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Faktencheck Überleben im Pferdekadaver: Survival-Hack oder Hirngespinst?

Im Film «The Revenant» gerät Leonardo DiCaprio als Überlebenskünstler wider Willen in einen Schneesturm. Notgedrungen verbringt er eine Nacht bei minus 20 Grad in einem Pferdekadaver – und überlebt. Das meint die Medizin zum Hollywood-Szenario.

1823, irgendwo im nordamerikanischen Grenzgebiet im tiefen Winter: Ein Schneesturm rückt näher, die eisige Kälte raubt dem ohnehin schon gebeutelten Filmhelden die letzte Kraft. Auf der Flucht stirbt dann auch noch sein Pferd.

Er ist allein in der menschenfeindlichen Wildnis und trifft eine überlebenswichtige Entscheidung: Er schneidet den Bauch seines toten Tierkameraden auf, entfernt die inneren Organe und legt sich – nackt – in den warmen Kadaver, um die bitterkalte Nacht zu überleben.

Momente wie diesen machten «The Revenant» zu einem bildstarken Hollywoodspektakel und brachten Leonardo DiCaprio 2016 seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller ein.

Eine ikonische Szene – doch ist sie auch realistisch? Könnte ein Mensch so wirklich überleben?

Von Unterkühlung bis zum Kältetod

Bis ein gesunder Mensch mit seinen durchschnittlich 37 Grad Celsius Kerntemperatur den Kältetod erleidet, ist es ein schleichender Prozess:

  • Bei 36 °C setzen die ersten Überlebensmechanismen ein: Der Körper versucht durch gesteigerten Stoffwechsel und körperliche Betätigung die Temperatur hochzuhalten. Die Muskeln fangen an zu zittern, um Wärme zu produzieren. Zudem wird der Blutfluss zu den äusseren Körperteilen reduziert – speziell zu Fingern und Zehen. Dadurch wird das Überleben der lebenswichtigen Organe im Körperinneren sichergestellt.
  • Fällt die Körpertemperatur unter 35 °C, spricht man von einer Unterkühlung.
  • Bei etwa 30 bis 32 °C fahren die Körperfunktionen herunter. Das Zittern hört auf, der Herzschlag verlangsamt sich, Verwirrtheit und unkoordinierte Bewegungen folgen.
  • Sinkt die Kerntemperatur weiter, werden Betroffene meist bewusstlos. Unter 27 °C kann es zum Tod durch Herzprobleme kommen.

Wie viel Schutz bietet ein auskühlender Kadaver?

Der Überlebensinstinkt unseres Filmhelden führt ihn zur einzig möglichen Wärmequelle: seinem toten Pferd. Doch wie viel Wärme kann ein totes Pferd überhaupt noch spenden, vor allem, wenn ihm zuvor die Organe entnommen wurden und kalte Luft in die Bauchhöhle eindringen kann?

Déjà-vu für «Star Wars»-Fans

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Mann sitzt auf futuristischem Reittier
Legende: Luke Skywalker unterwegs auf dem eisigen Planeten Hoth. Er wird den Ausflug überleben – sein Reittier nicht. imago images / Everett Collection

«The Revenant» ist nicht der erste Film, in dem das Innere eines toten Tiers den Helden vor dem Kältetod bewahrt.

«Star Wars»-Fans etwa ist ein ähnliches Szenario aus «Episode V – The Empire Strikes Back» von 1980 unvergessen: Luke Skywalker ist auf dem eisigen Planeten Hoth auf Patrouille und wird von einem Wampa angegriffen – entkräftet steht er kurz vor dem Erfrierungstod. Gerade noch rechtzeitig erscheint Han Solo auf seinem Reittier, einem sogenannten Tauntaun. Als dieses der Kälte zum Opfer fällt, schneidet Han den Bauch des Tieres mit einem Lichtschwert auf, um Luke darin Schutz vor der klirrenden Kälte zu bieten.

«Eine gewisse Restwärme des Kadavers ist sicher noch vorhanden, wird jedoch unter diesen Bedingungen innerhalb weniger Stunden verloren gehen», erklärt Sebastian Eggert, Oberarzt und Facharzt für Rechtsmedizin an der Universität Zürich.

Unter den dargestellten Bedingungen bei -20 °C könnte schon innerhalb weniger Stunden der Tod durch Unterkühlung eintreten.
Autor: Sebastian Eggert Rechtsmediziner

Zudem biete die Körperhöhle Schutz vor dem eisigen Wind, der speziell bei einer Person mit nasser Kleidung oder ganz ohne Kleidung zu einer raschen Auskühlung führen würde. Ob dieser Schutz aber für eine ganze Nacht in extremer Kälte ausreichen würde, erscheint dem Rechtsmediziner jedoch zweifelhaft. «Unter den dargestellten Bedingungen bei -20 °C könnte schon innerhalb weniger Stunden der Tod durch Unterkühlung eintreten.»

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht also nicht viel für das Funktionieren des kreativen Hollywood-Szenarios. Leonardo DiCaprio wäre nach so einer Nacht wohl nicht zur Oscarverleihung erschienen.

SRF 1, Meteo, 11.01.2026, 19:50 Uhr

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