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Mensch Warum fluchen wir?

Stress, Wut, Angst – wann immer uns ein negatives Gefühl übermannt, fluchen wir. Das baut emotionalen Druck ab und hat einen unmittelbaren Einfluss auf unser Wohlbefinden. Dabei ist Fluchen nicht so steuerbar wie man meint.

Fluchender Mann
Legende: Eine Reaktion auf Wut oder Stress: Fluchen ist nicht Teil unserer normalen Sprache, sondern ein natürlicher Weg, mit emotionalem Druck umzugehen. Imago

Alle Menschen fluchen – und das ein Leben lang. Laut einer US-Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster fluchen wir im Alter nicht etwa mehr oder weniger oft als Kinder. Was sich aber verändert, ist unsere Wahl der Schimpfwörter.

Im Schnitt sind 0,3 bis 0,7 Prozent der Wörter, die wir täglich benutzen, Fluchwörter. Zum Vergleich: Personalpronomen wie Ich oder Wir machen etwa 1,0 Prozent unserer Sprache aus.

Doch im Gegensatz zu unserer restlichen Sprache können wir Schimpfwörter nicht so richtig kontrollieren. Denn das Fluchen ist nicht im Sprechareal des Gehirns, dem Broca-Zentrum, angesiedelt, sondern im sogenannten limbischen System: Das ist der Teil des Gehirns, der unsere Gefühle verarbeitet. Auch andere emotionale Reaktionen werden von hier aus gesteuert – wenn wir etwa vor Schmerz aufschreien oder aus Lust oder Verzweiflung stöhnen.

Wer flucht, entscheidet also nicht bewusst, sondern reagiert auf einen Impuls. Und baut damit Wut oder emotionalen Stress ab.

Dass wir regelmässig Schimpfwörter benutzen, ist daher leider – oder glücklicherweise – völlig normal.

Fluchen gegen den Schmerz

Eine britische Studie hat gezeigt, dass Fluchen auch körperliche Schmerzen lindern kann. Probanden, die eine Hand in Eiswasser hielten, konnten den Schmerz länger ertragen, wenn sie dabei «Scheisse» sagten – das Wort «Schiessen» zu rufen, hatte hingegen keinen Effekt.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Eduard Biner, Zermatt
    Ein verflucht interessanter Beitrag!
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  • Kommentar von Max Blatter, 5620 Bremgarten
    Man kann auch kreativ fluchen, indem man statt der "klassischen" Fluchwörter neue erfindet: "Heilige Nusstorte" oder "du Tintenfisch" gehören etwa zu meinem Repertoire. Hat den Vorteil, dass sich der Adressat solcher Flüche nicht gleich beleidigt fühlen muss, wenn er den Ausbruch mal mitbekommt...
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  • Kommentar von Franz Huber, Bülach
    Leider ist fluchen heutzutage kaum mehr gesellschaftsfähig, und eigentlich an den meisten Orten verboten. Sehr Schade, weil es tatsächlich ein stress abbauende Wirkung hat. Und das wäre auch für die Gesundheit ganz wichtig. Den Frust ausdrücken dürfen, und nicht immer nur schlucken müssen. Bis der Arzt und/oder der Psychiater dann eingreifen muss. Das war für mich bereits in den 80er Jahren ein Grund meine KV Ausbildung im 1. Jahr abzubrechen, und auf den Bau zu wechseln.
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