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Vulva, Vagina, Klitoris Weibliche Lust: Vier hartnäckige Mythen im Check

Die weibliche Lust gilt noch immer als Mysterium. Längst nicht alle wissen, wie die weiblichen Geschlechtsteile heissen - geschweige denn, wie sie aussehen. Zeit für ein wenig Aufklärung.

Mythos 1: Frauen haben weniger Lust – oder ihre Lust ist einfach komplizierter

Die weibliche Lust gilt als rätselhaft und launisch. Doch Frauen haben genauso Lust wie Männer. Sie passt jedoch oft nicht zu dem, was ihnen angeboten wird. Gynäkologin Mandy Mangler erklärt: «Wenn man Sexualität so versteht, dass immerzu der Penis in die Vagina gesteckt wird, also Penetration, Ejakulation, dann ist es keine erfüllende Sexualität - zumindest für weibliche Menschen nicht.» Das führt dazu, dass Frauen öfters leer ausgehen als Männer. Mangler führt aus: «Studien haben gezeigt, dass bei einem One Night Stand die Orgasmusrate des Mannes ungefähr bei 60 Prozent liegt und die Orgasmusrate der Frau bei 10 Prozent. Und jetzt kann man sich fragen, lohnt sich das, für 10 Prozent? Wenn man eine feste heterosexuelle Paarbeziehung hat, dann ist die Orgasmusrate etwas höher». Bei Masturbation oder in lesbischen Beziehungen ist die Orgasmusrate sogar noch deutlich höher – an der Lust kann es also nicht liegen. 

Mythos 2: Vulva, Vagina, Klitoris: alles das Gleiche 

Die Vulva bezeichnet die äusseren Geschlechtsteile der Frau. Die Vagina hingegen bezeichnet den Schlauch ins Innere zur Gebärmutter. Die Klitoris ist anatomisch gesehen das Pendant zum Penis. Von aussen sichtbar ist nur die Eichel, ihr grösster Teil liegt im Inneren des Körpers und ihre Nervenenden ragen bis in das Innere des Beckenbodens und Oberschenkel. So wie beim Penis hat die Klitoris zwei Schwellkörper, welche Harnröhre und Vagina wie ein Hufeisen umklammern. Bei einer Erektion füllen sich diese mit Blut und die Klitoris wird grösser.  

Mythos 3: Für den weiblichen Orgasmus ist vor allem die Penisgrösse entscheidend 

Weitverbreitet ist auch der Mythos, ein grösserer Penis würde zu erfüllterem Sex führen. Doch dem ist nicht so, sagt Gynäkologin Mandy Mangler: «[...] ein grosser Penis führt dazu, dass der Abstand zwischen Penis und Vulva noch grösser wird und noch weniger die Klitoris stimuliert wird. Deswegen ist ein grosser Penis für viele Frauen nicht hilfreich für einen Orgasmus.» 

Wie kamen wir zu solchen Mythen?

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Sehr lange war die weibliche Lust in Wissenschaft und Gesellschaft Tabuthema. Frauen hatten nur für Nachwuchs zu sorgen. Ob sie dabei auch befriedigt wurden, schien lange nebensächlich.

Im 19 Jahrhundert stellte der Sexologe William Acton sogar die Theorie auf, Frauen hätten generell gar kein sexuelles Verlangen, und fügten sich dem Mann nur, um ihren Mutterwunsch zu erfüllen.

Hysterie und Epilepsie wurden mit der Klitoris in Verbindung gebracht und als Therapiemassnahme wurde sie vorsorglich abgeschnitten.

Auch Sigmund Freud, Vater der Psychoanalytik, beschäftigte sich mit der Lust der Frau und ihren Geschlechtsorganen. Für ihn war klar, ein echter Orgasmus wäre nur vaginal möglich, und dafür braucht es ganz klar einen Penis. Die Klitoris schien auch für ihn nebensächlich, ein klitoraler Orgasmus sogar kindlich.

Mythos 4: Man muss nur den G-Punkt finden, dann klappt es immer. 

Dem mysteriösen G-Punkt wird nachgesagt, er würde magischerweise die Lust ankurbeln. Was es mit ihm auf sich hat, weiss Celeste Bittoni, Neurowissenschaftlerin: «Im weiblichen Körper gibt es keinen Punkt, den man einfach immer wieder drücken kann, um einen Orgasmus auszulösen. Es gibt eine hohe Konzentration erogener Zonen in dem Bereich. Man muss den richtigen Druck und diese Zonen finden, nicht den einen Punkt.»  Allerdings sind nicht alle Frauen dort gleich sensibel. Wer einen klaren Punkt sucht, übersieht dabei das Gegenüber.  

Tipps für mehr weibliche Lust

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Sexologin und Psychotherapeutin Dania Schiftan ist überzeugt, dass sich ein lustvoller Umgang mit sich selbst erlernen lässt.

«Je mehr ich weiss, wie ich in eine Erregung reinkommen kann, desto mehr habe ich das einfach für mich ständig zur Verfügung, bin auch auf andere Menschen nicht angewiesen.» 

Für sie ist klar, wer bewusster bei sich ist, kann sich auch mehr auf ein lustvolles Miteinander einlassen. Und weiter: «Es darf auch ganz viel einfach schiefgehen, sich komisch anfühlen, experimentell anfühlen.»

Dadurch entsteht mehr Raum für Verspieltheit und Fehler, was wiederum für mehr Nähe und Vertrauen sorgt, und hoffentlich auch zu mehr Lust bei allen Beteiligten.

SRF 1, Puls, 9.2.2026, 21:05 Uhr

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