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Alarm bei Unterzuckerung – Auto warnt Diabetiker am Steuer
Aus Puls vom 29.11.2021.
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Smartes Alarm-System Eine neue Auto-Software warnt Diabetiker vor Unterzuckerung

Diabetiker bringen sich und andere in Gefahr, wenn sie unterzuckert fahren. Eine Software soll frühzeitig davor warnen.

Sinkt der Blutzuckerspiegel, kann eine Autofahrt für Diabetiker und Diabetikerinnen gefährlich werden: Die Reaktionsfähigkeit ist verlangsamt, das Sichtfeld eingeschränkt, die Konzentrationsfähigkeit herabgesetzt.

Schlimmstenfalls droht der Kontrollverlust über das Auto. «Das ist gefährlich und eine Quelle für Unfälle», sagt Christoph Stettler, Diabetologe am Inselspital in Bern.

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Diabetologe Christoph Stettler: «Das ist gefährlich und eine Quelle für Unfälle.»
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Deshalb entwickeln Expertinnen und Experten der ETH Zürich, der Universität St. Gallen und dem Inselspital Bern eine neue Software, welche vor einer Unterzuckerung am Steuer warnen soll. Der Vorteil: «Wir benutzen dafür Sensoren und Daten, die es bereits im Auto gibt», so Forschungsleiter Felix Wortmann. «Man muss nicht noch etwas einbauen.»

Die Technik, die zum Einsatz kommt, ist etwa ein Lenkrad-Winkel-Sensor», erklärt Felix Wortmann. Dieser liefert 60 Werte pro Sekunde. «Aus diesen Werten können wir berechnen, wie der Fahrer das Lenkrad bewegt: Macht er das ruckartig? Macht er das langsam? Fährt er vorausschauend oder hektisch und nervös?» Zusätzlich misst eine Kamera im Auto die Augenbewegung. Denn auch diese ist bei einer Unterzuckerung anders.

Daten sammeln mit Risiko

Felix Wortmann und sein Team analysieren das Fahrverhalten von unterzuckerten Diabetikerinnen und Diabetikern. Dafür fahren 20 Versuchspersonen mit Typ 1 Diabetes eine festgelegte und für sie abgesperrte Teststrecke ab. Die Hinterbank im Auto wurde dafür in ein fahrendes Labor umfunktioniert, in welchem Blut entnommen werden kann.

Eine der Testfahrerinnen ist Linda Ertelt. Zunächst fährt sie mit einem normalen Zuckerwert durch eine vorgegebene Strecke. Diese beinhaltet verschiedenste Aufgaben und Szenarien. Ausserorts wie auch im Stadtgebiet.

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«Eindrücklich, das hat noch nie jemand so gemacht.»
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Die Daten sprechen für sich

Die Probandin erhält über einen Venenkatheter kontrolliert Insulin, das ihren Blutzuckerspiegel sinken lässt. Nun heisst es: Noch einmal auf die Teststrecke. Die Daten ihrer Fahrfähigkeit werden erhoben und mit dem Blutzuckerspiegel abgeglichen.

Unterdessen ist sie bei einem tiefen Wert von 2.6 Millimol angelangt. Eine klare Unterzuckerung, die unbehandelt zu Bewusstlosigkeit führen kann. Sie selbst spürt, dass sie unkonzentriert ist. Von aussen ist ihrer Fahrweise nichts anzusehen. Doch die Daten, die die Sensoren im Auto liefern, sprechen für sich.

«Das Lenkrad wurde teilweise ruckartiger bewegt», sagt Martin Maritsch Doktorand am Bosch IoT Lab der ETH Zürich, der die Daten aufzeichnet. Auch das Bremsverhalten ist bei einer Unterzuckerung im Allgemeinen verändert: «Die Personen sind nicht mehr so vorausschauend unterwegs. Sie müssen oft ruckartiger bremsen, um an einer Kreuzung zum Stehen zu kommen.» Kurze Zeit später verpasst die Probandin dann eine Abzweigung.

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Doktorand Martin Maritsch: «Die Personen sind nicht mehr so vorausschauend unterwegs.»
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Verzerrte Selbsteinschätzung

Nicht nur die Reaktionsfähigkeit nimmt ab, weiss der Diabetologe Christoph Stettler: «Auch das Einschätzen der eigenen Fahrfähigkeiten leidet mit sinkendem Zucker. Personen, die unterzuckert sind, überschätzen sich erst recht und das gefährdet die Situation noch zusätzlich.»

Deshalb sei es besonders wichtig, die unterzuckerte Personen auf eine positive Art auf die heikle Situation hinzuweisen, damit sie sich auch entsprechend verhalten. Also: Anhalten und den Blutzucker überprüfen.

Erst einmal gilt es jetzt für die Forschenden zu definieren, welche Daten auf eine Unterzuckerung hinweisen. Nächstes Jahr wird dann die Zuverlässigkeit des Systems getestet – in der Hoffnung, dass das Warnsystem zukünftig in die Autos eingebaut wird. So, wie es Abstandsmesser und Co. heute schon sind.

Puls, 29.11.2021, 21:05 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Super Idee! Bravo. Das ist mindestens so praktisch und weiter zu verfolgen ,wie die heute bereits teilweise serienmässig verbaute sogenannten "Müdigkeitswarner" die auch aufgrund diverser Parametern messe , ob sich beim Fahrer die Gefahr eines "Sekundenschlafs" aufbaut.