Evakuationen, Stromausfälle, ein entgleister Zug. Gesperrte Strassen und unzugängliche Täler – solche Situationen kommen nur selten vor. Schnell ist man versucht zu denken: «So heftige Niederschläge, da spielt bestimmt der Klimawandel mit.» Werden solche Szenarien in Zukunft immer häufiger?
Dieser Winter ist eigentlich sehr untypisch für einen Winter im Klimawandel.
Je nach Region kommt es alle fünf bis 15 Jahre zu solchen Situationen. Manchmal vielleicht sogar in zwei aufeinanderfolgenden Wintern, und dann länger nicht mehr. Es gibt also keine Regelmässigkeit - und ein Trend bezüglich Häufigkeit ist auch nicht auszumachen. Die Situation hat nicht mit dem Klimawandel per se zu tun. Im Gegenteil, sagt Christoph Marty vom Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF: «Dieser Winter ist eigentlich sehr untypisch für einen Winter im Klimawandel.»
Kein typischer «Klimawandelwinter»
Durch den Klimawandel werden die Winter wärmer und nässer. Doch während man im Sommer eine klare Zunahme von Starkniederschlägen feststellen konnte, sieht man das im Winter so nicht. «Auch wenn die Schneefälle jetzt extrem sind, sie sind das in Bezug auf den Normbereich. Und sie sind im Rahmen von dem, was man über Jahre beobachtet hat», so Marty.
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Bild 1 von 3. Die negativen Seiten des vielen Schnees: Zwischen Goppenstein und Hohtenn entgleiste am 16. Februar 2026 ein Personenzug der BLS. Vor der Durchfahrt des Zugs hatte vermutlich eine Lawine die Gleise überquert. Mindestens fünf Personen wurden verletzt. Bildquelle: Keystone.
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Bild 2 von 3. Der gesamte Verkehr ist vom Schneefall beeinflusst. «Auf sehr exponierten und schwierigen Strecken werden in der Regel einige wenige Fahrerinnen und Fahrer mit langjähriger Erfahrung eingesetzt», sagt die Mediensprecherin von Postauto Schweiz. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller/Archiv.
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Bild 3 von 3. Andererseits freuen sich Skifahrerinnen und Snowboarder über mehr Schnee als hier auf diesem Bild aus dem Skigebiet Arosa-Lenzerheide. aus dem Jahr 2015. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
Einen besonders warmen und nassen Winter gab es zum Beispiel 2023/2024. Der Winter dieses Jahr sieht ganz anders aus. Nachdem Ende November viel Schnee gefallen war, folgten mehrere Wochen mit oftmals hochdruckdominiertem Wetter. Es gab viele, lange trockene Phasen. Die Trockenheit sei genau das Gegenteil von einem typischen Klimawandel-Winter, sagt der Klimatologe Christoph Marty. Und sie sei ein wichtiger Grund für die aktuell grosse Lawinengefahr.
Schwache Altschneedecke
Viel Schnee und Wind in den Bergen, das alleine führt bereits zu einem Anstieg der Lawinengefahr. Erschwerend kommt in diesem Jahr aber auch noch die Altschneedecke hinzu. Sie ist schwach, wegen der geringen Niederschläge und längeren Schönwetterperioden. Der Neuschnee kann sich nur schlecht mit dem Untergrund verbinden. Der viele Schnee ist auf ein schwaches Fundament gefallen – und damit steigt das Lawinenrisiko.
Ob deshalb ein Lawinenwinter drohe, wie zum Beispiel im Jahr 1999, könne man nicht sagen. Der Vergleich hinke, sagt Christoph Marty. Es gab 1999 durchaus ähnliche Schneemassen wie in den letzten Tagen. «Aber 1999 hat es praktisch nicht aufgehört zu schneien. Es hat mehrere solcher Phasen gegeben. Das kann man nicht vergleichen.»
Insgesamt lag damals viel mehr Schnee. Wieviel Schnee uns dieser Winter noch bringt, wird sich zeigen.