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30 Prozent der Welt als Naturschutzgebiet
Aus Wissenschaftsmagazin vom 25.09.2021.
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Rekordsumme für Naturschutz Superreiche spenden 5 Milliarden für die Biodiversität

Mäzene stifteten 5 Milliarden Dollar für den globalen Naturschutz. Was kann dieses Geld bewirken – und wie langfristig?

Hansjörg Wyss aus Bern ist reich geworden mit seinem Medizinaltechnik-Unternehmen Synthes. Seit vielen Jahren schon lebt er nun in den USA und setzt sein Milliardenvermögen als Mäzen ein.

Letzte Woche hat er am Rande der UN-Vollversammlung verkünden lassen, er werde weitere 500 Millionen Dollar für die weltweite Biodiversität spenden. Der Gründer von Amazon, Jeff Bezos, spendete eine Milliarde Dollar. Zusammen mit sieben weiteren Spenden von Superreichen kamen so fünf Milliarden Dollar zusammen. Das Geld soll eingesetzt werden, um bis 2030 30 Prozent der Landfläche der Erde und 30 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen.

Legende: Mäzen Hansjörg Wyss spendet für die weltweite Biodiversität. Keystone

So viel Geld aufs Mal wurde noch nie für die Biodiversität gespendet. Verschiedene angefragte Naturschutzexperten halten die finanzielle Unterstützung für beachtenswert. «Für mich haben diese Spenden eine neue Qualität», sagt etwa Raffael Ayé, der Geschäftsführer von Birdlife Schweiz, «weil hier auch Leute involviert sind, die sich bisher im Zusammenhang mit der Biodiversitätskrise nicht so in der Öffentlichkeit gezeigt haben».

Was passiert, wenn der Stifter stirbt?

Private Stifter können im Naturschutz kurzfristig viel erreichen. Doch die Erfahrung zeigt: Langfristig müssten die Zivilgesellschaft und die Staaten für den Naturschutz aufkommen, da sind sich alle befragten Experten einig.

Das zeigt sich etwa am Beispiel von Luc Hoffmann. Der Zoologe und Roche-Erbe hat schon in den 1950er-Jahren in der Camargue in Südfrankreich und anderswo Land für den Naturschutz zusammengekauft und viel für den Schutz der Feuchtgebiete bewirkt. Vor fünf Jahren aber ist Luc Hofmann gestorben und seine Erben setzen das Geld nun anders ein. Hofmanns Mava-Stiftung, die auch in der Schweiz den Naturschutz mit hohen Beträgen unterstützt hat, zahlt ab 2023 nichts mehr.

Indigene Völker wollen gehört werden

Auch der Berner Milliardär Hans Wyss hat weltweit bereits riesige Landflächen aufgekauft und für die Natur gesichert – in Argentinien, Peru, den USA und Kanada zum Beispiel. Das geht aber nur, wenn es sich um Privatland handelt. Eine Studie des Weltbiodiversitätsrates aus dem Jahr 2019 zeigt, dass die Hälfte der für die Biodiversität wertvollsten Flächen schon von indigenen oder lokalen Bevölkerungsgruppen bewohnt wird. Das sei aber grundsätzlich kein Problem, sagt Eva Spehn vom Forum Biodiversität Schweiz, denn in den meisten Fällen schade die bisherige, extensive Nutzung der Natur nicht. Es habe ein Umdenken stattgefunden: «Unter Schutz stellen heisst nicht mehr nur klassischer Naturschutz, wo man eine Käseglocke über die wertvollen Gebiete stülpt und die Menschen ausschliesst.» Schutzgebiete mit nachhaltiger Nutzung sind möglich.

30 Prozent der Fläche für die Natur

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Legende: Keystone

Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten nimmt stark ab. Eine Million von geschätzten acht Millionen Tier- und Pflanzenarten werden in den nächsten wenigen Jahrzehnten aussterben, wenn nicht umgehend eine radikale Wende in der Nutzung der Natur eingeleitet wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Weltbiodiversitätsrates.

Zahlreiche Umweltverbände fordern deshalb, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meerfläche auf der Erde unter Schutz gestellt werden. Das sogenannte 30x30-Ziel wird auch von einer Staatengruppe vertreten, die sich als eine Koalition der Ambitionierten versteht. Auch die Schweiz gehört dazu. Diskutiert wird dieses Ziel am bevorstehenden UN-Weltbiodiversitätsgipfel im Oktober und im Mai im chinesischen Kunming.

Schutz über streng geschützte Gebiete hinaus

Umgekehrt dürfe der Schutz nicht an der Parkgrenze enden, sagt Claude Martin, der ehemalige Generaldirektor von WWF International: «Hochgiftige Pestizide etwa gelangen auch von aussen in die Schutzgebiete und richten dort immense Schäden an.» Kommt dazu, dass in vielen Ländern, wie in der dichtbesiedelten Schweiz, kaum mehr neue Flächen für den Naturschutz gefunden werden können. Das Ziel müsse also sein, auch bereits genutzte Flächen wieder massiv aufzuwerten, um dem Aussterben der Tier- und Pflanzenarten Einhalt zu gebieten.

Die reichen Spender wollen diese Überlegungen berücksichtigen. Sie haben angekündigt, dass sie eng mit der lokalen Bevölkerung, den Naturschutzorganisationen und den Regierungen vor Ort zusammenarbeiten wollen.

Wissenschaftsmagazin, 25.09.2021, 12:40 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Jungblut  (DaYoungblood)
    Nun, zumindest schützt dieses Geld die Stiftungen selbst und die NGOs über die es normalerweise ja fliesst. Das ist doch inzwischen auch nur noch so eine selbsterhaltende Industrie, deren Produkt (zufällig) Biodiversität ist. Aber auch dort arbeiten die (meisten) Mitarbeiter nicht kostenlos und ehrenamtlich, sondern wollen damit erst mal sich und ihre Familie ernähren. Seit den Skandalen um WWF und Oxfam sehe ich das alles doch etwas kritischer.
  • Kommentar von Nora Zollberger  (norzo)
    Mit Mäzenentum und Philanthropie ist es wie in einer Diktatur: es ist sehr viel Macht vorhanden, konzentriert auf sehr wenige Menschen, und alle anderen können sich nur wegducken und hoffen, dass die Auswirkungen dieser überwältigenden Machtausübung lieber nützt als schadet. Demokratie wäre anders. Aber auch dort: wenn Geld mit Einfluss nimmt, dann vernebelt sich der "wahre Wille" bis zur Unkenntlichkeit oder verkehrt sich sogar ins Gegenteil.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Einerseits eine gute Nachricht, andererseits eine Erinnerung wie Geld in unserer Welt unsäglich einseitig verteilt ist. Dass Menschen dermassen reich werden können, irgendwie unwahrscheinlich. Es ist immer auf Kosten anderer. Zu wenig Lohn für geleistete Arbeit, zu hoher Preis für ein Produkt, Ausbeutung Natur, Steueroptimiert. Ich hoffe das Geld wird sinnvoll verwendet. Gebiete geschützt im Einklang Natur und Mensch. Es sollte vorwiegend in ärmere Länder in grossflächige Projekte einfliessen.