Zum Inhalt springen

Header

Audio
Supervulkan bei Neapel als eine ständige Bedrohung
Aus Rendez-vous vom 15.08.2019.
abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Inhalt

Supervulkan bei Neapel Der Vulkan, unser gefährlicher Mitbewohner

700 Kilometer südlich der Schweiz schlummert ein riesiger Vulkan: Seine unterirdischen Magmakammern sind aktiver als lange vermutet.

Es war im Jahr 79 nach Christus: Die Menschen in Pompeii werden überrascht beim Mittagessen, beim Flanieren auf der Strasse, die Tiere auf der Weide. Dank der Asche, die sie bedeckte, wissen wir heute, wie der Alltag der Römer war, als der Vesuv ausbrach. Die Eruption war verheerend.

Es könnte aber viel schlimmer kommen, denn auf der anderen Seite von Neapel schlummert ein noch viel grösserer und viel gefährlicherer Vulkan als der Vesuv. Es handelt sich um das Gebiet um die phlegräischen Felder, ein Gebiet in dem heute anderthalb Millionen Menschen wohnen.

Legende: Blick auf den eingesackten Kessel (Caldera) der phlegräischen Felder: 1,5 Millionen Menschen leben direkt auf dem Vulkan. SRF / Christian von Burg

Die Erde dort hebt und senkt sich. In der Küstenstadt Pozzuoli zum Beispiel hob sich die Erde Anfang der 80er-Jahre innerhalb von zwei Jahren um fast zwei Meter. Die Häuser bekamen Risse. Tausende von Einwohnerinnen und Einwohner wurden evakuiert – doch der Vulkan kam nicht.

Kessel- statt Vulkanform

Wie gross dieser Vulkan ist, sieht man fast nur vom All aus, denn er hat nicht die uns vertraute Vulkanform. Er hat die Form eines flachen Kessels, einer sogenannten Caldera. Diese entsteht, wenn ein riesiger Vulkan sehr viel Material ausstösst und danach das ganze Gebiet einsackt.

Mehr als zehn Kilometer misst die Caldera im Durchmesser. «Solche Calderen sind ein Merkmal sogenannter Supervulkane», sagt Gianfilippo De Astis vom nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Rom. «Davon gibt es ein gutes Dutzend weltweit, darunter etwa der Tambora in Indonesien oder eben die Campi Flegrei.»

Weltweite Auswirkung

Ausbrüche von Supervulkanen haben weltweite Auswirkungen. So erlebte Europa nach der Eruption des Tambora 1816 wegen der vielen Aschepartikel in der Luft ein Jahr ohne Sommer. Es gab grosse Ernteausfälle und in der Folge eine Hungersnot.

Legende: Anfang der 80er-Jahre wurden in der Küstenstadt Pozzuoli tausende Leute evakuiert. Diese römischen Säulen standen zwischenzeitlich unter Wasser. SRF / Christian von Burg

Die letzten grossen Eruptionen der phlegräischen Felder waren vor 39'000 und vor 15'000 Jahren. Eine viel beachtete Studie vom letzten Winter zeigt, dass sich die unterirdischen Magmakammern wieder aufbauen. Damit ist für die Experten klar: Dieser Vulkan ist einer der gefährlichsten der Welt.

Rund um die Uhr überwacht

Der Vulkan wird unterdessen rund um die Uhr am Vesuv-Observatorium in Neapel überwacht. Der Vesuv sei ruhig, sagt die Direktorin Francesca Bianco. «Bei den phlegräischen Felder hingegen haben wir Stufe Orange, weil verschiedene Messdaten nicht normal sind.»

Legende: Wird rund um die Uhr überwacht: die Erdbewegungen des gefährlichen Vulkans unter den phlegräischen Feldern. SRF / Christian von Burg

Die Erde hebt sich weiter, die Zusammensetzung der Gase, die aus dem Boden strömen, verändert sich und die Temperatur der heissen Tümpel auf den phlegräischen Felder erhöht sich. Trotzdem haben die Menschen vor Ort noch immer das Gefühl, der Vesuv sei viel gefährlicher.

Früher oder später

Vulkanologe De Astis hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung besser zu informieren. Wenn er das Rad zurückdrehen könnte, würde er zahlreiche Wohnüberbauungen, die in den letzten Jahrzehnten westlich von Neapel errichtet wurden, nicht mehr bauen. «Aber diese dicht besiedelten Gebiete jetzt zurückzubauen und die Leute wegzuschicken, das ist undenkbar.»

Wann der Vulkan wieder ausbricht, können die Fachleute derzeit nicht sagen. Es kann in 10, es kann aber auch erst in 10'000 Jahren sein. Sicher ist nur, dass er irgendwann ausbrechen wird.

Die Macht der Vulkane: Jahre ohne Sommer (1/2)
Aus SRF school vom 02.01.2019.

«Im Umbruch»: unsere Wissenschafts-Serie

Box aufklappen Box zuklappen

Pubertät – sich selbst werden

Pubertierende nerven, doch macht es Sinn, was da passiert. Ihr Gehirn reift, lernt viel dazu – und die Heranwachsenden werden: sie selbst.

Woraus besteht die Welt?

Teilchenbeschleuniger wie der LHC am CERN galten lange als die mächtigsten Messinstrumente, um den Aufbau der Materie zu untersuchen. Doch nun steht die Forschung an einem Scheideweg.

Das prekäre Ich

Die westliche Gesellschaft hat sich in den letzten 20 Jahren vollkommen neu zusammengesetzt: Niemand kann seine Kultur heute noch so leben, als ob es keine daneben gebe. Als Individuen müssen wir uns permanent entscheiden, wer wir sind.

Aus Aberglauben wird Wissenschaft

Am Anfang stand die Alchemie mit einer Mischung aus Beobachtungen, Wünschen und Aberglauben. Am Ende wurde daraus die Chemie.

Wissen: Wer es hat, befiehlt. Wer befiehlt, hat es.

Wissen flottiert nicht. Es ist immer Teil von Machtstrukturen. Kommt es zu politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, wechselt das Wissen seine Besitzer.

E-DNA ist der neue Schlüssel

Lebewesen hinterlassen Spuren ihres Erbguts als Schuppen, Schleim oder Kot. Diese E-DNA erlaubt ganz neue Erkenntnisse über Ökosysteme.

Eine alte Therapie kommt wieder

Die Behandlung von Infektionen mit Viren, die Bakterien töten, hat spektakuläre Erfolge erzielt. Aber für diese alte Methode muss die moderne Medizin sich wandeln.

Was, wenn er Feuer speit?

700 Kilometer südlich der Schweiz liegt ein schlummernder Supervulkan, die phlegräischen Felder bei Neapel. Was bedeutet es, wenn dieser aktiver wird?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    """"Der Vulkan, unser gefährlicher Mitbewohner"""""" Leider ist die Schlagzeile falsch, der Mensch ist der gefährliche Mitbewohner. Bitte Korrigieren :) :)
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Früher oder Später wird die Zeit der Menschheit abgelaufen sein!
  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Wer verbietet diesem Klimakiller endlich,Schwefel und
    Kohlendioxid auszustossen?Vom Feinstaub gar nicht zu
    reden.
    1. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Gewisse Leute sehen diesen als Klimaretter, der sogar Eiszeiten entstehen lassen können. Persönlich wünsche ich dies niemanden, wäre ein solcher Ausbruch doch mit unwahrscheinlich viel Leid verbunden, doch gewisse Kreise hätten gerne wieder die Eiszeit zurück inkl. Mammut und Säbelzahntiger.