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Ungewöhnliche Diät Warum Gibraltars Makaken plötzlich Erde fressen

Forschende haben in einer Studie die berühmten Makaken der Halbinsel Gibraltar beobachtet und ein eigenartiges Verhalten festgestellt: Je mehr sie gefüttert werden, desto mehr Erde fressen sie.

Die einzigen freilebenden Affen in Europa sind eine Touristenattraktion. Doch die vielen Menschen bringen oft auch Essen mit sich: eine feine Glace, ein paar M&Ms oder Paprika-Chips. Oft wird das den Tieren angeboten – oder sie stehlen es.

Doch da sie sich normalerweise von Pflanzen und gelegentlichen Insekten ernähren, bereitet diese unnatürliche Diät Probleme: Erwachsene Makaken sind nämlich, wie viele Menschen auch, laktoseintolerant. Da muss die Verdauung einer Schoggi-Glace eher unangenehm sein. Auch viel Zucker, Fett oder Salz ist für sie ungeeignet. 

Die Beobachtungsstudie zeigt eine verblüffende Strategie der Affen: Erde fressen. Sozusagen als Nahrungsergänzungsmittel zur ungesunden Diät entscheiden sich die Tiere offenbar bewusst, die umliegende Tonerde vom Boden zu sich zu nehmen.

Das soll laut dem Primatologen Sylvain Lemoine die Affenmägen beruhigen und Reizungen vorbeugen, und ihre Verdauung mit guten Bakterien und Mineralien unterstützen. 

Was ist Geophagie? 

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Geophagie bezeichnet in der Fachsprache die bewusste Einnahme von Erde. Bei Primaten wurde dieses Verhalten schon öfter beobachtet. Beispielsweise fressen Ost-afrikanische Schimpansen oder Lemuren auf Madagaskar manchmal Erde, um Giftstoffe aus Pflanzen zu neutralisieren. 

Aber nur Makaken im Kam Shan Park in Hongkong zeigen Geophagie so oft wie die auf Gibraltar – auch begünstigt durch ihren Zugang zu riesigen Mengen menschlicher Nahrung.

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