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Tipps aus der Hirnforschung So lernt das Gehirn wirklich – vier wichtige Erkenntnisse

Wie speichert unser Gehirn Wissen wirklich am besten? Vier entscheidende Punkte, die erklären, warum Pausen, Fokus, Stress und sogar der Ort über den Lernerfolg entscheiden:

1. Kurzfristig Lernen?

Wer kennt es nicht aus der Schulzeit: Am Vorabend hinsetzen, alles ins Kurzzeitgedächtnis prügeln und dann ab an die Prüfung. «Das ist die schlechteste Art zu lernen», sagt der Neurowissenschaftler Christian Ruff von der Universität Zürich. Denn so nehme das Gehirn die Informationen nur schlecht auf und speichere sie auch schlechter. Schuld daran sind nicht zuletzt auch Druck und Stress bei solchen Lernaktionen. Und die sind Gift für unser Gehirn. Wenn wir gestresst sind, steigt das Stresshormon Cortisol an. Das wiederum hemmt den Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis. Daher möglichst entspannt lernen – und fokussiert. Das Stichwort für Punkt zwei.

Zur Person

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Mann im Anzug lächelt leicht in Kamera.
Legende: Universität Zürich

Christian Ruff ist Professor an der Universität Zürich und Leiter des universitären Forschungsschwerpunkts «Plastische Hirnnetzwerke für Entwicklung und Lernen». Ziel dieses Schwerpunkts ist es, die Gehirnentwicklung besser zu verstehen, um die Unterstützung von Menschen mit Entwicklungs- oder Lernstörungen gezielt zu verbessern.

2. Volle Aufmerksamkeit während «Lernsprints»

Lernen braucht volle Aufmerksamkeit. Alles andere hemmt den Lernprozess. «Wenn man ständig an etwas anderes denkt oder immer wieder ans Handy geht, dann kann das Hirn die Aktivitätsmuster, die fürs Speichern nötig sind, nicht gut genug ausbilden», sagt Ruff. Je konzentrierter wir deshalb einen Stoff lernen, desto einfacher fällt es dem Gehirn, diesen abzuspeichern. Aber: Wir können uns nicht allzu lang konzentrieren. Deshalb: Statt eines mehrstündigen Lernmarathons lieber mehrere kürzere Lernsprints. Denn je öfter das Gehirn eine Information vorgesetzt bekommt, desto besser kann es sie speichern.

3. Die Magie der Pausen

Der eigentliche Zauber passiert nicht während des Lernens. «Lernen wir etwas Neues, werden Nervenzellen zur Zusammenarbeit gezwungen, die sonst in dieser Art nicht zusammenarbeiten. Das ist anstrengend für das Gehirn», erklärt Christian Ruff. Deshalb bilde es neue Verbindungen. Das passiert vor allem nach dem Lernen. Entsprechend braucht das Gehirn genug Pausen. Wie beim Sport: Die Muskeln wachsen ebenfalls nicht während, sondern erst nach einer intensiven Einheit. Und diese Lerneinheiten sollten nie alle am selben Ort stattfinden. Warum nicht? Punkt vier gibt die Antwort.

Illustration von zwei menschlichen Köpfen mit sichtbarem Gehirn.
Legende: Der Lernprozess findet vor allem im Hippocampus statt, der für das Gedächtnis und das Lernen zuständig ist. Imago Images/Depositphotos

4. Lernkiller Kinderzimmer-Pult

Experimente haben gezeigt: Wenn Leute Wortlisten unter Wasser gelernt haben, konnten sie die Wörter besser abrufen, wenn sie sich wieder unter Wasser befanden, als wenn sie ausserhalb des Wassers waren. Was hat das jetzt mit dem Kinderzimmer-Pult zu tun? «Wenn man Dinge wirklich gut lernen möchte, sollte man dies an verschiedenen Orten tun. Denn wenn ein Kind nur am Pult in seinem Zimmer lernt und sie nur dort auch abfragt, kann es die Information später im Klassenzimmer vielleicht nicht mehr so gut abrufen», rät Christian Ruff. Grund für diesen Umstand: Unser Gehirn verknüpft Informationen mit dem Kontext, in dem diese gelernt und immer wieder abgerufen werden. Wer also flexibel auf das Erlernte zurückgreifen möchte, sollte dies schon beim Lernen beachten.

SRF 1, Einstein, 21.5.2026, 21:05 Uhr

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