Nestlé hat in zahlreichen Ländern eine Rückrufaktion für Babynahrung ausgerufen. Betroffen sind bestimmte Chargen von BEBA- und Alfamino-Babynahrung. Das Problem sei gemäss dem Konzern eine mögliche Verunreinigung durch einen Giftstoff, produziert von Bakterien.
Gemäss Nestlé ist der verantwortliche Giftstoff, das Cereulid, in einer Zutat eines Zulieferers entdeckt worden. Ein Giftstoff, der dafür bekannt ist, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zu verursachen. Die Symptome sind in der Regel nicht lebensbedrohlich und klingen meist nach etwa einem Tag wieder ab. Erkrankungen seien gemäss der Herstellerfirma noch keine bestätigt.
Übeltäter ist ein besonders widerstandsfähiges Bakterium
Wie der Cereulid-Giftstoff in der Babynahrung gelandet ist, ist bislang unbekannt. Den Giftstoff aber, den kennen Mikrobiologinnen und Lebensmittelwissenschaftler bestens. Er wird von Bakterien der Art Bacillus cereus produziert. Und diese sind enorm widerstandsfähig.
Wenn sie sich rüsten um zu überleben und sich selbst in einen besonderen Zustand versetzen und sogenannte «Sporen» bilden, können sie sogar kochendes Wasser überstehen. Und zwar so lange, dass sie zum Beispiel beim Reis kochen nicht abgetötet werden. Auch ihr Toxin, das Cereulid, kann kochendes Wasser überstehen.
Ein sonst harmloser Bodenbewohner
Die Bakterienart Bacillus cereus lebt normalerweise, wie viele andere Bakterien auch, im Erdboden. Die meisten dieser Bodenbewohner sind für uns Menschen harmlos und führen im Boden wichtige Funktionen fürs Ökosystem aus.
Bacillus cereus ernährt sich hauptsächlich von Stärke, aber auch von Proteinen, die es um sich herum findet. Das erklärt auch, warum das Bakterium oder seine Sporen auch im Reis zu finden sein können, den wir im Laden kaufen. Reis ist ein Naturprodukt und wird vor dem Verkauf nicht speziell von Mikroorganismen gereinigt.
Bekannt als «Fried-Rice-Syndrom»
Wird gekochter Reis über mehrere Tage ungekühlt stehen gelassen, können – so vorhanden – die übriggebliebenen Sporen von Bacillus cereus wieder zu lebendigen Bakterien werden. Da sie von ihrer Lieblingsnahrung – Stärke – umgeben sind, geht es ihnen bestens und sie können sich rasch vermehren. Dabei bilden sie auch die für sie typischen Cereulid-Toxine, welche bei uns Menschen Erbrechen und Durchfall auslösen können.
Solche zuerst rätselhaften Vergiftungserscheinungen nach dem Konsum von ungekühltem Reis konnten von der mikrobiologischen Forschung bereits schon vor Jahrzehnten dem Bakterium zugeordnet werden. Darum heisst die Lebensmittelvergiftung, die Bacillus cereus auslöst, auch «Fried-Rice-Syndrom».
In der Babynahrung
Woher die Giftstoffe in der Babynahrung genau kommen und wo es im Herstellungsprozess Bakterien gab, welche diese gebildet haben, ist im Moment nicht bekannt. Klar ist: Die Vergiftungserscheinungen sind unangenehm – klingen aber meist rasch wieder ab.
Weiterführende Informationen
Und, klar ist auch, dass unsere teilweise hochtechnisierte Essensherstellung enorm aufwendig und anspruchsvoll ist. Aber auch beim selber Kochen ist die Hygiene wichtig, insbesondere auch die richtige Kühlung von Lebensmitteln.