Wo Giganten kämpfen und Nashörner flirten

Die Tiere in der dürren Kalahari wenden viele Tricks an, um sich zu verteidigen oder um an Futter zu kommen. Die erste Folge der DOK-Serie «Afrika – der ungezähmte Kontinent» hat den Südwesten Afrikas gezeigt – und einen einzigartigen Giraffenkampf.

Video «Duell der Giraffenbullen» abspielen

Duell der Giraffenbullen

2:45 min, vom 25.6.2013

Es ist wohl eine der eindrücklichsten Szenen, die Martyn Colbeck je gesehen hat. «Wir haben 30 Tage auf diesen Moment gewartet», sagt der Kameramann des BBC-Filmteams in einem Interview. Einen Monat lang sind sie im Hoanib-Tal in Namibia dem Giraffenpaar gefolgt. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, taucht ein junger Rivale in der Talsohle auf. Sofort holt er mit seinem langen Hals weit aus und fordert den Altbullen zu einem gewaltigen Kampf heraus.

Überleben dank taktischem Geschick

Der Kampf der beiden Giraffenbullen ist nur eine von vielen imposanten Szenen, die das BBC-Filmteam im Kalaharibecken zwischen Botswana, Namibia und Südafrika einfängt. Hier im Südwesten Afrikas finden auf rund zweieinhalb Millionen Quadratkilometern abenteuerliche Kämpfe statt – und für das Überleben zählen Erfahrung und taktisches Geschick.

Stossverkehr an der Wasserstelle

Die Anpassung an die dürre und gefährliche Umgebung führt oft zu engen Beziehungen unter den Tieren der Kalahari. Der Drongo beispielsweise, ein schwarzer Singvogel, warnt die Erdmännchen vor nahenden Greifvögeln. Doch gelegentlich missbraucht er ihr Vertrauen, um einen leckeren Bissen zu ergattern. Ein Warnruf ertönt – doch war es wirklich ein anderes Erdmännchen? Oder einmal mehr der Drongo, der einer seiner Tricks ausspielte, um an den saftigen Skorpion zu gelangen?

Viele Tierarten versammeln sich an einer Wasserstelle in der Kalahari. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hochbetrieb zum Trinken: Auch kleinste Wasserstellen ziehen in der heissen Jahreszeit viele Springböcke und andere Tiere an. SRF/BBC

Schon den Straussenküken bleibt der Kampf ums Überleben nicht erspart. Um unter der sengenden Sonne nicht zu verdursten, müssen sie die Wasserstelle in der Etosha-Salzpfanne erreichen.

Die Altvögel bringen ihre Schar im Schatten ihrer Flügel sicher ans Ziel – doch Vorsicht: Zwischen Hunderten von Zebras, Giraffen, Elefanten und anderen durstigen Tieren müssen sich die Winzlinge ihren Weg finden, ohne zertrampelt zu werden.

Wassermassen – in der Tiefe

Am Wasserloch finden sich rund um die Uhr viele Arten ein. Und hier lässt sich im Schutz der Dunkelheit Ungewöhnliches beobachten: Spitzmaulnashörner versammeln sich zu einem nächtlichen Treffen. Die gewöhnlich einzelgängerischen Tiere zeigen plötzlich eine ungeahnte Kontaktfreudigkeit und Zärtlichkeit.

Ein Spitzmaulnashorn in der Kalahari. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bedrohter Einzelgänger mit Charme: Die Tierfilmer beobachteten auch das Paarungsverhalten von Spitzmaul-Nashörnern in der Kalahari. SRF/BBC

Wasserstellen gibt es in der dürren Kalahari nur wenige. Das kostbare Nass gibt es gleichwohl im Überfluss – nur leider ist es unerreichbar: In mehr als 60 Metern Tiefe liegt in den Otavibergen bei Grootfontein der grösste unterirdische See: Das Drachenhauchloch – eine unwirtliche Höhle, doch selbst hier unten versuchen eigenartige und äusserst rare Gestalten, ihr Leben zu meistern.

Neue Anblicke für erfahrene Filmer

Das Team um den mehrfach prämierten Tierfilmer David Attenborough hatte bereits früher in Afrika gedreht. Doch auch für die Briten waren viele Szenen Premieren, wie etwa die Zusammenkunft der Nashörner. Giraffenbullen hatte man zwar früher schon beim Kämpfen gefilmt. Doch ein so unerbittlicher Zweikampf war für Kameramann Colbeck ein einzigartiger Anblick. Und erst in Zeitlupe sei der Kampf, der nicht einmal eine Minute dauerte, richtig zum Ausdruck gekommen.

Sendung zu diesem Artikel

  • Video «Kalahari - Im Bann der roten Wüste» abspielen
    SRF 1 03.07.2013 20:05

    DOK Afrika
    Kalahari – Im Bann der roten Wüste

    03.07.2013 20:05

    Um in der ältesten Wüste der Welt zu überleben, müssen ihre Bewohner alles riskieren: Die Lebewesen der dürren Kalahari haben sich die skurrilsten und wundersamsten Tricks angeeignet, um sich und ihr Revier zu verteidigen oder um an Wasser zu kommen.