Als altes Hausmittel ist der Wickel landauf, landab bekannt. Aber wie genau macht man einen Wickel? Es geht um altes tradiertes Wissen, das verloren zu gehen droht. «Wickel, Einreibungen und Auflagen haben in der Medizin eine lange Tradition und werden nun wiederentdeckt», schreibt das Institut für Komplementäre und Integrative Medizin der Universität Bern auf seiner Webseite. Komplementäre Medizin heisst konkret: in Ergänzung zur Schulmedizin.
Kein Wunder, werden Wickel auch in der Ausbildung für angehende Pflegefachpersonen unterrichtet. Vreni Brumm ist diplomierte Pflegefachfrau und Wickelexpertin. Sie unterrichtet unter anderem an der Berner Fachhochschule für Pflege. Zudem ist sie Co-Autorin eines Standardwerks über Wickel und Kompressen.
Wenn man sich mit Vreni Brumm unterhält, wird schnell klar: Wickel können mehr, als Erkältungen lindern. Sie können helfen, wenn der Kopf von der Denkarbeit überlastet ist, oder bei Blähungen und Gelenkschmerzen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der Wellnessaspekt von Wickeln
Mit einem Wickel kann man sich auch Gutes tun. «Wenn man mal gründlich den Kopf durchlüften möchte, kann ein Zitronenwickel helfen», ist die Expertin überzeugt.
Auch eine heisse Blitzkompresse soll helfen, so die Wickelfachfrau.
Dafür nimmt man einen in heisses Wasser getränkten Waschlappen, wringt ihn gut aus und legt ihn auf Nacken oder Bauch. Darüber kommt ein Frotteetuch. Eine kleine Studie in Deutschland ergab Hinweise, dass heisse Wickel tatsächlich zum Wohlbefinden beitragen.
Prellungen und Verstauchungen
Neben der Schulmedizin kann hier ein Quarkwickel helfen.
Seit Generationen lassen sich entzündungshemmende Eigenschaften von Quarkwickeln beobachten. Zum Beispiel bei Brustentzündungen stillender Mütter.
Wissenschaftliche Belege dazu gibt es nicht, allerdings wird dazu auch kaum geforscht. Bei bewährten Hausmitteln fehlen oftmals die Anreize und auch die Mittel, ihre Wirkung wissenschaftlich zu ergründen. Eine Institution, die sich des Themas trotzdem angenommen hat, ist das Institut für Komplementäre Medizin der Universität Bern.
Wickel bei Gelenkschmerzen
Ein geschwollenes Knie nach einer Wanderung, die schmerzende Hand ständig an der Computermaus – da empfiehlt die Expertin einen nasskalten Wickel.
Auch ein Quarkwickel könne helfen, so Brumm.
Wickel bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen
«Bei Völlegefühl kann das Auflegen von Rohwolle helfen», sagt Brumm. Rohwolle wärmt und rege die Peristaltik des Darms an. Zudem könne ein Rohwollekissen auch in den Hosenbund gesteckt werden, was gerade im Büro nach einem zu schweren Mittagessen die Verdauung in Schwung bringen kann, so die Expertin.
Rohwolle ist ein kleiner Alleskönner: Auf die Brust aufgelegt hilft sie, einer aufkommenden Bronchitis vorzubeugen. Sie lindert Gelenkschmerzen oder Muskelverspannungen. Sie sorgt für eine angenehme Wärme und ist dadurch schmerzlindernd. Bei Rohwolle handelt es sich um rohe, aber gekämmte Wolle. Wer auf Wolle reagiert, kann ihr auch einen Kissenanzug verpassen.