Martina* schläft seit Jahren schlecht. Sieben Stunden wären gut, meistens sind es aber nur fünf. Sport macht sie kaum, Gemüse kommt eher selten auf den Teller. Beim letzten Arzttermin hiess es dann: Ihr Risiko für Herzkreislauferkrankungen sei massiv erhöht.
Die 50-Jährige sollte also mehr schlafen, sich mehr bewegen, besser essen. Drei Baustellen auf einmal – wo fängt man da an? Eine neue australische Studie hat jetzt eine Antwort darauf: Überall. Aber nur ein kleines bisschen.
53’000 Menschen, acht Jahre, drei Variablen
Forschende der Universität Sydney verfolgten mehr als 53’000 Erwachsene aus Grossbritannien über acht Jahre. Alle trugen Fitness-Tracker am Handgelenk, die Schlaf und Bewegung präzise aufzeichneten. Dazu machten sie Angaben zu ihrer Ernährung.
Das Ziel: herausfinden, wie das Zusammenspiel von Schlaf, körperlicher Aktivität und Ernährung das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall beeinflusst. Und?
Wer täglich 11 Minuten länger schläft, 4.5 Minuten aktiver ist und ein paar Rüeblischeiben mehr isst, hat bereits ein um zehn Prozent tieferes Herz-Kreislauf-Risiko.
Das Überraschende am Ergebnis der Studie ist nicht etwa, dass ein gesunder Lebensstil gut fürs Herz ist – sondern wie klein und easy die nötigen Schritte sind, wenn man sie kombiniert.
57 Prozent weniger Risiko
Die optimale Kombination – rund 8 bis 9.5 Stunden Schlaf, 40 bis 105 Minuten tägliche Bewegung und gute Ernährung (was das ist, erfahren Sie in der unteren Box) – senkt das Risiko sogar um ganze 57 Prozent.
Und hier liegt der eigentliche Kern: Wer nur an einem Hebel dreht, braucht viel mehr Effort. Für dieselben 10 Prozent weniger Herzrisiko müsste man, wenn man nur den Schlaf beachtet, 30 Minuten zusätzlich schlafen, also dreimal so viel wie im Dreierpaket.
Wer nur die Ernährung verbessert, bräuchte 15 Punkte mehr auf dem Ernährungs-Score – einen deutlich grösseren Sprung. Und wer nur die Bewegung erhöht, käme mit 6.6 Minuten täglich davon – aber auch das ist mehr als die 4.5 Minuten im Kombi-Paket.
Warum das Trio so gut funktioniert? Weil die drei Bereiche sich gegenseitig beeinflussen: Wer schlecht schläft, isst meist ungesünder – weil das Sättigungshormon aus dem Gleichgewicht kommt. Wer sich wenig bewegt, schläft oft schlechter. Wer sich schlecht ernährt, hat weniger Energie für Sport. Die Wechselwirkungen laufen in alle Richtungen.
Klein anfangen – Effekt vergrössern
Solche Effekte kennt man auch aus grossen Kohortenstudien: Die Veränderungen addieren sich nicht einfach – sie verstärken sich. Forschende sprechen von «synergistischen Effekten». Genau deshalb bringen kleine Schritte im Paket mehr als grössere in nur einem Bereich.
Die Studie der Forschenden aus Sydney macht nun konkret, was bisher vage war. Nicht «mehr bewegen und besser schlafen», sondern: klein anfangen – und zwar gleichzeitig an allen drei Stellen. Wichtig dabei: Weil es eine Beobachtungsstudie ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Lebensgewohnheiten das tiefere Herzrisiko direkt verursachen – oder ob gesündere Menschen sich schlicht in vielem unterscheiden.
Für Martina ändert das also vergleichsweise wenig: heute Abend eine halbe Stunde früher ins Bett, ein paar Rüeblischeiben mehr auf dem Teller, und morgen früh fünf Minuten zu Fuss zur Tramhaltestelle.
*Die Person ist als Symbolfigur frei erfunden.