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Marsmission gestoppt US-Kongress entzieht Nasa das Geld – Proben bleiben auf dem Mars

Der Mars-Rover Perseverance der Nasa sammelt seit 2021 Gesteinsproben auf dem Mars. Der Plan: Die Proben bald auf die Erde zu holen. Die USA sagen nun: «Zu teuer, wir steigen aus». Dabei könnten die Proben Hinweise auf Leben auf dem Mars geben – die nun keiner weiter untersucht.

Raumfahrtprojekte brauchen einen langen Atem. Und: viel Geld. – Das nötige Geld hat nun der US-Kongress einem ehrgeizigen Projekt der Nasa entzogen: Der Projektplan war, Proben, die der Mars-Rover Perseverance seit 2021 gesammelt hat, auf die Erde zu holen und dort zu untersuchen. Dieser Plan geht nicht mehr auf.

Der Rover hatte 2021 den Mars erreicht, und seitdem im sogenannten Jezero-Krater Proben genommen. Der Krater ist 45 km gross und stammt von einem Asteroideneinschlag. Vor Millionen von Jahren gab es dort einen See und einen Fluss. Wenn es Leben auf dem Mars gegeben hat, wären die Sedimente von See und Fluss ein guter Ort, um eindeutige Hinweise darauf zu finden. So die Überlegung.

Mögliche Spuren von Leben

Womöglich ist die Idee aufgegangen. In vulkanischem Gestein hat Perseverance Sulfate und Carbonate gefunden. Das deutet darauf hin, dass dort einmal heisses Wasser geflossen ist. Wenn dieses Wasser mit dem Gestein reagiert hat, könnten Wasserstoff und Methan entstanden sein, wichtige Voraussetzungen für frühes Leben.

Neue Studie: Ozean auf dem Mars

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Eine neue Studie der Universität Bern festigt die Hinweise, dass es früher einen sehr grossen Ozean mit flüssigem Wasser gegeben hat. «Das zeigt, dass der Mars vor etwa drei Milliarden Jahren ein «blauer Planet» gewesen ist», so die Universität Bern. Mithilfe von Kameraaufnahmen von Satelliten, die um den Mars kreisen, hat das Forschungsteam unter der Leitung des Geologischen Instituts Strukturen auf dem Mars entdeckt, die grosse Ähnlichkeit mit klassischen Flussdeltas auf der Erde aufweisen. Es handle sich um Spuren von Flüssen, die ihre Sedimente in einen Ozean eingetragen haben, so wie das auch auf der Erde stattfindet.

Ergänzung zu früheren Studien
Hinweise für eine wasserreiche Vergangenheit unseres Nachbarplaneten sind nicht neu. In den Valles Marineris, dem grössten Canyonsystem entlang des Äquators, wurden bereits Hinweise auf einen Ozean entdeckt. Funde von Mineralien, die durch Wasser verändert wurden, sind ein starker Hinweis. Die neuen Forschungsresultate hätten nun «eindeutige Hinweise für eine (…) Küstenlinie» geliefert. Ein Ozean, der sich über die Nordhemisphäre des Mars erstreckte und etwa die Grösse des Arktischen Ozeans auf der Erde hatte.

Ausserdem gibt es an einer anderen Stelle im Krater komplexe, organische Moleküle, genauer: aromatische Verbindungen. In einer weiteren Probe in Sedimenten aus Ton fanden sich sogenannten Leoparden-Flecken, ein Muster, das auf der Erde typischerweise durch Mikroben entsteht.

Rätsel, die sich nur auf der Erde lösen lassen

Der Rover selbst hat einige Messinstrumente an Bord. Kameras natürlich, aber auch Massenspektrometer oder Röntgengeräte für chemische Untersuchungen. – So kann der Rover die Proben direkt vor Ort untersuchen. Nur bleiben noch viele Fragen offen, Fragen, die sich nur in Laboren auf der Erde klären lassen. Deshalb war der Plan die Proben bis 2035 auf die Erde zu holen.

Ein Mars-Rover wirft seinen Schatten zwischen Bohrlöchern.
Legende: Viele der vom Mars-Rover gewonnenen Proben lassen sich vor Ort untersuchen – entscheidende Fragen können jedoch nur Labore auf der Erde klären. NASA/JPL-CALTECH

Damit sind wir bei der Geldfrage: 11 Milliarden Dollar an Kosten schätzte 2023 ein unabhängiger Bericht, alleine um die Proben heimzuholen. Die Nasa hatte dann im Januar noch ein Konzept vorgelegt, um die Kosten auf immerhin 7 Milliarden zu drücken. Doch überschiessen auch andere Projekt der Raumfahrtagentur was die Kosten angeht. Die Konkurrenz unter den Projekten ist gross, die Geldsorgen der Nasa überall.

Perseverance sammelt unterdessen weiter, hat Proben in Titanhülsen für die spätere Abholung auf der Marsoberfläche deponiert, und füllt weiter eine Lagerkammer in seinem Inneren.

Streit um Geld geht weiter

Die Entscheidung des US-Kongresses, die Rückholung der Perseverance-Proben nicht zu finanzieren, fällt im Kontext der Auseinandersetzung über die Finanzierung der Wissenschaft in den USA insgesamt.

Die Vorschläge der Trump-Regierung sehen massive Streichungen um bis zu die Hälfte der Bundesgelder vor. Der Kompromiss, der nun für die Budgets der Raumfahrtbehörde Nasa, der National Science Foundation NSF und das Energieministerium vorliegt, schlägt vor, ihr Budget fast gleich zu lassen. Das sind an sich gute Nachrichten, doch im politischen Tauziehen dafür blieb das Marsprojekt auf der Strecke.

Die Folge: Womöglich hat die Nasa Beweise für Leben auf dem Mars längst gefunden. Nur kann sie sich keiner anschauen.

Radio SRF 4 News, 12.1.2026, 16:25 Uhr

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