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Escobars exotisches Erbe Kolumbiens invasive Flusspferde: Grosse Tiere, grosse Probleme

Gegen die Hippo-Plage wurde lange nichts unternommen – mit weitreichenden Folgen für das lokale Ökosystem und die Tiere selbst. Nun muss die Regierung eingreifen.

Kolumbien hat ein Flusspferd-Problem. Die Aussage erstaunt, denn Flusspferde sind eigentlich nur im südlichen Afrika in freier Natur anzutreffen. Was also haben wildlebende Hippos in Südamerika zu suchen?

Die Antwort: 1981 liess Drogenbaron Pablo Escobar vier Hippos aus einer amerikanischen Zucht importieren – als absurdes Statussymbol.

Frau neben Skulptur von gestapelten Nilpferden im Freien.
Legende: Besucher des Hancienda Napoles Themenparks in Doradal werden von einer bemerkenswerten Installation begrüsst. imago images/Zuma Press

Nach Escobars Tod 1993 vermehrten sich die Tiere rasch und brachen aus dem riesigen Anwesen der Hacienda Napoles aus. Aus den einstmals vier Flusspferden sind Schätzungen zufolge heute über 200 Exemplare geworden – Grund genug für die Regierung einzuschreiten. Doch was sind eigentlich die Probleme?

Keine natürlichen Feinde

Die Flusspferde haben in Kolumbien keine natürlichen Feinde. Sie vermehren sich ungehindert und verdrängen einheimische Arten wie Seekühe, Otter, Kaimane und Schildkröten. Letztere sind vom Aussterben bedroht.

Auch gegenüber Menschen verhalten sich die scheinbar gemütlichen Riesen teils aggressiv. Diverse Angriffe und Verkehrsunfälle wurden bereits registriert.

Was ist eine invasive Art?

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Als invasive Art werden Lebewesen bezeichnet, die nicht aus eigener Kraft, sondern durch menschliche Hilfe in ein Gebiet einwandern, in dem sie zuvor nicht heimisch waren.

Die Folgen reichen von schnellem Aussterben aufgrund mangelnder Anpassung bis zu ungehinderter Verbreitung aufgrund fehlender natürlicher Feinde. Letzteres kann zu einem grossen Ungleichgewicht im Ökosystem führen.

Die Hippo-Exkremente verschmutzen zudem Gewässer, erhöhen aber auch deren Nährstoffgehalt. Deshalb vermehren sich Cyanobakterien und Algen prächtig – eine Gefahr für die aquatische Flora und Fauna und die lokalen Fischer.

Degeneration durch Inzucht

Alle kolumbianischen Flusspferde stammen von denselben vier Tieren ab. Die jahrzehntelange Inzucht setzt den Hippos zu: Genetische Probleme, Erbkrankheiten und Fehlbildungen nehmen zu. Die Lebensqualität nimmt in jeder weiteren Generation ab.

Mehrere Flusspferde im Wasser mit Köpfen sichtbar.
Legende: Die ungehemmte Vermehrung auf Basis des winzigen Genpools hat auch für die Tiere selbst negative Konsequenzen. imago images/Anadolu Agency

Gescheiterte und verpasste Lösungsansätze

  • Eine grossflächige Sterilisation erwies sich als zu langsam, kostspielig und gefährlich.
  • Ein Umzug der Tiere scheiterte an mangelndem Interesse der potenziellen Abnehmer und an der Bürokratie.
  • Auch afrikanische Länder lehnten ab. Es bestand kein Interesse, genetisch geschädigte Exemplare in die heimischen Populationen aufzunehmen.
  • 2022 empfahlen Fachleute, jährlich mindestens 33 Tiere zu entnehmen. Die Empfehlung verhallte ungehört.

Was gegen eine radikale Ausrottung spricht

Mitte April verkündete das Umweltministerium nun das aktuelle Vorgehen: Mindestens 80 Flusspferde sollen noch dieses Jahr getötet werden.

Wieso nicht gleich alle? Wäre das nicht angemessener? Diese Meinung vertritt Sebastián Restrepo Calle, Assistenzprofessor für Ökologie an der kolumbianischen Universität Javeriana. Eine vollständige Lösung sei jedoch unrealistisch: «Das Budget reicht nicht aus, aktivistische Gruppen wehren sich im Namen des Tierschutzes, und die Tiere sind – trotz ihres teils schlechten Gesundheitszustands – in der Bevölkerung schlicht beliebt», so der Experte.

Personen bei einer Konferenz über das Management von Flusspferden.
Legende: Irene Vélez Torres, die Direktorin des kolumbianischen Umweltministeriums, informierte an einer Pressekonferenz über das geplante Vorgehen bezüglich der Flusspferde. Die Reaktionen fielen gemischt aus. Umweltministerium Kolumbien

Zudem ziehen die Tiere Touristen an und sind für manche Einwohner zur Einnahmequelle geworden. Wer Escobars exotischem Erbe an den Kragen will, macht sich also nicht nur Freunde. Erschwerend kommt die politische Instabilität in Teilen der betroffenen Gebiete hinzu. Somit bleibt vorerst nur eine Teillösung.

Das späte Handeln hat seinen Preis: Mittel, die für die Flusspferde aufgewendet werden, fehlen anderswo. Ob die Intervention die Situation nachhaltig verbessert, bleibt offen – ein langfristiger Lösungsansatz fehlt bis heute.

SRF 1, Tagesschau, 14.4.2026, 19:30 Uhr

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