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Tausend Mal stärker als Morphium: Das Gift des Zauberkegels
Aus 100 Sekunden Wissen vom 14.01.2022.
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Inspiration für Schmerzmittel Das Gift dieser Meeresschnecke hilft bei Schmerzen

Die unscheinbare Zauberkegel-Schnecke jagt mit Harpune und Nervengift. Davon können Schmerzbetroffene profitieren.

Der Zauberkegel ist ziemlich unscheinbar: Drei bis neun Zentimeter lang ist das kegelförmige Häuschen der Meeresschnecke, manchmal bräunlich gescheckt, manchmal weiss.

Das Tier lebt in Korallenriffen im Pazifik und ist Fleischfresser – Fischfresser, um genau zu sein. An Futter zu kommen ist nicht ganz einfach, denn der Zauberkegel kommt nur im Schneckentempo voran.

Ausgeklügelte Jagdwerkzeuge

Trotzdem ist das Tierchen ein ausgezeichneter Jäger – dank der Waffen, die sich unter seinem kegelförmigen Häuschen verbergen: einer Harpune und einem potenten Nervengift. Damit geht die Meeresschnecke auf die Jagd.

Legende: Mit der Harpune durchdringt die Meeresschnecke sogar Handschuhe und Taucheranzüge. Jeanette und Scott Johnson

Schwimmt ein Beutefisch in seine Nähe, streckt der Zauberkegel seinen Rüssel aus und schiesst seine giftige Harpune ab. Der Fisch wird augenblicklich gelähmt, denn das Gift blockiert die Weiterleitung der Signale in den Nerven. So kann der Zauberkegel seine Beute in aller Ruhe verspeisen.

Nicht nur für Fische tödlich

Das Gift des Zauberkegels ist so stark, dass es auch für Menschen gefährlich werden kann. Die Harpune besteht aus Chitin, dem gleichen Material, aus dem der widerstandsfähige Panzer von Krebstieren gemacht ist. Sie kann durch Handschuhe oder Taucheranzüge dringen.

Immer wieder ziehen sich Menschen Vergiftungen zu, wenn sie eine Schnecke aufheben oder versehentlich darauf treten. In seltenen Fällen kann diese Vergiftung gar tödlich enden.

Tausend Mal stärker als Morphium

Für Schmerzbetroffene hält das Gift des Zauberkegels jedoch eine Chance bereit: Forschende konnten das Nervengift so anpassen, dass es Schmerzreize im Rückenmark blockiert. Das funktioniert, weil die Kommunikationswege in menschlichen Nerven ähnlich sind wie in den Nerven der Fische. Die Substanz wirkt tausend Mal stärker als Morphium und kann Patienten helfen, bei denen gängige Schmerzmittel keinen Erfolg zeigen.

Magisch, wie der Name der Zauberkegelschnecke suggeriert, ist die Wirkung dann doch nicht: Das potente Schmerzmittel muss direkt in die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gespritzt werden und kann auch zu teils schweren Nebenwirkungen führen, wie Schwindel oder Gedächtnisproblemen. Darum ist die Behandlung Patientinnen und Patienten mit schweren chronischen Schmerzen vorbehalten.

Zauberkegelschnecken kommen bei der Herstellung des Medikaments übrigens nicht zu Schaden – der Wirkstoff wird mittlerweile künstlich im Labor produziert.

100 Sekunden Wissen, 14.01.2022, 06:54 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Da der "Homom sapiens" ein Teil der Natur ist, war/ist es auch absolut logisch, dass sich der MENSCH bei Krankheit, normalerweise auch mittels zu Hilfenahme der immensen Möglichkeiten in der Natur zu heilen versucht.
    Das hat die Medizin absolut vergessen, verlernt, was auch mit grenzenloser Habgier zusammenhängt!
    So gibt es zum Glück immer noch umsichtige Naturheil-MedizinerInnen, welche mittels Natur-Produkte- und Helmethoden praktizieren und das ist gut so!
    1. Antwort von Davide Mingione  (Davide Mingione)
      Alles was wir einnehmen ist Teil der Natur. Wir haben nichts erfunden, sondern synthetisiert. Das war bereits die Philosophie der Alchemie, die versucht hat, schädliche Stoffe aus der Natur (Blumen, Pflanzen, etc.) zu entfernen. Die heutige Medizin ist nur die Weiterentwicklung davon (CHEMIE), da wir mehr Wissen angeeignet haben und Prozesse besser verstehen.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Spannender Artikel, doch werden Schmerzpatient:innen genannte Risiken eingehen? Um schwerwiegende Nebenwirkungen zu ertragen, muss die Wirkung des Stoffes alles bis anhin in den "Schatten" stellen. Direkt in die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gespritzt, scheint mir ein heikler Punkt zu sein. Schmerzpatient:innen wägen meistens ab, was für sie lebenswerter ist. Erstrebenswert wäre somit ein Pflaster analog Fentanylpflaster, zwar auch mit handfesten Nebenwirkungen, doch relativ einfach im Umgang.