Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Seltenes Ereignis im Erdorbit Riesiger Asteroid wird uns 2029 nahe kommen

Der fast 400 Meter grosse Apophis wird in drei Jahren extrem nah an der Erde vorbeirauschen, genau beobachtet von einer mitfliegenden Raumsonde. Auch ein Team der Universität Bern ist beteiligt an dieser ESA-Mission im Zeichen der Asteroidenabwehr.

Noch ist er weit weg. Doch am 13. April 2029 wird er uns nahe kommen, der Asteroid Apophis. Er wird dann an der Erde vorbeifliegen, auf 30’000 bis 32’000 Kilometer Höhe und damit tiefer als unsere hohen Wetter- und Kommunikationssatelliten. Man sollte Apophis von Europa aus von blossem Auge sehen können – denn mit 375 Meter Durchmesser ist er ein Riese unter den Asteroiden, die der Erde so nahe kommen.

«Diesen Vorbeiflug hat man unter Kontrolle»

Ein Objekt dieser Grösse könnte bei einem Einschlag auf der Erde mit der Wucht des Aufpralls, aber auch mit der Druckwelle und Hitze, die dabei entstehen, ein Gebiet von nahezu der Fläche Deutschlands verwüsten. Doch einen Einschlag schliessen die Experten und Expertinnen im Fall des Apophis klar aus: «Diesen Vorbeiflug hat man unter Kontrolle. Da kennen wir die Distanz sehr genau», sagt etwa Physiker Martin Jutzi, ein Spezialist der Universität Bern für Einschlagmodellierungen.

Und doch will die Europäische Raumfahrtagentur ESA – in einer Mission namens «Ramses» – Apophis im Zeichen der Asteroiden-Abwehr untersuchen. Dies von einer Raumsonde aus mit Messgeräten sowie einer Kamera, die ein Forschungsteam an der Uni Bern entwickelt. Auch die japanische Raumfahrtagentur Jaxa und etwas später die US-amerikanische Nasa werden Apophis mit Raumsonden erkunden. Denn es passiert sehr selten, einmal alle paar Jahrtausende, dass man einen so stattlichen Brocken quasi vor der Haustür zu sehen kriegt und dabei Neues lernen kann über Asteroiden und, wie man sie notfalls in eine andere Bahn bugsiert.

Isometrische Ansicht von CHANCES (Colour High-resolution Apophis Narrow-angle CamEra System).
Legende: Die Kamera wird an der Uni Bern in einem Forschungsteam unter der Leitung von Antoine Pommerol entwickelt. Die Kamera wird unter anderem zeigen, wie der Asteroid konkret aussieht und aus welchem Material er an der Oberfläche ist. Uni Bern, Design: Daniele Piazza, Joel Fritschi, Thierry de Roche

Falls tatsächlich mal ein grosser Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde wäre, würde man am ehesten schon ein paar Jahre vor seiner Ankunft im Weltall eine Raumsonde auf ihn schiessen, um ihn an der Erde vorbei zu lenken, sagt der Asteroidenabwehr-Experte Detlef Koschny von der Technischen Universität München. Je nachdem bräuchte es auch mehrere Raumsonden nacheinander. Im äussersten Notfall könnte man eine Atombombe in Asteroidennähe zünden.

Könnten wir einen Asteroiden wirklich ablenken?

Wie sich eine nukleare Explosion auswirken würde, lässt sich heute mangels Erfahrung nicht abschätzen. Diese Massnahme wäre rechtlich ohnehin verboten, so Detlef Koschny, werde aber als Ultima Ratio ernsthaft diskutiert.

Die gefährlichsten sind eher klein

Box aufklappen Box zuklappen

Je grösser ein Asteroid ist, umso mehr wächst bei einem Einschlag sein Zerstörungspotenzial. Die grössten, kilometergrossen Brocken wie vor 66 Millionen Jahren der «Dinosaurier-Killer» können daher die ganze Welt verändern, wenn sie einschlagen. Das passiert aber höchst selten. Und zudem habe man diese alle im Blick, sagen Experten wie Detlef Koschny von der Technischen Universität München, der auch für die ESA tätig ist.

Für uns im Alltag gefährlicher sind die viel zahlreicheren kleineren Asteroiden oder Meteoriten, wie man sie am Boden nennt. Ein 20-Meter-Brocken zum Beispiel kann statistisch gesehen alle 50 Jahre bis alle paar Jahrhunderte einmal runterkommen und durchaus zerstörerisch sein. Letztmals passierte dies 2013 im sibirischen Tscheljabinsk. Jener 20 Meter grosse Asteroid ist – wie oft bei kleineren Asteroiden – noch in der Luft explodiert. Doch seine Druckwelle hat erheblichen Sachschaden angerichtet, und 1500 Menschen wurden verletzt, vor allem durch herumfliegende Glassplitter von zerbrochenen Fensterscheiben.

Mehr Erfahrung hat man mit Raumsonden als Projektil: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat 2022 tatsächlich eine Raumsonde in den weit entfernten Asteroiden Dimorphos geschossen. Und wie beabsichtigt, hat sich dadurch die Bahn dieses 150 Meter grossen Brockens verändert. Ende 2026 wird die ESA vor Ort nachsehen, was der Einschuss ganz genau verändert hat. Die Daten jener europäischen Mission namens Hera werden das Wissen, wie man Asteroiden erfolgreich ablenkt, weiter vergrössern.

Dasselbe gilt für die geplanten Untersuchungen des Apophis: Die Berner Kamera und weiteren wissenschaftlichen Geräte jener Mission werden laut Martin Jutzi etwa zeigen, ob Apophis wie vermutet eher ein loser steiniger Geröllhaufen ist oder vielmehr ein kompaktes Objekt mit Metall drin. Asteroiden des ersten Typs lassen sich leichter ablenken als die des zweiten. Wie ablenkbar Asteroiden von ähnlicher Beschaffenheit wie Apophis tatsächlich sind, das werden spätere Modellierungen am Computer zeigen.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 9.2.2026, 18:00 Uhr

Meistgelesene Artikel