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Schweizer Studie Nach Brandverletzung: Frauen mit mehr Komplikationen

Frauen haben ein höheres Risiko für Infektionen nach Brandverletzungen als Männer. Dies zeigt eine Studie an 269 Brandopfern, die vor der Brandkatastrophe von Crans Montana am Unispital Zürich durchgeführt wurde. Der Grund für den Geschlechterunterschied ist unklar.

Wer grossflächige schwere Verbrennungen am Körper erleidet ist in akuter Lebensgefahr. Ein wichtiger Grund dabei ist, dass der Körper Mühe hat, sich gegen Bakterien zu wehren.

Schwer Brandverletzte sterben deshalb häufig an den Folgen einer Infektion. Eine grosse Studie mit Brandopfern zeigt jetzt, dass Frauen während des Aufenthalts auf der Intensivstation häufiger von bakteriellen Infektionen der Blutbahn betroffen sind als Männer.

«Der Unterschied war nicht dramatisch, aber doch klar messbar» sagt Daniel Hofmänner. Er ist Oberarzt am Institut für Intensivmedizin des Universitätsspitals Zürich und Co-Leiter der Studie.

Warum aber Frauen stärker betroffen sind bei Brandverletzungen ist noch nicht klar. «Viele Fragen sind noch offen. Mögliche Einflussfaktoren sind etwa die Hautflora, also die Bakterien auf der Haut, die unterschiedlich sein könnten zwischen Frauen und Männern», so Hofmänner. Aber auch die Hautstruktur selbst, mit dem unterschiedlichen Flüssigkeits- oder Fettgehalt. Hormone und genetische Faktoren können ausserdem unterschiedliche Reaktionen des Immunsystems bewirken.

Mehr auf Bakterien kontrollieren

Bei weiblichen Verbrennungsopfern könnte deshalb eine häufigere Entnahme von Blutproben angezeigt sein. Behandelnde Ärzte könnten so engmaschiger kontrollieren, ob sich Bakterien in der Blutbahn ausbreiten, sagt der Intensivmediziner Daniel Hofmänner.

Er wünscht sich eine generelle Sensibilisierung zu Geschlechterunterschieden in der Medizin: «Das Bewusstsein für solche Forschungsresultate sollte weit über die Verbrennungsmedizin hinausgehen».

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Schaut man sich in der Medizin die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten bei den Geschlechtern an oder auch die unterschiedlichen Reaktionen auf Krankheiten, gibt es Hinweise, dass Frauen und Männer teilweise nicht gleich reagieren.

Aber das Bild ist nicht immer eindeutig. Denn alle möglichen Einflussfaktoren zu berücksichtigen, so dass ein Unterschied am Schluss klar auf das Geschlecht festgelegt werden kann, ist sehr komplex.

Noch in vielen Bereichen unklar

Die Zürcher Studie ist insofern ein weiterer Hinweis, dass es sich lohnen kann, Patientinnen und Patienten nicht immer genau gleich zu behandeln.

Dazu müssen die möglichen Unterschiede aber erst einmal bekannt sein. Bei Krankheiten wie etwa Blutvergiftungen oder Herzinfarkten gibt es Daten, die auf klare Unterschiede zwischen Frauen und Männern hinweisen.

So zeigen Frauen und Männer bei Herzinfarkten nicht immer die gleichen Symptome und bei Blutvergiftungen tragen Männer generell ein höheres Risiko als Frauen. Weitere Forschung zu Geschlechterunterschieden  - auch in anderen Gebieten  - könnte einen Beitrag leisten, um in Zukunft alle Menschen noch besser behandeln zu können.

Die Studie im Detail

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Am Zentrum für Schwerbrandverletzte des Universitätsspitals Zürich wurden zwischen Januar 2017 und Dezember 2021 total 269 Patientinnen und Patienten in die Studie mit einbezogen.

Untersucht wurde dabei, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt in Bezug auf ein Auftreten von Bakterien im Blut. Eine solche Bakteriämie ist ein Hinweis darauf, dass sich eine lokale Infektion im Körper ausbreitet und allenfalls weitere Organe befällt. Dies kann zu Organversagen, schweren Kreislaufproblemen und zum Tod führen.

In der Studie wurde beobachtet, dass statistisch signifikant mehr Frauen (30 Prozent) als Männer (20 Prozent) eine Infektion der Blutbahn erlitten.

Die häufigsten Bakterienarten waren dabei Staphylococcus aureus und Klebsiella pneumoniae, beide auch bekannt dafür, dass sie im Spital übertragen werden können (Nosokomiale Infektionen).

Die Forschungsarbeit fand statt unter der Co-Leitung von Daniel Hofmänner und Silvio Brugger vom Universitätsspital Zürich und Pascal Frey vom Inselspital Bern.

 

 

Radio SRF 4 News, 26.02.2026, 16:50 Uhr

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