«Am Sonntag stand ich noch auf dem Fussballplatz», sagt Sascha Freiburghaus. Am Montagmorgen bricht der damals 27‑Jährige auf dem Weg zur Arbeit zusammen. Im Spital folgt nach mehreren Untersuchungen die Diagnose: Hirnschlag.
Jeder Tag war ein brutaler Kampf.
Er wird operiert und kommt in die Reha. Freiburghaus hat eine Hemiplegie und konnte das linke Bein sowie den linken Arm nicht mehr bewegen. Er musste wieder lernen zu sprechen und zu gehen. Für ihn war von Anfang an klar: «Ich muss darüber reden können, sonst habe ich es nicht verarbeitet.» Das sei für ihn ein Zeichen gewesen, dass er mit seinem Schicksalsschlag umgehen kann.
Ein harter Weg
Der Weg zurück ins Leben war schwierig. «Die Neuropsychologie war eine riesige Hilfe, um dieses traumatische Erlebnis zu verarbeiten.» Zu Beginn sass Freiburghaus im Rollstuhl. In der Reha sei er gut betreut worden. Und doch: «Jeder Tag war ein brutaler Kampf.»
Viele aus dem engen Umfeld hatten zunächst Respekt, ihn zu besuchen. Sie befürchteten, dass sich sein Wesen verändert haben könnte: «Kennt er mich noch? Wie ist er jetzt?», so Freiburghaus. Dann merkten sie, dass er derselbe geblieben war. Er konnte einfach seine linke Seite nicht mehr gleich gut bewegen.
Rückhalt im Job
Sein Arbeitgeber stärkte ihm den Rücken. «Mein Chef sagte: Du kommst zurück zu uns, auch wenn es nur 20 Prozent sind.» Das habe eine grosse Last von ihm genommen.
Drei Jahre später kehrte er an den Arbeitsplatz zurück. «Es war schön, wieder Teil von etwas zu sein.» Die Mitarbeitenden hätten allerdings Sorge gehabt, ihn zu überfordern. Trotz dieser anfänglichen Unsicherheit der Arbeitskollegen empfand Freiburghaus die Rückkehr ins Arbeitsleben als wichtig.
Ich kann anderen zeigen, dass man mit dieser Beeinträchtigung ein normales Leben führen kann.
Heute arbeitet der 55-jährige Freiburghaus halbtags in einer geschützten Werkstatt. «Ich musste einsehen, dass ich nicht mehr kann. Es kann nicht sein, dass ich nach der Arbeit nur noch schlafe.» Er wolle auch Zeit für seine Partnerin und seine Familie haben. Freiburghaus hat zwei erwachsene Kinder.
Sport als Anker
«Ich habe mich oft gefragt, warum mir das passiert ist.» Heute ist er überzeugt: «Ich kann anderen zeigen, dass man mit dieser Beeinträchtigung ein normales Leben führen kann.» Er verstehe aber auch, dass nicht alle die gleiche Kraft aufbringen könnten. Seine Familie und sein Umfeld hätten ihn stark unterstützt. «Der eigene Wille versetzt Berge.»
Seinen Weg fand Freiburghaus im Sport. Als Jugendlicher spielte er im erweiterten Kader der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Nach dem Hirnschlag war für ihn klar: «Ich kann nicht mehr rennen, also gehe ich ins Goal.»
Heute ist er Leiter eines Fussballvereins. «Ich wüsste nicht, wo ich ohne den Sport wäre.» Im Parasport unterstützt er Betroffene, dafür wurde er im November 2025 mit dem «Swiss Will Power Award» ausgezeichnet. «Man muss in jeder Situation einen Weg finden, damit es weitergeht.»