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Mögliche Vorläufer von DNA Organische Moleküle auf dem Mars: Ist das schon Leben?

Der Mars-Rover «Curiosity» entdeckt auf dem roten Planeten eine überraschende Vielfalt von Kohlenstoffverbindungen. Deren Einordnung wirft grundlegende Fragen auf.

Die Fundstelle liegt am Fuss des über fünftausend Meter hohen Bergs Mount Sharp. Hier dürfte vor dreieinhalb Milliarden Jahren ein See die Mars-Oberfläche bedeckt haben. Mittlerweile ist das Wasser verschwunden und nur noch eine Sedimentschicht übrig.

Der Mars-Rover «Curiosity» der US-Raumfahrtbehörde Nasa bohrte dort und fand eine überraschende Vielfalt von organischen Molekülen. Dies zeigen Auswertungen, die kürzlich im Fachmagazin «Nature» erschienen sind.

Roboter auf dem rotem Sand und Gestein.
Legende: «Curiostiy» sammelt seit der Landung auf dem Mars im August 2012 Daten und ist dabei auf interessante Bodenproben gestossen. imago images/NASA-JPL-Caltech via CNP

Das müssen nicht zwingend Spuren von Leben sein, könnten aber. Auf jeden Fall gelten solche Kohlenstoffverbindungen – sogenannte organische Materialien – als mögliche Grundbausteine von Leben.

Früheres Leben oder doch nur Geologie?

Der Mars-Rover spürte verschiedene Kohlenstoffverbindungen auf, unter anderem auch in Kombination mit Stickstoff. Die Nasa spricht hier zwar von möglichen Vorläufern von DNA – ein Beweis für früheres Leben auf dem roten Planeten sei das aber nicht.

Das Problem ist, zu unterscheiden, ob diese Bausteine des Lebens einfach aus geologischen Prozessen entstanden sind oder doch Abbauprodukte von früherem Leben sind. «Es ist wie ein Legostein, den wir irgendwo finden und uns dann fragen, ob mit diesem irgendwann mal etwas gebaut werden könnte – oder ob er ein Teil eines komplexen Ganzen gewesen ist», sagt Christian Mayer von der Universität Duisburg-Essen, der die Entstehung von Leben erforscht.

Grundbausteine des Lebens an vielen Orten im All

Direkt kann man also nicht beweisen, ob der Mars-Rover Spuren von früherem Leben gefunden hat – oder einfach nur spannende tote Chemie. Doch immerhin, wer auf Leben ausserhalb der Erde hofft, dürfte sich freuen: In Asteroiden, in Kometen und Meteoriten, aber auch auf anderen Planeten und Monden gibt es ebenfalls organische Moleküle, also Bausteine von möglichem Leben.

Darauf weist die Astrochemikerin Susanne Wampfler hin, die bis vor kurzem Assistenzprofessorin an der Universität Bern war: «Wir sehen, dass diese Grundbausteine für Leben an vielen Orten vorhanden sind, aber dass wir andererseits bisher nichts gefunden haben, was definitiv Leben ausserhalb der Erde beweisen könnte», sagt Wampfler. Organische Chemie allein reiche also nicht als Grundlage für Leben.

Die Grenze zwischen toter Chemie und Leben

Wie also kann aus toter Chemie Leben werden, so wie das auf der Erde passiert ist? Dazu forscht Christian Mayer mit Laborversuchen. Im Labor gelinge es zwar, organische Moleküle dazu anzuregen, immer komplexere Strukturen herauszubilden. Doch der grosse Schritt gelinge bisher aber nicht: die Entstehung einer lebenden Zelle, die sich selber teilen kann.

Was es für Leben braucht: Ordnung und Komplexität

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Um von einer lebenden Struktur sprechen zu können, müssten zwei Dinge gegeben sein, sagt Christian Mayer von der Universität Duisburg Essen: Ordnung und Komplexität.

«Die einfachsten Organismen auf der Erde haben ein Genom, das so gross ist wie ungefähr drei Kapitel in einem Buch.» Wahrscheinlich sei dies das Minimum an Komplexität, das es für Leben brauche, so Mayer.

Dazu brauche es Ordnung. «In lebenden Zellen gibt es eine Vielzahl von Molekülen, die exakt dieselbe Struktur haben, zum Beispiel Enzyme, Proteinmoleküle mit exakt derselben Sequenz.» Diese Ordnung brauche es, damit Lebensfunktionalität entstehen könne.

Weder wurden ausserhalb der Erde solche Strukturen gefunden, noch kann man bisher im Labor aus toter Chemie Leben herstellen.

Und zur grossen Frage, ob es ausserhalb unseres Planeten noch Leben gibt? «Wir könnten das einzige Leben im Universum sein – oder es könnte selbst in unserer Milchstrasse Tausende von belebten Himmelskörpern geben», sagt Christian Mayer. Er könne weder das eine noch das andere ausschliessen.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 7.6.2026, 18:00 Uhr

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