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Von Hubble bis Roman Diese Teleskope machen Furore im All

Seit kurzem ist es fertig, im September geht’s ins All: Das Nancy-Grace-Roman-Teleskop wird wie die anderen Top-Teleskope den Rätseln des Universums nachspüren – von der dunklen Energie bis zum Leben im All. Was kann jedes dieser Weltraumteleskope?

Potenter Nachfolger von Hubble: das Roman-Teleskop

Das neue Nasa-Teleskop hat einen Spiegel, nicht grösser als jener von Hubble. Das Roman-Teleskop ist aber moderner und verfügt über andere Instrumente. In nur einem Jahr soll es daher gleich viele Daten liefern wie Hubble in den letzten 36 Jahren. Das neue Superauge kann fast einzigartig grosse Ausschnitte vom Universum beobachten. Zudem kann es das Licht von sehr hellen Sternen ausblenden, sodass etwa schwach leuchtende Planeten davor sichtbar werden.

Weltraumaufnahme mit Roman-Sichtfeld markiert.
Legende: Das Bild zeigt, um wieviel grösser das Sichtfeld des Roman-Teleskop ist im Vergleich zu Hubble’s berühmten Säulen der Schöpfung. Nasa/L. Hustak (STScI)

Mit dem Roman-Teleskop, benannt nach der US Astronomin Nancy Grace Roman, will die Nasa daher 2600 Exoplaneten in der Milchstrasse entdecken. Die Zahl der bekannten Exoplaneten würde sich damit um fast einen Drittel erhöhen – und die Chance, auf einem von ihnen künftig Leben zu finden, steigt.

Wer war Nancy Grace Roman?

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Die amerikanische Astronomin war die erste Astronomie-Chefin der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Sie gilt als Wegbereiterin für Frauen in der Wissenschaft und im Bereich Weltraumteleskope.

In ihrer Amtszeit hat die Nasa 1968 das erste Weltraumteleskop überhaupt ins All geschossen, ein 30 cm grosses Fernrohr namens Orbiting Astronomical Observatory 2.

Mit Überzeugungskraft und Engagement hat Nancy Grace Roman erwirkt, dass das berühmte Hubble Teleskop 1990 tatsächlich den Weg ins All gefunden hat. Sie wird daher zuweilen als «Mutter von Hubble» bezeichnet; und das neue Teleskop, das als Nachfolger von Hubble gilt, trägt nun ihren Namen. Vor acht Jahren ist die Pionierin der modernen Weltraumastronomie 93-jährig gestorben.

Auch weiteren grossen Geheimnissen des Kosmos soll das Roman-Teleskop auf die Spur kommen: so etwa der dunklen Energie, welche die beschleunigte Ausdehnung des Universums erklären könnte.

James Webb – Zeitmaschine und Multitalent

Dieses teuerste Weltraumteleskop kann einzelne Objekte unvergleichlich detailliert sehen. Webb, wie es kurz heisst, hat bereits den Blick aufs frühste Universum verändert. So kann man heute annehmen, dass es wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall, der vor 3.8 Milliarden Jahren war, nicht einfach waberndes Plasma gab, sondern schon exotische schwarze Löcher und bald auch Frühformen von Galaxien. Doch auch in unserer kosmischen Nachbarschaft, 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, haben Forschende unter anderem von der Uni Bern, Aufregendes entdeckt: das Planetensystem Trappist-1. Drei der sieben Planeten liegen in einem Abstand zu ihrem Stern, wo flüssiges Wasser denkbar ist, sofern die Planeten eine Atmosphäre haben. Letzteres wird mit Webb weiter untersucht.

Abbildung des James-Webb-Weltraumteleskops im Weltraum.
Legende: Hat den grössten Spiegel (6.5 Meter): das James-Webb-Teleskop, welches die Weltraumagenturen der USA, Europa und Kanada gemeinsam betreiben. NASA

Euclid – die dunkle Seite des Kosmos in 3D

Die sichtbare Materie macht nur fünf Prozent des Alls aus. Der grosse Rest besteht aus dunkler Materie und dunkler Energie. Erstere tangiert mit ihrer Gravitation den Lauf der Sterne, letztere beeinflusst die Ausdehnung des Universums, wird vermutet. Diese rätselhafte dunkle Seite des Kosmos will die Europäische Weltraumorganisation Esa mit ihrem Euclid-Teleskop erhellen. Die Forschenden – auch aus der Schweiz – erstellen zu diesem Zweck eine 3D-Karte des Kosmos. Die soll mit Abdeckung eines Drittels des Himmels die grösste solche Karte überhaupt werden und kann auch Veränderungen über die Zeit, bis zehn Milliarden Jahre zurück, dokumentieren.

Ein Weltraumteleskop vor einem Sternenhintergrund.
Legende: Das Euclid-Teleskop der Weltraumorganisation Esa erforscht die noch nie direkt gemessene dunkle Materie und dunkle Energie. ESA/ATG

Und wie geht es weiter mit Hubble?

Der Oldie unter den Top-Teleskopen arbeitet ungebrochen weiter und bleibt gefragt. Hubble liefert nämlich nicht nur die bekannten Bilder von romantischen Nebeln oder funkelnden Kugelsternhaufen. Hubble ist heute auch das einzige Teleskop, das – für uns unsichtbares – ultraviolettes Licht einsammeln kann. Für die Wissenschaft ist das interessant. Denn hochenergetische Objekte, zum Beispiel riesige Sterne, geben viel UV-Licht ab, ganze Galaxien können in UV-Licht strahlen, und auch mit UV-Licht-Aufnahmen lässt sich mitunter erkennen, ob ein Planet eine Atmosphäre hat. Hubble bleibt im Spiel – Fachleute geben ihm weitere 30 Jahre.

Ein Weltraumteleskop über der Erde schwebend.
Legende: Bleibt weiterhin aktiv: Das Hubble-Weltraumteleskop, hier über der Erde. STS-82 Crew/STScI/NASA

Radio SRF 4 News, 30.4.2026, 16:10 Uhr

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