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Schwere psychische Belastung Wenn Erektion ausbleibt: Immer mehr junge Männer betroffen

Immer mehr junge Betroffene leiden unter Erektionsstörungen – und unter dem Verlust ihres Selbstwertgefühls. Fachleute warnen: Die psychischen Folgen können gravierend sein.

Erektionsstörungen sind auch unter jungen Männern verbreitet, wie die Studienlage zeigt. Was medizinisch behandelbar wäre, bleibt für viele ein schambesetztes Thema. Wer betroffen ist, erlebt oft einen massiven Einbruch des Selbstwertgefühls und eine starke psychische Belastung.

Erektionsprobleme: Ein Betroffener erzählt (mit dt. Untertiteln)

«Es ist wie ein Trauma. Man hat einmal eine sexuelle Funktionsstörung, dann dreimal, zwanzigmal, fünfzigmal. Irgendwann schafft man keinen Geschlechtsverkehr mehr. Und dann sitzt es im Kopf», berichtete ein junger Mann in den Dreissigern, der von erektiler Dysfunktion betroffen ist, anonym gegenüber RTS.

Was ist eine Erektionsstörung?

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Von einer Erektionsstörung spricht man, wenn ein Mann trotz sexueller Erregung keine Erektion bekommen kann oder wenn diese nicht stark genug ist, um Geschlechtsverkehr auszuüben.

Bei wiederholten oder anhaltenden Erektionsstörungen ist die erste Anlaufstelle in der Schweiz in der Regel die Hausarztpraxis. Diese überweist bei Bedarf an einen Urologen.

Das Tabu rund um diese Störung zu brechen, sei besonders schwierig, vor allem in Paarbeziehungen. «Meine Partnerin könnte sich fragen: Ist es meine Schuld, liegt es an ihm? Allein schon darüber zu sprechen, ist sehr kompliziert», fügt der junge Mann hinzu.

«Ich musste ein Mann sein»

Erektile Dysfunktion schwächt das Selbstwertgefühl. Sie betrifft die Identität und verändert die Wahrnehmung der Betroffenen in Bezug auf ihre Männlichkeit oder Potenz.

Patient im Behandlungsraum mit Arzt in weissem Kittel.
Legende: Erektionsstörungen sind behandelbar – doch dafür müssen Betroffene den ersten Schritt wagen und den Arzt aufsuchen. Getty Images/B. Boissonnet

«Der Stress ist ständig präsent. Was mich interessierte, war nicht mehr Geld, Familie oder Freunde. Ich musste meine Potenz zurückgewinnen, ich musste ein Mann sein. Das war zu meiner Hauptaufgabe geworden», so der Betroffene.

Der auf Erektionsstörungen spezialisierte Chirurg Eric Allaire betont, wie ernst dieser Stress ist. Er kann zu Suizidgedanken führen. «Die 500 Patienten, die ich wegen dieses Problems behandelt habe, habe ich systematisch gefragt: Hatten Sie wegen dieses Erektionsproblems Selbstmordgedanken? Und jeder Fünfte hat mit Ja geantwortet.»

Psychologische und mechanische Auswirkungen

Sobald die Störung erkannt ist, beginnt oft ein Hindernislauf. Viele Männer kämpfen zunächst mit Scham und Verzweiflung, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Hinzu kommt, dass Verschreibungen manchmal nicht wirken.

Trotzdem seien Konsultationen entscheidend, um eine Behandlung einzuleiten. Laut Allaire müssen sowohl der psychologische als auch der mechanische Aspekt berücksichtigt werden.

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«Statistisch gesehen lässt sich erektile Dysfunktion durch venöse Leckagen erklären, eine Erkrankung, bei der nicht genügend Blut im Penis verbleibt, um eine feste Erektion zu erreichen.» In solchen Fällen könne eine Operation notwendig sein.

Störungen bei jungen Menschen

Immer häufiger sind auch junge Männer betroffen. Lorenzo Soldati, stellvertretender Leiter der Abteilung für Sexualmedizin und Sexologie am Universitätsspital Genf (HUG), verweist auf Studien, die schätzen, dass bis zu 35 Prozent der jungen Männer Erektionsstörungen haben könnten. Dies zeigt auch eine Untersuchung der Tulane University School of Medicine.

«Dies lässt sich insbesondere durch die Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei jungen Menschen erklären. Eine weitere Erklärung ist die Zunahme von Fettleibigkeit, die das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck erhöht, was sich negativ auf die Sexualität auswirkt», erläutert er. Gemäss dem Universitätsspital Genf wagt weniger als jeder Zweite, einen Arzt aufzusuchen.

RSI 19h30, 24.01.2026, 19:30 Uhr;liea

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