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Klimaproblem Überfischung Tatort Meer: Wie wir bewusster Fisch essen können

Die Nachfrage nach Fischprodukten steigt jährlich, gleichzeitig gibt es immer weniger Fische in unseren Meeren. Diese vier Tipps sollen helfen, unseren alltäglichen Fischkonsum bewusst anzupassen.

Schweizerinnen und Schweizer essen immer mehr Fisch: Pro Kopf 170 Gramm Fisch und Krebstiere in der Woche, das sind knapp neun Kilo im Jahr. Seit 1960 hat sich die Menge fast verdoppelt. Das grösste Problem daran ist, dass nur ein sehr kleiner Teil davon aus der Schweiz stammt.

Weltweit gelten rund ein Drittel der Fischbestände als überfischt, das heisst, von diesen Fischarten wird mehr gefischt, als auf natürliche Weise nachwachsen kann. Die anderen beiden Drittel stehen kurz vor der Überfischung.

Eine Lösung sind Aquakulturen, woher bereits heute etwa die Hälfte des Fisches auf unseren Tellern kommt. Doch auch die Fischfarmen schaden der Umwelt vor allem durch den Einsatz von Chemikalien und Antibiotika, die wiederum in die Flüsse und Meere gelangen. Alles zu den Vor- und Nachteilen gibt es in der neuen Folge von «CO2ntrol».

Was also tun? Wir können im Alltag Fischprodukte bewusster konsumieren. Diese vier Tipps sollen beim nächsten Gang an die Fischtheke helfen.

Tipp 1: Weniger Fisch konsumieren

Der erste Tipp liegt auf der Hand: Je weniger Fisch jede und jeder einzelne von uns isst, desto besser geht es den Fischbeständen. Sie können sich natürlich wieder erholen und das Ökosystem bleibt intakt. Wenn weniger gefischt werden muss, reduziert dies auch die Menge an ungewollten Beifängen von Meerestieren wie Delfinen und Meeresschildkröten im Netz.

Tipp 2: Regional vor global

Auf die Herkunft des Fischs achten: Bei Fischen aus der Region sind die Bedingungen der Zucht besser nachverfolgbar als bei solchen aus dem Ausland. Aber Achtung: Es gibt regionale Fischzuchten, die fast ausgewachsene Fische in die Schweiz importieren und sie als Schweizer Fische verkaufen. Das kann problematisch sein, denn nicht immer ist klar, wie diese Fische im Ausland aufgezogen wurden.

Besser ist es, sich für Fisch aus Farmen zu entscheiden, die Shrimps oder Fische als Ei oder Baby importieren und in der Schweiz aufziehen. Ein Label für solche Farmen ist derzeit in Arbeit und wird durch den Schweizer Aquakultur Verband koordiniert. Bis dahin lohnt es sich, bei der Händlerin oder beim Händler direkt nachzufragen.

Tipp 3: Die Label verstehen

Apropos Label: Was die Regeln und Anforderungen angehen, sind die Siegel auf den Dosen und Verpackungen sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist es, sich bewusst zu sein, was die einzelnen Label genau beinhalten.

Welches Siegel soll es sein?
Legende: Welches Siegel soll es sein? Die Label und deren Unterschiede zu kennen ist nicht immer einfach. imago images

Ein Vergleich der Label ist allerdings schwer, weil sie oft andere Ziele verfolgen. Einige dieser Label konzentrieren sich auf den Schutz von ungewollt gefangenen Meerestieren, andere setzen sich für den Erhalt der Fischbestände ein. Die bekannten Fisch-Label beinhalten jedoch häufig nur einen dieser Aspekte – und das macht sie schwer lesbar. Dennoch ist ein Label immer noch besser als kein gar keines.

Die wichtigsten Label unter der Lupe

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Das älteste Fischsiegel überhaupt ist «Dolphin Safe» bzw. SAFE. In erster Linie ist SAFE ein Delfinschutzprogramm, das den Beifang von Delfinen beim Thunfischfang verhindern soll. Zertifizierte Fischereien setzen Massnahmen zur Beifangreduzierung ein und sorgen dafür, dass ungewollt gefangenen Tiere wieder freigelassen werden. Das Programm schliesst den Beifang jedoch nicht aus.

Der «Marine Stewardship Council» (MSC) setzt sich unter anderem gegen die Überfischung der Meere und für die Erhaltung der Fischgründe ein. Umweltschützer kritisieren die Fangmethoden unter dem MSC-Label, die prinzipiell gleich bleiben wie in der industriellen Fischerei. Gemäss Greenpeace schütze das MSC-Label vielleicht die Art, jedoch nicht den Fisch.

Die wahrscheinlich nachhaltigsten Bedingungen beim Fischfang fordert der Verein «Fair Fish». Das Leiden der Tiere soll so klein wie möglich gehalten werden: nur eine kurze Zeit an der Angel oder im Netz und sofort betäuben und töten. In Senegal gibt es Fischer, die bereits nach diesen Richtlinien fischen und seit 2006 in die Schweiz importieren.

Tipp 4: Recherche über den Fisch

Zum Schluss: Wenn es auf dem Teller doch exotischer sein muss und der gewünschte Fisch in der Region nicht erhältlich ist, lohnt sich eine kurze Recherche über dessen Nachhaltigkeit. Dabei können verschiedene Apps helfen.

CO2ntrol, 09.12.2021, 08:25 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Helga Sterr  (Helga Sterr)
    Folgende Liste sortiert Länder nach ihrer Gewinnung von Fisch und anderen Wassertieren wie Krebsen, Muscheln, Garnelen und weiteren (2016): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Fischerei_und_Aquakultur_nach_L%C3%A4ndern
    Die Schweiz ist an Stelle 167 und China an Platz 1. Welche Rolle spielt REAL bei diesen Zahlen mein (Schweizer) Verzicht auf Fisch?
  • Kommentar von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
    Das gut versteckte Problem mit der Fischzucht auch in der Schweiz ist das Futter: Um 1 kg Fisch aus Zucht zu produzieren wird eine große Menge (deutlich mehr als 1 kg) Futter gebraucht und das besteht zu einem grossen Teil auf absolut nicht nachhaltig produziertem Fischmehl. Gemacht aus Fischen inkl Beifang, Delfinen etc aus den Weltmeeren.
    Zuchtfisch ist somit ÜBERHAUPT NICHT Nachhaltig sondern Augenwischerei.
    1. Antwort von Sebastian Krüger  (Sebastian Krüger)
      "Für eine 100-Gramm-Portion Zuchtfisch auf unserem Teller
      wurden 280 bis 420 Gramm Fisch verfüttert!"
      (Zitat von fair-fish.ch)
  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Luna u. Rocki sind Klimakiller, ich soll mich schämen wenn ich irgendwohin fliege, beim verzerr eines herrlichen Bistecca Fiorentina soll mir das Fleisch im Hals stecken bleiben.....ich benötige umgehend psychologische Hilfe....oder nein, jetzt erst recht. Morgen gibts bei uns Surf and Turf. Wildfang wohlverstanden!
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Wissen Sie, ich erhielt in ganz jungen Jahren einmal ein Terrarium mit 2 Mäusen... Habe damals begriffen, dass ich den Ansprüchen meiner 2 Mäuse nur dann gerecht werden konnte, wenn keine weiteren dazu kamen.
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Was sagen uns Herr Strub und Frau Hermann? Strub, dass es ihn sch...egal ist, was er auf dieser Erde seinen Nachfahren hinterlässt und Hermann, alles sei darauf zurückzuführen, dass wir zu viele geworden seien. Wenn auch unterschiedlich, ist doch beides m. E. von ausserordentlicher Kurzsicht geprägt.
    3. Antwort von Peter Meier  (pmeier)
      Wie die 10 % der Menschheit, die in den Industrieländern ein gutes Leben führen, unfähig sind, ihre Konsumgewohnheiten einzuschränken, und daher für einen Grossteil der Umweltverschmutzung, der Treibhausgasemissionen, der Überfischung und zahlloser anderer Umweltschäden verantwortlich sind, sind Sie Teil des Problems und scheinen kein Interesse daran zu haben, Teil der Lösung zu sein.