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Realistischer Stunt? Hollywood-Action unter der Lupe: Der LKW-Flip von Batman

Im Batman-Film «The Dark Knight» überschlägt sich ein LKW spektakulär über die Vorderachse. Doch wie realistisch ist dieser Stunt wirklich? Ein Unfallmechaniker ordnet ein.

Gotham City, die fiktive Heimatstadt von Batman, versinkt im Chaos. Der Joker terrorisiert die Bevölkerung mit immer neuen Anschlägen – aus purem Vergnügen an der Zerstörung. Seine zynische Mission: zu beweisen, dass jeder Mensch zu unmoralischem Handeln fähig ist, wenn der Druck nur hoch genug ist.

Sein nächstes Ziel ist Staatsanwalt Harvey Dent, das Symbol für Recht und Ordnung in Gotham. Die Polizei versucht, Dent in einem gepanzerten Transporter in Sicherheit zu bringen. Der Joker verfolgt den Konvoi in einem massiven Sattelschlepper – eine rasante Jagd durch die nächtlichen Strassen. Batman greift ein, um das Schlimmste zu verhindern.

LKW im Überschlag

Was folgt, ist eine der unvergesslichsten Actionszenen der jüngeren Filmgeschichte: Batman befestigt ein Stahlseil an der Front des auf ihn zurasenden Sattelschleppers, weicht diesem im letzten Moment aus und verankert das Stahlseil dahinter im Strassenbelag.

Das Seil spannt sich – innerhalb von Sekundenbruchteilen kommt das tonnenschwere Fahrzeug zum Stillstand. Die Hinterräder schnellen in die Luft, der LKW überschlägt sich sauber über die Vorderachse und kracht auf die Strasse. Doch könnte ein solcher Überschlag in der Realität tatsächlich passieren?

Quelle: Warner Bros. Pictures, The Dark Knight, Christopher Nolan

«Auf keinen Fall würde sich der LKW so überschlagen», sagt der promovierte Techniker Markus H. Muser, Geschäftsleiter der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik Zürich. Um ein solches Manöver realistisch nachzustellen, müsste das Stahlseil möglichst weit vorne und möglichst tief am Fahrzeug befestigt werden – wofür in der Praxis fast nur die Vorderachse in Frage kommt. «In der Realität würde vermutlich das Seil reissen, die Bodenverankerung ausbrechen oder die Vorderachse des LKWs herausgerissen werden», erklärt der Unfallexperte.

In diesen Szenarien könne sich der Auflieger zwar anheben, ergänzt Muser. Da das Zugfahrzeug, also der vordere Teil des LKWs, und der Auflieger über ein Gelenk verbunden sind, würde sich nur der vordere Teil des Aufliegers heben – abhängig von der Ladung. Die hinteren Räder würden wohl am Boden bleiben.

Vom Stunt auf die Leinwand – ganz ohne CGI

Bleibt die Frage: Wie wurde die Szene tatsächlich gedreht? Handelte es sich um digitale Effekte oder um einen realen Stunt?

Nächtliche Stadtstrasse mit beleuchteten Laternen.
Legende: Der Sattelschlepper steht inmitten des Überschlags senkrecht in der Luft. Warner Brothers

Das Erstaunliche: Der LKW hat sich tatsächlich überschlagen – ganz ohne computergenerierte Bilder. Regisseur Christopher Nolan bestand auf einer praktischen Umsetzung. Im hinteren Teil des LKWs wurde ein Kolben verbaut, der durch eine kontrollierte Explosion ausgelöst wurde. Bei voller Fahrt erzeugte er einen massiven Impuls von unten und brachte so das Fahrzeug zum Überschlag. Muser ergänzt: «Vermutlich musste man auch das Gelenk zwischen Zugfahrzeug und Anhänger versteifen.»

Gedreht wurde im Bankenviertel von Chicago. Um die darunterliegenden Tresorräume nicht zu beschädigen, musste die Explosion exakt an der richtigen Stelle der Strasse ausgelöst werden. Den Zünder betätigte der Stuntfahrer selbst. Der Kolben wurde im Nachhinein digital aus den Aufnahmen entfernt – nur der charakteristische Rauch der Explosion ist noch zu sehen.

Nicht nur das Kinopublikum, sondern auch Markus Muser hat diese Szene beeindruckt: «Phänomenale Technik», kommentiert er. Der LKW-Flip bleibt ein Meisterstück praktischer Filmeffekte – auch wenn an einigen Stellen nachgeholfen wurde.

SRF 1, Sternstunde Philosophie, 1.2.2026, 11:00 Uhr

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