische Augenhöhe ist ein zentraler Aspekt der nonverbalen Kommunikation und beeinflusst Vertrauen und Gesprächsqualität (auch durch Studien gestützt). Ihre praktische Lösung, das Bettniveau anzupassen, ist sehr treffend. Manchmal hängt die optimale Position auch von den Umständen ab (z.B. wie ist jemand gelagert etc.). Entscheidend ist, eine Haltung zu wählen, die natürlichen, respektvollen Blickkontakt ermöglicht und ein zugewandtes Gespräch erlaubt, sei es im Sitzen oder Stehen.