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Chip im Hirn – Hoffnung für Gelähmte
Aus Einstein vom 03.12.2020.
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Porträt eines Kämpfers Der erste querschnittsgelähmte Sportlehrer der Schweiz

David Mzee verunfallte bei seiner Ausbildung zum Sportlehrer. Zehn Jahr später kann er wieder laufen – dank einem Chip in seinem Körper.

Es sind 3 Treppen, 27 Stufen. David möchte da hoch, um Käsespätzli zu essen. Er steigt aus seinem Rollstuhl, stützt sich auf die Schulter seines Freundes und kämpft sich hoch.

Die Beine zittern, Schweiss treibt auf seine Stirn, David kneift die Augen zu. «Auf einer Skala von 1 bis 10, wie streng ist es?» – «11!», seine Antwort.

Verhängnisvoller Salto

Es passierte im November 2010, bei seiner Ausbildung zum Sportlehrer. Einen dreifachen Salto wollte er springen – und lag Sekunden später regungslos in der Schnitzelgrube der Sportanlage. «Ich spürte meinen Körper nicht mehr.»

Er versuchte, eine Atemtechnik anzuwenden, die er im Kampfkunsttraining gelernt hatte. «Ich hatte Angst, da drin zu sterben.»

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Die Geschichte von David Mzee: Neue Hoffnung für Gelähmte
Aus Puls vom 05.11.2018.
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Einen Monat später fährt er im Rollstuhl erstmals durch die Halle des Hauptbahnhofs Zürich. Es ist Weihnachtsmarkt. Die vielen heiteren Leute, die ihn alle zu erdrücken scheinen, gehen nicht aus dem Weg, ziehen ihn runter.

«Heute hingegen fühle ich mich wohl in Menschenmengen, ich gehe gerne in Clubs und feiere. Das hat mit mir zu tun. Ich habe eine andere Präsenz und die Leute machen mir Platz.»

Eine bestechende Eigenschaft von David Mzee ist sein Humor. Dieser ist allgegenwärtig und ansteckend. «Die einzige Frage, die man mir nicht stellen darf, ist ‹Hey, wie läufts?›», sagt David und lacht herzlich. «Der Unfall hat mich auch bereichert – immerhin kann ich jetzt Witze über meine Behinderung machen.»

Kein Wunder, sondern Wissenschaft

Vor vier Jahren, mitten in der Nacht, konnte er zum ersten Mal seit dem Unfall seine Zehen wieder bewegen. So viel Glück spürte er, dass er kein Auge mehr zutat.

Das war nur möglich, weil er zuvor wissenschaftliche Pionierarbeit leistete. Für ein Projekt des Forscherteams von Gregoire Courtine der EPFL liess er sich einen Chip in seine Wirbelsäule implantieren. Dieser stimuliert seine Beine elektrisch.

Zuvor führten Forscher den Versuch erfolgreich an Ratten und Affen durch. Danach war David einer von drei Menschen, die sich als Testpersonen zur Verfügung gestellt hatten. Mit einem medizinischen Meilenstein als Folge: Bald konnte er die ersten drei Schritte laufen, unterstützt von der Stimulation.

Grenzenloser Optimist

Heute trainiert David fast täglich auf seinem Laufband, um noch mehr Schritte und noch mehr Fortschritt zu machen. Dazu dröhnen stets laute Bässe und Lyrics von P.Diddy: «We ain’t going nowhere, we can’t be stopped now!»

Legende: «Einstein»-Moderatorin Kathrin Hönegger ist beeindruckt von David Mzees Willensstärke. Kathrin Hönegger

Der 32-Jährige spielt zudem in der Wheelchair-Rugby-Nationalmannschaft und ist heute der erste querschnittgelähmte Sportlehrer der Schweiz.

Schon immer war er derjenige mit der unendlichen Energie, weshalb man ihn in der Schule auch «Duracell-Hase» nannte. Was bewahrt ihn vor dem Verzweifeln? «Ganz einfach. Ich sehe, was ich kann und nicht das, was ich nicht mehr kann.»

Sendung: SRF 1, Einstein, 03.12.2020, 21.05 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Walt  (stwalt)
    Ich bin seit 36 Jahren querschnittgelähmt und führe ein gutes Leben mit Rollstuhl. Durch verschiedene Aussagen in der Sendung wird uns ein solches Leben abgesprochen. Bereits der Titel: "Hoffnung für Gelähmte" suggeriert, dass ein Leben mit einer Lähmung ein hoffnungsloses sei.
    David gehört Respekt, aber den Aufwand den er für ein bisschen laufen - kann man da bereits von laufen sprechen - betreibt, ist immens.
    Wäre es da nicht sinnvoller, mehr in eine barrierefreie Umwelt zu investieren?
    1. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Warum dieser wichtige Forschung und Aufwand, und wichtige Barrierefreiheit Umwelt, gegeneinander ausspielen?
    2. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Danke für dieser wichtige Korrektur, die zum Beispiel mir als nicht Rollstuhlfahrer, nicht aufgefallen wäre.
  • Kommentar von Fr Ru  (Frru)
    Ich bin selbst betroffen und querschnittsgelähmt.!
    Ich mache aber ein Vorwurf an SRF .!Weil es so nicht ganz korrekt geschrieben würde , und man gibt den Eindruck das wir geheilt werden können.! Dies ist aber nichts so! Den ersten Handel sich hier um eine inkompletter QS! Und die Therapie und das Chip ist nicht an heutiger Zeitpunkt möglich für komplette QS Patienten !Ich wies es Weil es auch an mir abgeklärt worden ist ob es möglich ist Und es ist bei mir sowie viele andere QS nicht möglich..
  • Kommentar von Thomas Arnold  (Wheelchair Nöldi)
    Vorbild für alle Paras und Tetras...Top! Weiter so David