In der Schweiz gibt es zwei Wieselarten: das Hermelin und das Mauswiesel. Es sind zwei der vielen Tiere, die unter der Landwirtschaft leiden. Helfen sollen Ast- und Steinhaufen. Die Haufen sollen einen Rückzugsort bieten – wo sich Tiere verstecken, Junge aufziehen, oder in Ruhe jagen können.
Als Biologe Andrin Dürst ein Projekt leitet, das Wieselpopulationen mit eben solchen Haufen fördern will, merkt er: Eigentlich weiss man gar nicht, ob die Haufen tatsächlich etwas bringen. Forschung muss her.
Ein Tag-Team zum Wohl der Schweizer Wiesel
Also wechselt Andrin Dürst vom Wiesel-Förderprojekt in die Forschung. Er startet ein Doktorat an der Universität Bern und untersucht gemeinsam mit anderen Forschenden, ob die Haufen bringen, was sie versprechen: mehr Wiesel in der Schweiz. Dafür vergleicht er Gebiete, in denen es menschengemachte Ast- und Steinhaufen gibt, mit Gebieten, in denen solche Haufen fehlen.
Um die flinken Tiere ausfindig zu machen, engagieren Dürst und Team Spürhunde, die darauf trainiert sind, Wieselkot zu finden. Auch zum Einsatz kommen Fotofallen in Kisten mit Tunneln, die die Wiesel gerne erkunden.
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Bild 1 von 4. Frei in der Natur stehende Fotofallen sind in der Regel zu langsam, um vorbeihuschende Hermeline zu fotografieren. In einer Kiste klappt es eher. Bildquelle: Andrin Dürst/Universität Bern.
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Bild 2 von 4. Gregory Egloff und Andrin Dürst (v.l.n.r.) von der Uni Bern haben kürzlich in zwei Studien gezeigt, dass die Haufen dem Hermelin helfen, sich im Schweizer Mittelland besser zu etablieren. Bildquelle: Nicole Friedli/SRF.
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Bild 3 von 4. Der Verein Artenspürhunde Schweiz hat für die Studien Hunde darauf trainiert, den Kot von Hermelinen und Mauswieseln aufzuspüren. Bildquelle: Nicole Friedli/SRF.
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Bild 4 von 4. Die Studien von Dürst und Egloff zeigen, dass sich das Hermelin in den Steinhaufen besonders wohl fühlt. Vor allem dann, wenn die Haufen gross sind und Hohlräume haben. Bildquelle: Andrin Dürst/Universität Bern.
In zwei Studien zeigen Dürst und sein Team: Die Haufen nützen. In Regionen, in denen es menschengemachte Schutzstrukturen für die Wiesel gibt, sind die Hermeline mehr als doppelt so zahlreich wie in vergleichbaren Regionen. Für die Mauswiesel gibt es zu wenig Daten – so selten sind sie.
Dennoch ist Dürsts Fazit eindeutig: «Mit diesen Studien können wir erstmals belegen, was Fachleute schon lange vermutet haben: dass die Kleinstrukturen die Biodiversität fördern und somit auch einen Nutzen haben für die Umwelt.»
Die Studien dürften auch Landwirtinnen und Landwirte freuen, erzählt Andrin Dürst. Hermeline ernähren sich von Mäusen. Diese wiederum können auf den Feldern stören, da sie die Wurzeln von Pflanzen fressen und Erdhaufen hinterlassen. Das Hermelin aber frisst so viele Mäuse, dass es den Bestand kontrolliert. Happy End also, was die Hermeline betrifft. Aber was ist mit den vielen anderen Tieren, für die es zu wenig Unterschlupfmöglichkeiten gibt?
Haufen für die Spinnen, Echsen und Käfer
Auch Zauneidechse, Laufkäfer und Spinnen könnten von den Haufen profitieren. In einer aktuellen Studie untersuchen Andrin Dürst und Team, ob die Haufen auch diesen Tieren nützen. An 14 Standorten im Schweizer Mittelland haben sie für weitere Untersuchungen Stein- und Asthaufen gebaut.
Der Nachweis, ob die Tiere in diesen Regionen überhaupt verbreitet sind, ist nicht weniger aufwändig als bei den Wieseln: Käfer und Spinnen müssen die Forschenden in Fallen fangen. Im Anschluss identifizieren Dürst und Team im Labor, um welche Arten es sich handelt. Für die Reptilien mussten die Forschenden sogar die Gebiete ablaufen und Tiere zählen.
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Bild 1 von 4. Die Zauneidechse steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten in der Schweiz. Auch sie soll von den Haufen profitieren. Bildquelle: Universität Bern.
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Bild 2 von 4. Spinnen und Laufkäfer fallen in den Gebieten rund um die Stein- und Asthaufen in solche Becherfallen. Bildquelle: Andrin Dürst/Universität Bern.
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Bild 3 von 4. Danach analysieren Andrin Dürst und sein Team die Tiere im Labor. Bildquelle: Lara Schärer/Universität Bern.
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Bild 4 von 4. Die Arbeit ist aufwändig – aber nur so können die Forschenden feststellen, welche Tiere von den Haufen profitieren. Bildquelle: Lara Schärer/Universität Bern.
Nun werten die Forschenden die bereits gesammelten Daten aus. Etwas kann Andrin Dürst schon verraten: «Für die Reptilien können wir ganz klar sagen, dass diese Haufen einen positiven Effekt haben.»
Auch wenn weitere Analysen noch ausstehen, ist klar: Die Haufen allein werden nicht alle bedrohten Tierarten in der Schweiz retten. Aber sie könnten ein wichtiges Puzzleteil sein bei der Erhaltung der Biodiversität.