In Thun findet derzeit einer der grössten Ausdaueranlässe der Schweiz statt: der Ironman Switzerland. Rund 2300 Athletinnen und Athleten kämpfen dabei über 3.8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen ganzen Marathon um jede Minute.
Passend dazu gibt es neue Erkenntnisse der Universität Zürich zum Laufen auf der Langdistanz, die sie jetzt in der Fachzeitschrift «Scientific reports» publiziert haben.
Plötzlich «gegen eine Wand» laufen
Demnach sind Männer beim Marathon deutlich häufiger von einem Leistungseinbruch betroffen als Frauen. Das zeigt die neue Zürcher Studie mit Daten von mehr als 870'000 Marathonläufen in Berlin im Zeitraum von 1999 bis 2025.
Wenn Läuferinnen und Läufer plötzlich stark langsamer werden und an ihre Grenzen stossen, sprechen die Forschenden um den Hausarztmediziner Beat Knechtle von der Universität Zürich vom sogenannten Phänomen «Hit the Wall».
Als Leistungseinbruch galt in der Studie ein Tempoverlust von mindestens 20 Prozent in der zweiten Rennhälfte. Zwar waren Männer im Durchschnitt schneller unterwegs und kamen nach gut vier Stunden ins Ziel. Frauen benötigten im Schnitt dagegen viereinhalb Stunden.
Trotzdem traf der Leistungseinbruch Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen. Bei besonders schnellen Männern mit einer Zielzeit unter drei Stunden war das Risiko sogar sechsmal höher als bei der Gruppe der besonders schnellen Frauen.
Gemäss der Studie laufen Frauen ihr Rennen meist deutlich gleichmässiger. Mehr als die Hälfte von ihnen hielt das Tempo sogar ohne einen klaren Einbruch durch. Bei den Männern gelang das nur gut einem Drittel.
Der an der Studie beteiligte Direktor des Instituts für Hausarztmedizin, Thomas Rosemann, betont, dass verschiedene psychologische sowie auch physiologische Faktoren für den beobachteten Effekt verantwortlich sein könnten.
So hätten Frauen im Gegensatz zu Männern generell mehr von einer bestimmten Muskelfaserart, die für Ausdauer anstatt für Sprint zuständig ist. Des Weiteren könnten ihre Glykogenspeicher in den Muskeln und der Leber sie während des Rennens effizienter mit Energie versorgen als diejenigen bei den Männern.
Bei intensiver Belastung werden diese Energievorräte normalerweise relativ schnell aufgebraucht, sodass danach vor allem Fettsäuren für die Energiegewinnung verbrannt werden müssen.
Die Evolution spielt auch mit
«Möglich ist aber auch», so Rosemann, «dass Männer beim Marathon oft viel zu schnell losstürmen und ihre Kräfte überschätzen.» Dies habe unter anderem auch mit dem höheren Testosteronspiegel als bei Frauen zu tun.
Aus Sicht der Evolution mache der Unterschied zwischen den Geschlechtern aber durchaus Sinn: Denn in der Steinzeit hätten Männer als Jäger vermutlich oft schnell noch einen Sprint hinlegen müssen, während für Frauen damals Ausdauer wohl wichtiger als Hochgeschwindigkeit gewesen sei.