Gestern Abend ist bei Koblenz in Rheinland-Pfalz ein Meteorit niedergegangen. Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel hat wissenswerte Fakten zusammengetragen.
Was ist am Sonntagabend vom Himmel gefallen?
Was wir gestern Abend um 19 Uhr am Nachthimmel gesehen haben, war ein Meteor. So nennt man den Lichtschein, den ein Meteoroid – ein Gesteinsbrocken aus dem All – erzeugt, wenn er in die Erdatmosphäre eindringt. Dieser Meteoroid war so gross, dass er – zumindest in Teilen – als Meteorit bis auf die Erde runtergekommen ist.
Was genau ist da passiert?
Es war eine sogenannte Feuerkugel. Die entsteht, wenn Gesteinsbrocken, die grösser sind als ein Basketball, in die Atmosphäre eindringen. Diese Brocken sind mit bis 230’000 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das Leuchten entsteht, weil die Luft des Eindringkanals durch die hohe Geschwindigkeit zu einem Plasma erhitzt wird, das dann sehr hell glüht. Irgendwann platzt der Gesteinsbrocken, weil die Luft vor ihm so komprimiert wird, dass sie hohen Druck auf den Brocken ausübt. Dieses Platzen ist als Knall auf der Erde zu hören. Die Feuerkugel erlischt meist in etwa 50 Kilometern Höhe und die Fragmente des Gesteinsbrocken fallen dann als Meteorite mit 150 bis 200 Stundenkilometer auf die Erde runter.
Weiss man, woher dieser Meteoroid gekommen ist?
Meteoroide stammen fast alle aus dem sogenannten Asteroidengürtel, das ist ein Bereich in unserem Sonnensystem zwischen Jupiter und Mars, dort kreisen in einer Art Scheibe sehr, sehr viele Gesteinsbrocken, grosse und kleine, um die Sonne. Sie gehören zu den ältesten Materialien im Sonnensystem, sie sind 4.5 bis 4.6 Milliarden Jahre alt. Ganz selten enthalten Meteoroiden sogar noch älteres Material: Die ältesten Staubkörnchen, die man mal in einem Meteoriten gefunden hat, sind sogar 7 Milliarden Jahre alt, sie stammen aus der Zeit vor unserem Sonnensystem. Die Gesteine bei uns auf der Erde sind viel, viel jünger.
Wann war der letzte Meteoriteneinschlag?
Feuerkugeln wie die, die man jetzt gesehen hat über Süddeutschland, gibt es etwa einmal im Jahr. Noch grössere Brocken bis zehn Meter kommen etwa alle zehn Jahre vor. Die meisten gehen aber im Meer nieder, oder irgendwo sonst, wo es niemand mitbekommt. Der letzte wirklich heftige Einschlag ist übrigens gar nicht so lange her, das war 1908 in Sibirien, das sogenannte Tunguska-Ereignis, bei dem durch die Wucht des Aufpralls auf einer Fläche von 1200 Quadratkilometern die Bäume umgefallen sind, und dessen Licht man bis Nordirland sehen konnte.
Warum passiert das nicht öfter?
Selten oder nicht, das ist eine Frage der Perspektive. Insgesamt dringen jeden Tag mehr als zehn Tonnen Material aus dem All in die Atmosphäre ein. Fast alles verglüht aber in der Hochatmosphäre und wir bekommen kaum etwas davon mit. Dazu kommt, dass die Erde sich ihre Umlaufbahn um die Sonne über die Jahrmillionen hinweg sozusagen freigeräumt hat und immer weiter freiräumt: Mit ihrer Anziehungskraft zieht sie alles an, was in ihre Bahn kommt, und heute ist deshalb nicht mehr viel Grosses oder Gefährliches da, was der Erde in die Quere kommt. Dass sich ein Meteoroid oder Asteroid aus dem Asteroidengürtel löst, wie vermutlich dieser von gestern, das ist relativ selten.